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Luxus-Apartments mit Hintertür: Die edlen Wohnungen im Karma Bavaria am Schliersee.

Schliersee fürchtet Dauerwohner

In diese Schlierseer Luxus-Apartments dürfen nur Touristen - für immer

Nach dem Willen der Gemeinde sollten die Ex-Alpenclub-Apartments eigentlich nur touristisch genutzt werden. Doch der Verkäufer bietet eine Hintertür. Die soll jetzt fest vernagelt werden.

Schliersee – Die emsigen Verkäufe von Appartements im Karma Bavaria (Ex-Alpenclub) haben den Argwohn des Schlierseer Gemeinderats erregt und tun dies weiterhin. Den im November 2014 ins Verfahren geschickten Bebauungsplan, der eine weitgehende touristische Nutzung des Geländes vorsieht, hat das Gremium nun abschließend behandelt. Die vor drei Jahren verhängte Veränderungssperre läuft in zwei Monaten aus. Ob die Sache damit erledigt ist, scheint fraglich.

Eine Wohnung der jüngsten Verkaufs-Tranche ist noch zu haben. Das vollmöblierte Luxus-Appartement (57 Quadratmeter) kostet fast 300.000 Euro, dem Käufer wird eine Rendite von 4,5 Prozent in den ersten drei Jahren versprochen. Die Wohnung wird weiter über das Hotel vermietet, vier Wochen pro Jahr kann der Eigentümer sie selbst nutzen. Soweit, so gut. Aber: Im Anschluss an diese Zeit könne er die Wohnung komplett beziehen, heißt es im Verkaufsangebot. Also als Erstwohnsitz nutzen. Da allerdings will der Gemeinderat nicht mitspielen. Über das Gelände hat er deshalb einen Bebauungsplan gelegt, der eine touristische Nutzung festzurrt.

Allerdings gibt es da ein Problem: In den Appartementhäusern (Kirchbichlweg 10 bis 16) haben schon seit vielen Jahren diverse Schlierseer ihren Erstwohnsitz (wir berichteten). Diese will der Gemeinderat nicht vertreiben. Er hat das Gebiet daher zweigeteilt und erlaubt im nördlichen Teil eine Dauerwohnnutzung auf bis zu 30 Prozent der vorhandenen Geschossfläche. Die Verwaltung ist der Meinung, dass dies genügen müsste, um die bestehenden Bedürfnisse zu befriedigen. Mehr geht allerdings nicht, weil sonst das festgesetzte Sondergebiet Fremdenverkehr als solches nicht zu halten wäre. Für die Erstwohnsitz-Inhaber heißt dies: Die Eigentümer müssen eine Nutzungsänderung beantragen. Das haben die erste schon getan, der gemeindliche Bauausschusss wollte aber erst noch warten, bis das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist.

Im südlichen Teil mit der Hotelanlage gilt die mögliche Ausnahmeregelung für Erstwohnsitz-Inhaber nicht, hier gilt: Wechselbelegung ohne Wenn und Aber, plus Betriebsflächen und vielleicht noch Personalwohnungen. Die Stellungnahme der Anwälte des Hoteleigentümers, eine GmbH, lässt vermuten, dass das Unternehmen das Handeln der Gemeinde nicht auf sich sitzen lassen wird. Von einem „massiven Eingriff in das Eigentumsrecht“ ist da die Rede und von der Notwendigkeit, den Betrieb an die „wechselnden wirtschaftlichen Anforderungen anzupassen, insbesondere darauf zu reagieren, dass der Fremdenverkehr in Schliersee seit Jahren rückläufig ist.“ Der letzte Halbsatz hatte schon zuvor erheblichen Widerstand im Gemeinderat geerntet: denn die Übernachtungszahlen steigen. Ferner hält die Gemeinde dem entgegen, dass Anpassungen und auch betriebliche Erweiterungen weiterhin möglich sind – nur müssen diese eben touristisch genutzt werden.

Den ganz großen Änderungsdruck gibt es derweil offenbar nicht. Die Belegungszahlen seien ordentlich, schreiben die Anwälte, und eine Nutzungsänderung „aktuell nicht beabsichtigt“. Gemeinderat Robert Mödl (Die Schlierseer) mahnte aber: „Wir sollten die nächsten Jahre ein Auge darauf haben, was sich da tut.“ 

Daniel Krehl

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