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Lebt den Geist der Zeit: Die Mondlandung hat Wolfgang Holota (66) geprägt. Heute leitet er eine Firma für Raumfahrttechnik in Neuhaus, Holota Optics.

„Es war unbegreiflich“

Interview: So hat die Mondlandung vor 50 Jahren diesen Neuhauser beeinflusst

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Als 16-Jähriger hat Wolfgang Holota die Mondlandung in der DDR vor dem Fernseher verfolgt. Heute erforscht er selbst den Weltraum. Wir haben ihn interviewt.

Neuhaus – Am Abend des 20. Juli  1969 kann Wolfgang Holota kaum glauben, was er im Fernsehen sieht. Um 21.17 Uhr landet Apollo 11 auf dem Mond. Später in der Nacht, um 3.56 Uhr, setzt Neil Armstrong den ersten Fuß auf den Erdtrabanten. Holota ist damals 16 und lebt in Wernigerode in der DDR. Er wird Physik studieren, Chefingenieur des Münchner Raumfahrtentwicklers Astrium werden und am Nachfolger des berühmten Hubble-Weltraumteleskops forschen. Er wird in seinem Haus in Neuhaus eine Sternwarte einrichten und eine Firma für Weltraumtechnik gründen, Holota Optics. In unserem Gespräch erklärt er, wie er die Mondlandung erlebt hat und wie sie seinen Lebensweg beeinflusst hat.

Herr Holota, wo waren Sie am Abend des 20. Juli 1969?

Wolfgang Holota: Da habe ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in Wernigerode vor dem Fernseher gesessen. Die komplette Familie. Meine Eltern wollten eigentlich nicht, dass ich so spät Fernsehen schaue. Aber sie waren eher sanft. Das Ergebnis war auch umgekehrt: Sie sind wach geblieben.

Hat es sich gelohnt?

Wolfgang Holota: Wir fanden es alle toll, was wir da sahen. Aber es war auch unbegreiflich. Für die damalige Zeit war schon eine Live-Übertragung etwas Besonderes. Und jetzt kamen die Bilder vom Mond! Es war nur ein Bild pro Sekunde. Aber das war mehr, als wir uns vorgestellt hatten. Auch die gesamte Mission hat mich begeistert. Dass die Astronauten sogar Mondgestein mitgebracht haben, war unvorstellbar. Das hat gezeigt, was die Menschheit alles tun kann, wenn sie es will.

Hat Sie das beeinflusst?

Wolfgang Holota: Ich stand damals kurz vor der Mittleren Reife. Da fragt man sich, was man mit seinem Leben machen will. Mathe und Physik haben mich schon immer interessiert. Durch die Mondlandung wurde die Neugier aber noch einmal größer. Ich wollte wissen, wie es da oben aussieht. Diese Neugier braucht man als Jugendlicher.

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Hatten die damals allen Jugendlichen?

Wolfgang Holota: Mehr oder weniger. Die Mondlandung war für alle etwas Besonderes. Auch für meine Freunde. Aber ich glaube, ich war schon der Begeistertste. Einige haben am nächsten Tag auch nur gesagt: „Hast Du gehört? Die Amis waren auf dem Mond.“ Es war eben unglaublich. Damit geht jeder anders um. Aber es war nicht wie in Amerika, wo selbst die Babys vor dem Fernseher saßen.

Aber Sie hatte das Fieber gepackt?

Wolfgang Holota: Ja! Und es treibt mich seitdem an. Ich stehe heute noch mit Bewunderung vor der Mondrakete Saturn V, von der drei in den USA ausgestellt sind. Auch wenn wir in unserer Firma ein Instrument für die Raumfahrt bauen, ist es der gleiche Antrieb. Davon bin ich nie weggekommen. Glücklicherweise hat das Leben es immer wieder zu mir gebracht.

Warum war die Faszination so stark?

Wolfgang Holota: Das lag an der Technik und der Neugier. Aber es war auch das Weltbild, das hinter der Raumfahrt steht. Neil Armstrong hat immer vom Frieden und von der gesamten Menschheit geredet, nicht von einzelnen Ländern. Bis zu seinem Tod. Auch nach der Rückkehr, als die Besatzung als Helden gefeiert wurden, war ihm das eher unangenehm. Er hat immer betont, dass er nur eine Leiter runtergeklettert sei. Der Rest war für ihn ein Verdienst der Menschheit. Das hat mich fasziniert. Es war interessant, wie solche Menschen diese Dinge bewerten, und versuchen Gemeinsamkeiten zu betonen. Sie wollten uns näher zusammenbringen.

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Konnten Sie diese Lehren auf ihr Leben übertragen?

Wolfgang Holota: Ich habe mir Mühe gegeben. Ich war zum Beispiel Chef-Ingenieur bei Airbus in Ottobrunn. Da habe ich versucht, nach den gleichen Idealen zu handeln. In der Raumfahrt muss man multinational denken. Ich habe Freunde in den USA, in Frankreich, in Großbritannien. Bei unserem Zusammenhalt spielt die Nation keine Rolle. Ich denke, das sind sinnvolle Werte für die heutige Zeit. Und für alle anderen auch.

Der Vorwurf, die Mondlandung, die sich an diesem Wochenende zum 50. Mal jährt, habe nie stattgefunden, ist fast so alt wie die Landung selbst. Es ist ein Klassiker unter den Verschwörungstheorien. Menschen glauben gerne die unglaublichsten Dinge. Dafür gibt es gute Gründe.

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