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Inventur in den Staatsforsten Schliersee: 125.000 Bäume werden gemessen - Arbeiten bis Weihnachten

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Von: Jonas Napiletzki

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Hier muss es sein: Inventurleiter Horst Grünvogel (r.) und Betriebsleiter Jörg Meyer suchen westlich vom Schliersee eine der 6500 Stellen im Forstbetrieb, an der zuletzt im Jahr 2014 Bäume erfasst wurden.
Hier muss es sein: Inventurleiter Horst Grünvogel (r.) und Betriebsleiter Jörg Meyer suchen westlich vom Schliersee eine der 6500 Stellen im Forstbetrieb, an der zuletzt im Jahr 2014 Bäume erfasst wurden. © Stefan Schweihofer

Horst Grünvogel misst als Inventurleiter der Staatsforsten 125000 Bäume auf 34000 Hektar Wald im Forstbetrieb Schliersee. Die Daten helfen beim nachhaltigen Arbeiten im Wald.

Landkreis – Horst Grünvogel steht in einem Bergwald zwischen Hennerhof und Gindelalm, westlich vom Schliersee. Mit einem Nicken deutet er bestimmend zur Seite und sagt: „Ois rechts vo meiner Ziegarn.“ Dann lacht er und klärt auf: „So war das früher bei der Forstbetriebsplanung.“ In königlicher Manier hätten die Chefs der Staatsforsten angeordnet, welche Flächen dem nächsten Kahlschlag zum Opfer fallen.

Die Forstbetriebsplanung gibt’s auch heute noch – nur in ausgeklügelterer Form. Grünvogel, Inventurleiter aus der Staatsforsten-Zentrale in Regensburg, arbeitet kollegial mit Jörg Meyer, Betriebsleiter des Forstbetriebs Schliersee, zusammen. Kahlschläge sind eh abgeschafft. Auch Zigarren raucht der nette Mann mit Schnurrbart nicht.

Alle zehn Jahre wird die Forstbetriebsplanung erneuert

Seine Aufgabe, bei der unsere Zeitung ihn und Meyer gestern begleitet hat, ist die Inventur, also die Bestandsaufnahme in den Staatsforsten, auf deren Grundlage die neue Forstbetriebsplanung erstellt wird. „Sie gibt die Rahmenbedingungen unserer Arbeit vor“, erklärt Meyer. Momentan arbeiten die 70 Mitarbeiter des Forstbetriebs nach der Planung aus dem Jahr 2014. Alle zehn Jahre gibt’s neue „Leitplanken“, wie Meyer den Plan umschreibt. Damit der rechtzeitig bis zum Jahr 2024 auf den Tischen liegt, hat Grünvogel mit seiner Inventur schon in diesem Frühjahr angefangen.

Klar ist, dass er auf der 34000-Hektar-Fläche des Schlierseer Forstbetriebs nicht jeden Stein umdrehen kann. Deshalb gibt es sogenannte permanente Inventurpunkte, in deren Umkreis alle zehn Jahre immer die gleichen Bäume als Stichproben überprüft werden. „Das ist der Knackpunkt dieses Verfahrens“, sagt Grünvogel. Nur so könne zielgerichtet ein profundes Bild entstehen: Welches Volumen hat welcher Baum entwickelt, wie sieht es mit dem Höhenzuwachs und eventuellen Schäden aus?

GPS, Metalldetektor und Kompass helfen beim Suchen der Stichproben-Bäume

Damit Grünvogel auch wirklich die Bäume wiederfindet, die bei der Inventur 2014 zuletzt gemessen wurden, sind an bestimmten Punkten im Boden Metallringe vergraben. Deren ungefähre Lage ist mit Koordinaten in einem Tablet vermerkt. Via GPS lässt sich der Inventurleiter dorthin navigieren. Dann beginnt Handarbeit: Grünvogel schwenkt einen Metalldetektor über das Areal, bis die gelbe Stange piepst. Hat er den Metallring gefunden, legt er einen Kompass an – und findet anhand alter Karten die Bäume. Grünvogel deutet auf eine Fichte. Sie steht in einem 37-Grad-Winkel, 11,60 Meter vom Ausgangspunkt entfernt, und ist 98 Jahre alt. Schäden hatte sie bis 2014 nicht. Der Inventurer, wie sich der Mann aus Regensburg selbst bezeichnet, ist zufrieden.

Bis Weihnachten werden er und seine elf Mitarbeiter etwa 125 000 Bäume, ausgehend von 6500 Punkten, gemessen haben. Er erkennt Sturmschäden, Wildbiss und kann mit einem Zuwachsbohrer das Alter der Stämme bestimmen. Oberstes Ziel des Forstbetriebs sei Nachhaltigkeit, sagt Meyer. Und die Daten, die später in Regensburg ausgewertet werden, zeigen ihm, ob er alles richtig gemacht hat. Bekommen alle Bäume genug Licht? Ist der Wald ausreichend gemischt? Fichten, Tannen, Buchen und Edellaubholz wie der Bergahorn sollten sich abwechseln. Manchen Bäumen muss dafür auf die Sprünge geholfen werden. Nicht mehr durch Kahlschläge, aber durch gezielte Entnahmen und Verwertung benachbarter Stämme.

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