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„Tolle Auszeichnung“: Jakob Gritscher (l.) wurde durch Obermeister Konrad Stelmaszek zum Ehrenobermeister ernannt.

Seit rund 50 Jahren Bäcker

Jakob Gritscher (63) aus Neuhaus ist jetzt Innungsehrenobermeister

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Neuhaus -  Seit fast einem halben Jahrhundert steht Jakob Gritscher in der Backstube. Nun wurde er zum Ehrenobermeister ernannt.

Als Bub träumte Gritscher davon, als Kriminaler Verbrecher zu jagen. Auch ein Leben als Pfarrer hätte er sich gut vorstellen können. „Ich hatte aber schon früh viele Wünsche und dachte mir, dass ich viel arbeiten muss, um sie mir erfüllen zu können.“ Also tat er das Naheliegende und entschied sich, in der elterlichen Bäckerei den Knethaken zu schwingen. Damals war der heute 63-Jährige zarte 14 Jahre jung. Seither sind Wasser, Mehl und Teig seine ständigen Lebensbegleiter.

Über die Jahrzehnte hat der Bäckermeister viele Umbrüche in der Branche erlebt. Er hat gesehen, wie modernste Technik in der Stube Einzug hielt und Kollegen vom Markt verschwanden. Mitte der 70er Jahre, erinnert sich der Autoliebhaber, habe es in der Region 66 Bäckereien gegeben. „Heute sind es 16.“

Eigentlich ist Gritscher, der 19 Jahre als Obermeister und 14 Jahre als Lehrlingswart tätig war, schon in Rente. So richtig kann er aber noch nicht loslassen – und will auch gar nicht. Denn das Handwerk sei einfach unheimlich erfüllend. „Den Leuten gute Waren zu bieten macht viel Spaß. Mit Wasser, Luft und Dampf zu arbeiten, ist so etwas Lebendiges“, schwärmt der leidenschaftliche Bäcker. Der Anreiz, ständig gute Qualität zu bieten, sei jeden Tag aufs Neue eine wunderbare Herausforderung. Auch allzu große Sorgen um die Zukunft seines Standes macht er sich nicht. „Die Guten werden sich behaupten“, ist er überzeugt und sagt, was man von einem Bäcker erwartet. „Die Spreu wird sich vom Weizen trennen.“

Dass sein Beruf für ihn weit mehr ist, als ein Broterwerb, merkt man sehr schnell. Und natürlich ist das auch der Innung nicht verborgen geblieben, die den Schlierseer am Sonntag im Rahmen einer Feierstunde im Almgasthaus Café Aibl zum Ehrenobermeister der Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen ernannte. „Eine tolle Auszeichnung und schöne Anerkennung“, freut sich der Mann, der zu Hochzeiten 32 Ehrenämter bekleidet hat. Dass er nicht in den Polizeidienst oder auf die Kanzel gegangen ist, das bereut der passionierte Bäcker übrigens nicht. „Und zwar keinen einzigen Tag.“

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