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Satirischer Dialog: Andreas Rebers und Monika Gruber bei der „Bergpredigt“ auf dem Stümpfling. 

Kabarettistisches Gipfeltreffen

Warum „W“ das Lieblingskennzeichen der Oberlandler ist

Von Monika Gruber kann man einiges lernen - zum Beispiel über Weißbier. Mit Andreas Rebers war sie nun auf dem Stümpfling zu Gast.

Spitzingsee – Sogar zwei Mal gab es heuer die Bergpredigt am Stümpfling in der Jagahütt’n. Kein Wunder, hatte Chefprediger Andreas Rebers doch Monika Gruber als Gast eingeladen – mit ihrer Zugkraft wie ein Hochleistungsmagnet. Die Wirtsleute Otto und Angelika Riegger dankten vor allem dem Wettergott, denn beide bis auf den letzten Platz ausgebuchten Veranstaltungen auf dem Gelände vor der Hütte blieben trocken.

Zum sechsten Mal hatte der niedersächsische Kabarettist, der jetzt in München lebt, zur „Bergpredigt“ eingeladen. Auf dem Stümpfling liest er jeweils mit prominenten Kollegen – Bruno Jonas weilte unter den Zuschauern – den Gläubigen und Ungläubigen satirisch die Leviten. Und wenn dann noch die „Gruberin“ dabei ist, geht die kabarettistische Post richtig ab. Die Erdingerin war begeistert von den äußeren Bedingungen für ihren Berg-Auftritt: Daheim könne außer von einem Labyrinth aus meterhohen Maisfeldern von Landschaft eher nicht die Rede sein, sagte sie, aber hier auf dem Stümpfling sei das ganz anders. Sie beneidete die Oberlandler: „Ihr kommt’s da her, wo ma s’Weißbier saufa ko.“

Rebers erzählte zu Beginn eine wahre Anekdote. In Bagdad musste er einmal vor durchgeladenen Kalaschnikows Akkordeon spielen. „Sie wussten nicht, was in dem Koffer drin ist. Als ich dann ein paar Töne gespielt hatte, war ich frei.“ Gruber und Rebers spielten einzelne Nummern aus ihren Programmen, warfen sich geschickt die satirischen Bälle zu und bildeten eine Einheit, die sich trotz aller Verschiedenheit perfekt ergänzte: Er eher nachdenklich, gedanklich verwinkelt, manchmal politisch. Sie in bester Gruber-Manier gerade heraus, schimpfend und grantelnd mit gewaltigen Wortkaskaden, direkt und deftig. Rebers brachte mit seinem gekonnten Spiel auf Piano und Akkordeon eine wohltuende instrumentale Note ins Spiel.

Im Dauerkonflikt Bayern-Preußen schenkten sich beide nichts: Der 60-jährige Zuagroaste: „Das liebste Autokennzeichen ist Euch Oberbayern das „W“ – ein Münchner, der sich überschlagen hat.“ Gruber hatte bei diesem Thema die schwereren Waffen mit ihren „Preißn-Witzen“. Wobei: „Preiß dearf ma nimmer sogn. Des hoaßt jetzt Deutscher mit teilevangelischem Migrationshintergrund“.

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Jedoch wurde nicht nur geblödelt, manchmal wurde es auch ernst. So kritisierte Gruber die Schwarz-Weiß-Malerei gerade in der Flüchtlingsfrage, wo es nur die Alternativen „Gutmensch oder Nazi“ gebe – und nichts dazwischen. Rebers packte seine Kritik auch in Lieder, etwa über Angela Merkel, „Die Sphinx von Berlin“, oder das gnadenlos zugespitzte „Der Islamist“. Er wandte sich entschieden gegen Gebetsräume in den Schulen: „Was alleine zählt, sind Unterrichtsräume – alles andere ist religiöser Imperialismus.“

Was es sonst noch gab: Ein Plädoyer für das Handwerk, die richtige Kindererziehung, Ernährung und den richtigen Umgang mit dem Älterwerden. Und natürlich: sexuelle Belästigung. Zu all diesen Themen hat die „Gruberin“ ihre ureigene, von ihrer ländlichen Herkunft geprägte Meinung – oft frappierend und immer saukomisch bis zum Lachanfall.

„Morgens hat man große Pläne und bleibt bis Mittag im Bett. Übrig bleibt nur Häme und zwei Stunden Kabarett“, lautete Rebers Schlusswort zu einem überaus gelungenen Abend, dessen Fortsetzung im nächsten Jahr noch ungeklärt ist. Für das begeisterte Publikum wäre das Ende der Reihe ein herber Verlust – dem frenetischen Schlussapplaus nach zu urteilen.

Reinhold Schmid

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