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Ohne Moos nix los: Im ehemaligen Gemeindehaus stand der einzige Geldautomat am Spitzingsee. Jetzt ist er weg.

Laden- und Café-Betreiber stinksauer

Kein Bargeld mehr am Spitzingsee: Sparkasse baut einzigen Automat ab

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Ohne Bargeld kommt man am Spitzing nicht weit. Bislang konnten Ausflügler und Urlauber am Automaten im Ort Scheine ziehen. Doch der ist jetzt weg. Er hat sich nicht rentiert.

Spitzingsee – Nur Bares ist Wahres. Dieses Motto gilt am Spitzingsee noch in vielen Läden, Cafés und Berghütten. Nicht jeder Betrieb hat einen EC-Kartenleser – und nicht jeder Gast ausreichend Scheine und Münzen im Geldbeutel. Dank des Bankautomaten der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee im ehemaligen Gemeindehaus war das bislang nicht so tragisch. Doch den gibt es seit 31. August nicht mehr. Er wurde abgebaut. Ein Zettel weist die Kunden auf die nächsten Geschäftsstellen hin. Doch die befinden sich nicht ums Eck, sondern in Schliersee, Neuhaus, Fischbachau und Bayrischzell.

Mit diesem Zettel wurden die Kunden informiert.

„Das ist eine Frechheit“, schimpft Florian Isenmann, Pächter des Café Kameter. Er hat durch Zufall vom Ende des Bankomaten erfahren. Die Leute, die ihn abbauen sollten, waren bei ihm eingekehrt. Für seine Gäste, sagt Isenmann, sei der jetzige Zustand ein „Saustall“. Immer wieder komme es vor, dass diese erst beim Bezahlen der Rechnung feststellen würden, dass sie nicht genug Geld einstecken haben. Bislang konnte sie Isenmann zum Sparkassen-Automaten schicken. Das geht jetzt nicht mehr.

Darüber kann auch Manuela Nieß vom Laden Spitzingseer Reiseandenken nur den Kopf schütteln. „Das ist erbärmlich für einen Fremdenverkehrsort“, sagt sie. In ihrem Laden könnten die Kunden zwar mit Karte zahlen, aber erst ab einem Einkaufswert von zehn Euro. Viele würden jedoch nur etwas zu trinken oder ein Souvenir mitnehmen. Das geht ohne Bargeld nicht. Auch die Angestellten der Hotels im Ort hätten den Automaten frequentiert, um ihren Lohn abzuheben. Nun müssten sie dafür ins Tal fahren. Vor allem im Winter ein Unding, findet Nieß. „Wir sind doch nicht mehr in der Steinzeit.“

Aus Sparkassensicht ist die Schließung der SB-Stelle hingegen eine Folge der Modernisierung im Zahlungsverkehr. In den meisten Geschäften, Gaststätten und Hotels sowie auch bei den Bergbahnen am Spitzingsee könne mit Karte bezahlt werden, erklärt Sparkassen-Pressesprecher Peter-Friedrich Sieben. Auch Bargeld-Auszahlungen an Kassensystemen seien in immer mehr Betrieben möglich. Dadurch sei der Geldautomat stetig seltener frequentiert worden.

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Die Nutzungsquote habe im Vergleich zu einem durchschnittlich genutzten Gerät der Kreissparkasse nur noch sechs Prozent betragen. Damit sei der Bankomat in Spitzingsee landkreisweites Schlusslicht gewesen. Durch den zu erwartenden Ausbau des bargeldlosen Bezahlens sei ein weiterer Rückgang wahrscheinlich. Deshalb würde auch kein anderes Geldinstitut hier einen Automaten betreiben, so Sieben.

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Erschwerend hinzu kämen die hohen Betriebskosten. Durch den abgelegenen Standort sei jede Sicherheitsüberprüfung, Wartung oder Reparatur mit langen Anfahrtswegen verbunden. Da auf Automaten an exponierten Stellen – so eben auch der am Spitzingsee – nur die Mitarbeiter des Werttransportunternehmens zugreifen dürfen, seien bei Vandalismus oder technischen Defekten schnell Strecken von bis zu 100 Kilometer zusammengekommen. Um die Gebühren nicht weiter zu erhöhen, müsse die Sparkasse solche Kosten einsparen, betont Sieben.

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Darüber habe man die Kunden auch informiert – persönlich in der Geschäftsstelle in Schliersee und per Aushang in der betroffenen SB-Stelle Spitzingsee. Einen gravierenden Nachteil für Hotelgäste oder Tagesausflügler kann der Sparkassen-Sprecher nicht erkennen. Auf der Strecke von der Autobahn bis zum Spitzing kämen sie alleine an acht Geldautomaten der Kreissparkasse vorbei. Landkreisweit würden sogar noch weitere aufgestellt, sagt Sieben. Aber eben da, „wo eine entsprechende Nachfrage besteht und die Automaten einfach und möglichst barrierefrei zu erreichen sind“.

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