Er hatte ein umfangreiches Geständnis abgelegt

Kinderpornografie: Schlierseer kommt mit Bewährung davon

Urteil im Kinderpornografie-Prozess: Weil er doch noch ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, ist ein Schlierseer Gastronom knapp einer Haftstrafe ohne Bewährung entgangen.

Schliersee – Weil er doch noch ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, ist ein Schlierseer Gastronom am Miesbacher Amtsgericht knapp einer Haftstrafe ohne Bewährung entgangen. Der Mann musste sich wegen des Besitzes einer Vielzahl kinderpornografischer Bilder und Videos verantworten (wir berichteten).

Eigentlich sollten bei der Fortsetzung der Verhandlung eine weitere Zeugin und ein Sachverständiger gehört werden – doch dazu kam es nicht mehr. Vincent Burgert, Rechtsanwalt des Angeklagten, hatte ein Rechtsgespräch mit Amtsrichter Walter Leitner und der Staatsanwaltschaft vereinbart. Für die Dauer des Gesprächs wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Nach knapp zehn Minuten schien eine Einigung zwischen den Parteien gefunden. Richter Leitner stellte in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von acht bis zwölf Monaten auf Bewährung in Aussicht – „für den Fall eines Geständnisses und der Bereitschaft zur Teilnahme an einer ambulanten Psychotherapie“.

Mit einer Erklärung seines Mandanten, der bis dahin alles bestritten hatte, kam Anwalt Burgert dieser Forderung nach. Der Schlierseer räume die Sachverhalte vollständig ein. Im Zuge der Trennung von seiner Frau habe er sich „im Internet verloren“, sei vom „Reiz des Verbotenen“ getrieben worden. Jetzt sei ihm bewusst geworden, dass hinter jedem Bild ein Missbrauchsfall steckt. „Es tut mir unendlich leid, ich will mir Hilfe holen“, verlas Burgert im Namen des Schlierseers.

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Durch seinen Sohn seien an seinem Arbeitsplatz bereits Maßnahmen getroffen worden. Entsprechende Seiten ließen sich dort inzwischen gar nicht mehr öffnen. Außerdem, und hier äußerte sich der Schlierseer erstmals persönlich, seien Schlösser und Passwörter ausgetauscht worden. „Vorgestern bin ich selbst nicht mehr in meinen PC reingekommen.“ Die Frage des Richters, ob er seinem Sohn denn inzwischen „reinen Wein eingeschenkt“ habe, bejahte der Gastronom: „Er ist menschlich enttäuscht von mir.“

Der Sohn des Schlierseers, der im Betrieb seines Vaters arbeitet und sich dort inzwischen auch um die IT kümmert, hatte am ersten Verhandlungstag noch in Zweifel gezogen, dass sein Vater sich im Internet kinderpornografisches Material verschafft haben könnte. Er hatte auf Hackerangriffe und Festplatten von Gästen verwiesen, die sein Vater sorglos an den PC gehängt habe. Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren – wie berichtet – eine frühere Angestellte, die ihren Chef zwei Mal im Büro erwischte, als er sich eines der mehr als 1700 Fotos und rund 120 Videos mit einer Laufzeit von ungefähr neun Stunden ansah, die bei ihm schlussendlich auf Laptop, PC und einer externen Festplatte sichergestellt wurden. Die Frau zeigte ihn Ende 2017 an.

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Als Leitner einen Strafbefehl gegen den Schlierseer aus einem früheren Fall vorlas, bekam die Einigung einen fahlen Beigeschmack. 2012 soll der Mann bereits ein zehnjähriges Mädchen intim berührt und obszöne Dinge gefragt haben – alles in seinem Büro. Damals war er vom Amtsgericht auf Bewährung verurteilt worden.

In ihrem Schlussplädoyer hielt sich die Staatsanwältin an die Vereinbarung aus dem Rechtsgespräch und forderte, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf vier Jahre zur Bewährung auszusetzen. Darauf entschied auch Richter Leitner. Nebst der Therapie müsse der Gastronom außerdem 3000 Euro an den Kinderschutzbund Miesbach zahlen. Das sei die „untere Grenze des Vertretbaren“. Besorgt zeigte sich Leitner dennoch im Hinblick auf die Vorstrafe des Schlierseers: „Vorher haben Sie angegrapscht, jetzt nur angeschaut – wo ist die Grenze?“ Durch die Therapie hofft der Richter auf nachhaltige Besserung.

Von Julia Wagner

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa / Uwe Anspach

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