Abgerodet, abgefräst: der neue Eigentümer des Baugebiets an der Waldschmidtstraße in Neuhaus hat 16 im Bebauungsplan als „zu erhalten“ gekennzeichnete Bäume kurzerhand umgeschnitten.
+
Abgerodet, abgefräst: der neue Eigentümer des Baugebiets an der Waldschmidtstraße in Neuhaus hat 16 im Bebauungsplan als „zu erhalten“ gekennzeichnete Bäume kurzerhand umgeschnitten.

Rathaus sauer

Komplettrodung an der Waldschmidtstraße: Eine „Riesensauerei“

Neuhaus – Dieser Investor hat sich gleich mal gut eingeführt. Trotz Bauberatung im Rathaus und damit verbundenem Hinweis auf „zu erhaltende Bäume“ hat der neue Eigentümer des Baugebiets an der Waldschmidtstraße südlich des Dürnbachs in Neuhaus umfangreiche Fällungen vorgenommen.

Alle Bäume sind weg, der Boden abgefräst, und das genau in jenem Bereich, in dem der Bebauungsplan einen 20 Meter breiten Grünstreifen vorsieht. 16 zu erhaltende Bäume sind der Säge zum Opfer gefallen. „Eine Riesensauerei“, findet Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU).

20 Meter breiter Grünstreifen einfach mal plattgemacht

An diesem Bebauungsplan hat die Gemeinde lange gestrickt, und das eigentlich zweimal. Den ersten Plan vor zehn Jahren lehnten die Eigentümer als zu locker ab. Weil sich Bauanträge anbahnten, ergriff die Gemeinde vor drei Jahren ein zweites Mal die Initiative, um städteplanerisch die Hand auf der Entwicklung an dieser Stelle zu haben. Denn gleich nebenan, zwischen Grünseestraße und Dürnbach, hatte der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans ehedem abgelehnt, mit der baulichen Entwicklung war man nicht sonderlich zufrieden. Unter anderem einigte sich die Gemeinde erst vor dem Verwaltungsgericht auf Zustimmund Situierung eines weiteren Gebäudes. Kurioserweise machte Bebauungsplan-Architekt Gerhard Krogoll hernach mit dem Segen des Gemeinderats genau diese Einigung wieder obsolet, indem er besagtes Haus dort vorsah, wo es der Bauherr, die Firma Stadler, schon zuvor haben wollte.

Neuer Eigentümer wollte Areal deutlich dichter bebauen

Den Bebauungsplan sieht für die zuletzt verkauften Hausnummern 5 und 5a der Waldschmidtstraße (rund 7500 Quadratmeter) zwei Mehrfamilien, zwei Doppel- und drei Einfamilienhäuser vor, letztere am 20-Meter-Grünstreifen, um eine auslaufende Bebauung in Richtung Dürnbach zu bekommen. Doch so wollte das der neue Eigentümer nicht haben und beantragte eine Änderung des Bebauungsplans mit dem Ziel, vier Doppel- und fünf Einfamilienhäuser zu erreichten. Auf eine (teure) Tiefgarage wollte er verzichten, stattdessen wäre eine zweite Erschließungsstraße nötig. Insgesamt, so heißt es in der Beschlussvorlage für den Bauausschuss, wäre das Gelände deutlich intensiver versiegelt und erheblich dichter bebaut worden. Bürgermeister Schnitzenbaumer lehnte den Änderungswunsch per dringlicher Anordnung ab.

Ordnungswidrigkeit kostet nicht mehr als 10 000 Euro

Inzwischen hat der Bauherr, laut Schnitzenbaumer ein Immobilien-Investment-Gesellschaft aus Berlin, Anträge im Freistellungsverfahren gestellt, will also doch so bauen, wie von der Gemeinde vorgesehen und dafür schnell Baurecht. Aber auch diesen kurzen Dienstweg nahm sich Schnitzenbaumer heraus, abzulehnen. Ein Entgegenkommen gegenüber einem Bauherrn, der quasi als allererstes einen zu erhaltenden Grünstreifen plattmacht? Das schien dem Bürgermeister nicht geboten.

Bezüglich der gefällten Bäume läuft ein Ordnungswidrigkeitsverfahren bei der Gemeinde. Mehr als 10 000 Euro Bußgeld sind da nicht vorgesehen. Teurer könnte es für den Neu-Eigentümer werden, wenn es der Gemeinde gelingt, ihn zu einer entsprechenden Nachpflanzung zu verpflichten.

Lesen Sie auch den neuen Sachstand bei der Turnhalle und bei der Oberen Maxlrainer Alm.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare