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Blickfänger im Treppenhaus: Der Konrad-Dreher-Brunnen steht seit 1925 im Schlierseer Rathaus. 

Kunst im öffentlichen Raum

Konrad-Dreher-Brunnen im Schlierseer Rathaus: Das ist seine Geschichte

Seit 1925 steht der Konrad-Dreher-Brunnen im Schlierseer Rathaus. Wir haben seiner Geschichte nachgespürt. Und das war gar nicht so einfach.

Schliersee – So richtig weiß niemand, was es genau mit dem kleinen Kerlchen aus Bronze im Schlierseer Rathaus auf sich hat. Mit weit aufgerissenem Mund und einem empörten Gesichtsausdruck ziert es den Brunnen im ersten Stock des Gebäudes. Die Arme weit von sich gestreckt, in der Hand jeweils ein Krug. Die Inschrift auf dem Metallgitter verrät zumindest, wie lange er schon dort steht: 1925 hat ihn die Familie Dreher gestiftet – und das passt auch zur Figur.

Die Figur

Darstellen soll die Figur auf dem Brunnen Konrad Dreher in seiner Paraderolle als „Bader Zangerl“ in Benno Raucheggers Stück „Jägerblut“. Dreher war Mitbegründer des Bauerntheaters Schliersee und Ehrenbürger der Marktgemeinde. Laut dem „Schliersee Magazin“ wurde Dreher 1859 in München als Sohn eines Schreiners geboren. Früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Schauspielerei und machte diese zum Beruf. Er stand unter anderem in München, Augsburg und Wien auf der Bühne. Für sein großes Talent für humoristische Rollen wurde ihm 1882 der Titel des königlich bayerischen Hofschauspielers verliehen.

1892 gründete Dreher zusammen mit Xaver Terofal das Bauerntheater. Das erste Stück, das aufgeführt wurde, war Raucheggers „Jägerblut“, mit dem Dreher im Laufe der Jahre über 1000 Mal auf der Bühne des Bauerntheaters aufgetreten sein soll.

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Das Besondere am Bauerntheater war, dass nur talentierte Laien, aber keine professionellen Schauspieler, auftreten durften. So sollten die Stücke möglichst nah an der Realität sein und das echte Leben widerspiegeln. Das Konzept des Theaters kam an, und so wurden Dreher und Terofal zu Gastspielreisen auf der ganzen Welt eingeladen, unter anderem auch in die Vereinigten Staaten. 1906 zog sich Dreher aus dem Bauerntheater zurück und widmete sich wieder der Schauspielerei in München. Er starb im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Friedhof der St.-Nikolaus-Kapelle in Schliersee beigesetzt.

Weiteres zu Dreher

Das Bronzemännchen im Rathaus ist aber kein Unikat. Exakt die gleiche Figur ziert den Brunnen in Neuhaus an der Josefstalerstraße und den im Innenhof des Lehnbachhauses in München. Zudem gibt es sowohl in Schliersee, als auch in München Straßen, die nach Dreher benannt sind. Das zeugt vom großen Bekanntheitsgrad.

Der Künstler

Modelliert wurde die Skulptur im Lehnbachhaus von Heinrich Waderé, einem deutschen Bildhauer und Medailleur. Es ist also davon auszugehen, dass auch der Brunnen im Schlierseer Rathaus von ihm stammt. Weder der Anlass für den Bau des Brunnens noch, ob sich Dreher und Waderé kannten, ist bekannt. Der Künstler wohnte 1947 einige Zeit in Schliersee. Es ist also möglich, dass er in dieser Zeit auf Dreher aufmerksam wurde. Bekannt ist Waderé vor allem für das Richard-Wagner-Denkmal am Prinzregentenplatz in München oder den Amorbrunnen in Salzburg.

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Nicht für jeden Besucher des Schlierseer Rathauses ist allerdings erkennbar, dass es sich bei der Figur auf dem Brunnen um Dreher handelt. Viele Besucher verwechseln ihn laut Karl Wiedemann, Fremdenführer in Schliersee, mit dem Münchner Komiker Karl Valentin. „Ein G’stell wie da Karl Valentin“, lacht Wiedemann. Dreher selbst war mit Valentin befreundet. Von ihm stammt auch die Aussage: „Konrad Dreher – das war nur einmal, das kommt nie wieder.“

Von Julia Haringer


Zu dieser Serie

Wie und durch wen gelangt Kunst in den öffentlichen Raum? Das ist die Frage, der wir in einer Serie nachgehen. Wir stellen Kunstwerke, Künstler und die Anlässe vor, die dafür verantwortlich sind.

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