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Mit sich selbst ins Reine kommen: Zum Räuchern verwendet Angelika Prem ein Gefäß aus Beton, zum Verteilen des Rauchs im Raum nimmt sie eine große Feder. 

Unsere Adventsserie

Kräuterpädagogin Angelika Prem über das Räuchern in den Rauhnächten

Zwischen den Jahren sollte man zur Ruhe kommen, alten Ballast abwerfen und Platz für Neues schaffen. Kräuterpädagogin und Ortsbäuerin Angelika Prem zeigt, wie‘s geht.

Schliersee Sie selbst bezeichnet sich schmunzelnd als „moderne Kräuterhexe“. Doch mit Magie hat das Handwerk von Angelika Prem nichts zu tun. Vielmehr praktiziert die Kräuterpädagogin vom Hennererhof in Schliersee einen althergebrachten Brauch mit Zutaten aus der Natur: das Räuchern.

In ihrem Garten baut die Ortsbäuerin rund 250 Kräuter an. Sie verwendet sie zur Herstellung von Salben oder zum Kochen. In der Zeit zwischen den Jahren spielen die Kräuter in den Rau(ch)nächten eine große Rolle. Dann, wenn sie durch das Räuchern stimmungsaufhellend für Geist und Seele wirken.

„Mit Kräutern räuchern kann man generell immer und überall“, sagt Prem. „Aber das Räuchern in den Rauhnächten ist natürlich was besonderes, da es sich um einen alten bayerischen Brauch handelt.“ Die Rauhnächte sind zwölf Nächte zwischen dem 21. Dezember (der Thomastag ist die Wintersonnwende und der kürzeste Tag des Jahres) und dem 6. Januar – ausgenommen sind dabei die Weihnachtstage (24. bis 26. Dezember), da es sich um einen heiligen Raum handelt und der Weihnachtsfriede nicht gestört werden darf, wie die Kräuterpädagogin erklärt.

Die Wirkung der Rauhnächte auf Geist und Seele vergleicht Prem mit der Wartung eines Pkw. „Ein Auto läuft auch nicht 365 Tage im Jahr fehlerfrei, das muss irgendwann mal zum Kundendienst“, sagt sie. „Für den Menschen ist das die Zeit der Rauhnächte. Zeit, um zu innerer Ruhe zu kommen und die Akkus aufzuladen.“

Die Rauhnächte und damit der Jahreswechsel sind ebenso eine Zeit der Neuerung. Man trennt sich von Altem und macht Platz für Neues. Dabei kommt auch das Räuchern ins Spiel. Es hilft einem, mit sich selbst ins Reine zu kommen, mit alten Emotionen, seien es gute oder schlechte, abzuschließen und bereit für einen neuen Abschnitt zu sein.

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Das Räuchern in den Rauhnächten ist laut Prem „eine Art Orakeln“. Dazu braucht es getrocknete, heimische Kräuter, die mithilfe von Feuer verräuchert werden. Zum Räuchern mit Kohle etwa nimmt Prem ein mit Sand befülltes und hitzebeständiges Gefäß, zum Beispiel aus Beton, in dem die angezündete, gepresste Kohle aufgestellt wird. Ist die Kohle ganz weiß und das ganze Stück glühend, wird es umgelegt und darauf die getrockneten Kräuter platziert. Durch das Verbrennen werden die ätherischen Öle der Pflanzen oder Harze freigesetzt. Das wirkt laut Prem stimmungsaufhellend für Geist und Seele.

Je nach Art der Kräuter, haben diese eine unterschiedliche Wirkung. Salbei etwa wirkt beruhigend und entspannend, Fichtenharz löst alten seelischen Schmerz und Wacholder hilft bei Krankheit, ist keimtötend. „Früher wurden Kranken- und Sterbezimmer damit ausgeräuchert“, erklärt Prem. Bis zu sechs unterschiedliche Kräuter können vermischt werden.

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Sofort nach dem Auflegen der Kräuter auf die Kohle tritt der Rauch aus. Die Kräuterpädagogin verteilt diesen mit einer großen Feder im Zimmer. Wenn der ganze Raum ausgeräuchert ist, rät sie, das Fenster zu öffnen, um den Rauch nach draußen ziehen zu lassen.  

Zur Serie 

Im Advent öffnen wir jeden Tag ein Türchen, hinter dem uns die Orts- und Kreisbäuerinnen aus dem Landkreis etwas Weihnachtliches backen, basteln oder von einem Brauch erzählen. Wenn sinnvoll, gibt es eine genaue Anleitung, damit die besonderen Tipps nicht nur den Landfrauen die Vorweihnachtszeit versüßen. 

vh/tas

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