Landratsamt: Heimaufsicht schuldlos an Problemen in Seniorenresidenz
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Drei unangekündigte Kontrollen hat die Heimaufsicht alleine 2019 in der Seniorenresidenz Schliersee durchgeführt. Besondere Probleme hat sie dabei nicht festgestellt.

„Keinesfalls in der Zahl und Schärfe“

Landratsamt: Heimaufsicht schuldlos an Problemen in Seniorenresidenz

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Obwohl es in der Seniorenresidenz Schliersee scheinbar schwere Probleme gab, hat die Heimaufsicht bei unangekündigten Kontrollen davon nichts bemerkt. Die Gründe dafür  hat das Landratsamt jetzt erklärt.

Schliersee/Miesbach – Obwohl Angehörige und ehemalige Pfleger der Seniorenresidenz Schliersee von verdorbenen Lebensmitteln, ungewaschenen Senioren und anderen schwerwiegenden Problemen in der Einrichtung berichten, hat die Heimaufsicht am Landratsamt bei ihren unangekündigten Besuchen im Heim keine besonderen Mängel festgestellt. Darüber, wie das zusammenpassen kann, hat nun das Landratsamt Auskunft gegeben.

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Landratsamt: Heimaufsicht schuldlos an Problemen in Seniorenresidenz

„Tatsächlich haben wir uns auch bereits gefragt, wo die ganzen Beschwerdeführer, die nun Anschuldigungen gegenüber Heim und Heimaufsicht erheben, in den letzten Jahren waren“, schreibt Pressesprecherin Sophie Stadler auf Nachfrage unserer Zeitung. Zwar seien einige Beanstandungen eingegangen, „aber keinesfalls in der Zahl und Schärfe, wie wir sie nun Leserbriefen und Internetbeiträgen entnehmen“.

Die abgegebenen Beschwerden seien überprüft worden, hätten sich vor Ort aber als weniger schwerwiegend herausgestellt, als in den nun bekannt gewordenen Erzählungen. Jeder einzelne festgestellte Mangel sei dokumentiert und bei Bedarf geahndet worden. Alleine drei Mal habe die Heimaufsicht im Jahr 2019 die Seniorenresidenz überprüft.

Andere Beschwerden seien zu unkonkret gewesen. Anonyme Anrufe oder Briefe, dass bei der Mutter das Essen schlecht sei – ohne Ort und Namen könne die Heimaufsicht das nicht prüfen. Es sei irritierend, dass nun so viele Menschen zu berichten wissen, wie dramatisch der Zustand in den letzten Jahren in der Einrichtung gewesen sei. „Wo waren diese detaillierten, dramatischen Beschwerden in den letzten Jahren?“

Außerdem, betont Stadler, verleite der umgangssprachliche Name „Heimaufsicht“ zu falschen Annahmen. Die „Fachstelle für Pflege und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht“, so die offizielle Bezeichnung, berate vor allem. Weil Senioren möglichst in dem Heim bleiben sollten, das sie als letzte Umgebung ihres Lebens ausgesucht haben, arbeite die Behörde mit Beratungen und Bußgeldern. Schließungen seien die letzte Option. Im Falle der Seniorenresidenz hätten die Anzeichen dazu nicht gereicht.

Das in Schliersee dennoch viel schiefgelaufen ist, zeigt die Entwicklung der jüngsten Wochen: Nachdem in der Seniorenresidenz das Coronavirus ausgebrochen war, musste dort die Bundeswehr aushelfen. Die Behörden ermitteln auf Hinweis des Landratsamts wegen Körperverletzung gegen das Heim (wir berichteten).

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