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Wie entwickeln? Mit seiner Ortsmitte hätte Schliersee eine Herausforderung, die eigentlich gut zum Leader-Projekt Baukulturregion gepasst hätte. Doch der Gemeinderat sagte Nein. 

Leader-Projekt 

Baukulturregion: Schliersee bewirbt sich, winkt dann aber ab

Obwohl sich Schliersee beworben hatte, macht die Gemeinde beim Projekt „Baukulturregion Voralpenland“ nicht mit. Zwei andere Gemeinden entscheiden noch.

Miesbach/Schliersee – Die Gemeinsamkeiten im Süden Münchens sind da: die Nähe zur Metropole, teils enormer Siedlungsdruck, hohe Aufenthaltsqualität und die damit verbundenen Belastungen, etwa durch Verkehr. Wie die Landkreise Miesbach, Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen auf diese Herausforderungen reagieren können, das sollen die Beteiligten des Projekts „Baukulturregion Voralpenland“ aufzeigen. Der Anstoß kam von Michael Pelzer, Altbürgermeister der Gemeinde Weyarn und Vorsitzender des Vereins Kreisentwicklung Miesbacher Land, über den Gelder aus dem europäischen Fördertopf Leader fließen.

Ziel des Leader-Projekts: Eine Entwicklungsstrategie fürs Oberland

Beim Begriff Baukultur denken die meisten an einzelne Häuser und deren Optik. Doch der Ansatz des Projekts reicht deutlich darüber hinaus. „Zur Baukultur gehört auch Siedlungsentwicklung, Ortsmittengestaltung, Leerstandsbekämpfung“, heißt es in der Beschreibung des Projekts. An dessen Ende soll – bei allen Unterschieden vor Ort – eine Baukulturstrategie für die gesamte Region stehen, getragen am besten nicht nur von lokalen Eliten, sondern von einer breiten Basis in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Fragen stellen sich in Schliersee genug: An Wochenenden erstickt die Gemeinde im Verkehr, dennoch soll der Tourismus weiterentwickelt werden. Und die Ortsmitte rund um Bahnhof und alte Schule harrt noch ihrer Entwicklung. Diese Themen hatten Verwaltung und Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auch auf dem Schirm, als sie sich im April für eine Teilnahme beworben hatten. Die Bewerbung wäre auch erfolgreich gewesen, doch am Dienstagabend winkte der Gemeinderat ab.

Schliersee ziert sich: Bau-Verwaltung im Rathaus schon zu stark belastet

Auch Schnitzenbaumer war zurückhaltend. „Ein tolles Projekt“, keine Frage, sagte er. Das große Aber: In der Rathaus-Verwaltung sieht er momentan und auf absehbare keinerlei Kapazitäten, die geforderte intensive Mitarbeit bewältigen zu können. „Wir kommen ja mit unseren Bebauungsplänen kaum hinterher.“ Wenn dem Gemeinderat die Teilnahme „extrem wichtig ist, müssten wir einen Weg finden“. So wichtig war es den Gemeinderäten nicht. Florian Zeindl (CSU) war nicht klar, was die Gemeinde am Ende von einer Teilnahme hätte. Auch Gerhard Waas (Grüne) hätte gerne noch mehr Information gehabt. Robert Mödl (Die Schlierseer) war der Unterschied zwischen den vier Landkreisen, durch drei fährt er nahezu täglich, zu groß. Architekt Gerhard Krogoll (CSU) und Wolfgang Schauer (PWG) verwiesen in Sachen Baukultur unter anderem auf die örtliche Gestaltungssatzung, die gerade überarbeitet wird. Letztlich lehnte der Gemeinderat eine Teilnahme gegen zwei Stimmen ab.

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Das Projekt wird dennoch weitergeführt, wie Simon Kortus, bei der Standortmarketinggesellschaft Landkreis Miesbach mit dem Projekt betraut, auf Anfrage sagt. „Wir sind entschlossen, das durchzuziehen.“ Vom Ergebnis aus Schliersee sei er durchaus überrascht. Aber mit Holzkirchen und Gmund gibt es immerhin zwei weitere Bewerber aus dem Kreis Miesbach. Insgesamt waren es 13 in den vier Landkreisen. Rund die Hälfte der bislang mit 1,3 Millionen Euro angesetzten Kosten soll über Leader kommen, der Rest von den Landkreisen und Gemeinden.

Schliersee ist raus, Gmund und Holzkirchen entscheiden noch

Erklären sollen sich diese bis Ende Juli, damit das Projekt zu Jahresbeginn 2020 starten kann. Die Teilnehmer befassen sich dann jeweils sechs Monate intensiv und betreut von einem Fachbüro mit dem Komplex Baukultur, zu dem Kortus im Übrigen auch die Themen Mobilität und Ansiedlungsmanagement bis hin zu alternativen Wohnkonzepten.

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