Sebastian Langguth, Fabian Langguth, Marco Lehnert, Nici Forst
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Die Betreiber der Alperie (v.l.) Sebastian Langguth, Fabian Langguth, Marco Lehnert und Nici Forst sind stolz, was sie in kurzer Zeit alles geschaffen haben.

Junges Vierer-Team gibt mächtig Gas

„Little Schliersee“ mitten in Neuhaus: Gasthaus Sachs wird Alperie

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Alles neu in Neuhaus: Mitten im Ort gibt es plötzlich einen Alpengarten mit Teich - den „Little Schliersee“. Geschaffen haben ihn vier junge Leute - und die geben richtig Gas.

Neuhaus – Auf einmal war sie weg, die Insel im „Little Schliersee“. „Der Wasserspiegel ist zu hoch“, sagt Marco Lehnert (34) und lacht. Das liegt nicht an den Gewittern der vergangenen Tage, sondern an der Feuerwehr Schliersee. Die spritzte so viel Wasser in den neuen Teich beim früheren Gasthof Sachs in Neuhaus, dass das vorher aufgeschüttete Eiland in den Fluten versank. Kein Problem, meint Lehnert. „Irgendwann taucht es schon wieder auf.“

Spaziert man dieser Tage durch Neuhaus, gibt es immer etwas Neues zu sehen auf dem Grundstück mitten im Ort. In nur neun Wochen ist aus einer Idee für denzuletzt leer stehenden Gasthof Sachs die „Alperie“ geworden. Ein Restaurant mit angeschlossenem Alpengarten – inklusive besagtem „Little Schliersee“. „Die Dynamik ist der Wahnsinn“, schwärmt Lehnert. Was in den Köpfen von vier jungen Leuten entstanden ist, mobilisiert mittlerweile den halben Ort. Das ist umso bemerkenswerter, als dass sich die Initiatoren der Alperie erst seit wenigen Monaten kennen.

Wasser marsch: Die freiwillige Feuerwehr Schliersee hat den „Little Schliersee“ der neuen Alperie in Neuhaus aufgefüllt.

Ausgangspunkt war die Familie Langguth, der der Gasthof Sachs und das unbebaute Areal daneben gehört. Nachdem das Traditionshaus in den vergangenen Jahren mit häufigen Pächterwechseln und Leerständen zu kämpfen hatte, baten die Langguths, Fernsehkoch und Gastro-Berater Andreas Geitl um Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Wirt. Über gemeinsame Kontakte bei der Industrie- und Handelskammer landete die Anfrage letztlich bei Lehnert. Obwohl der 34-Jährige mit der „Kartoffelei“ auf dem Münchner Tollwood und seiner neu gegründeten Personalagentur eigentlich genug zu tun hatte, schaute er sich mit seiner Freundin Nici Forst (28) den Gasthof an. „Wir haben gleich gesehen, dass da einiges an Potenzial drinsteckt“, erzählt Lehnert. In einem Workshop im Februar setzten sich Lehnert und Forst mit den Langguths zusammen, um ein Konzept für den Gasthof zu entwickeln. „Das wäre dann ein klassisches Pachtverhältnis geworden“, erklärt Lehnert.

Doch dann kam Corona – und Lehnert sagte ab. „Es wäre uns zu heiß geworden, dass allein zu stemmen.“ Man versprach sich, die Lage abzuwarten und in Kontakt zu bleiben. Die hatte sich sogar noch verschlechtert, als bei Lehnert Ende Mai wieder das Telefon klingelte. Sebastian (29) und Fabian (28) Langguth schlugen Lehnert und Forst vor, einen (corona-tauglichen) Pop-Up-Biergarten beim Sachs zu eröffnen. „Da ich eh was ähnliches in Aschheim vorhatte, haben wir zugesagt“, erzählt der Gastronom. Eigentlich war der Plan, mit einem Bagger ein paar Wege auf der brach liegenden Fläche anzulegen und Palettenmöbel als Sitzgelegenheiten aufzustellen – mehr nicht. Doch dann kam Tempo in die Sache.

Lesen Sie auch: Neuer Pächter für Insel im Schliersee: Das hat er vor

Im geplanten Pop-Up-Biergarten wuchs plötzlich etwas viel größeres heran: der Alpengarten mit eigenem See. Im Nu hatten die vier Initiatoren einheimische Firmen an der Hand, die alle sofort anpackten. Sogar die Behörden hielten mit dem Turbo-Modus Schritt, so dass die Baugenehmigung schnell auf dem Tisch lag. Aktuell läuft der Landschaftsbau auf Hochtouren, auch ein Kräutergarten wird noch angelegt. Sebastian Langguth, im Hauptberuf Projektentwickler für Studentenwohnanlagen, ist ausgebildeter Kräuterpädagoge, erzählt Lehnert.

Bereits gestartet ist der Restaurantbetrieb in der Alperie. Küchenchef Jan Trupp (29) serviert Gerichte aus regionalen und saisonalen Zutaten. Avocado und Thunfisch kommen nicht auf den Teller – dafür selbst angebaute Kräuter und später Forellen, die in den Teich eingesetzt werden sollen. Den Alpengarten wollen die Betreiber nach der Eröffnung in einen Bereich mit Service und einen Selbstbedienungsteil gliedern. Letzterer soll mit Flammkuchen, Eis und Getränken zum Spontanbesuch locken. Beispielsweise Tagesausflügler, die sich vom Stau auf der direkt an die Alperie angrenzende Bundesstraße erholen möchten. Auch deshalb wollen die vier Initiatoren auch noch ein Konzept für Herbst und Winter entwickeln.

Sogar einen „Marktplatz“ für kleine Events im Alpengarten planen sie. An Ideen fürs Programm sollte es nicht mangeln. Kulturherbst-Chef Johannes Wegmann ist ein Nachbar der Alperie, berichtet Lehnert. „Und Fabian hat Operngesang studiert.“ Vielleicht gibt’s ja eines Tages sogar ein Inselkonzert im „Little Schliersee“ – natürlich erst, wenn der Wasserspiegel wieder gesunken ist.

sg

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