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Ein Gefühl von Weihnachten mitten im August: Das Ensemble um den Kirchenmusiker und Komponisten Hans Berger (vorne) brachte den Zuhörern in der Schlierseer Kirche St. Sixtus am Vorabend von Mariä Himmelfahrt die Lebensgeschichte der Mutter Gottes nahe. 

Marienoratorium in der Schlierseer Kirche St. Sixtus

Weihnachtliche Stimmung mitten im August

Schliersee - Weihnachtliche Stimmung im Hochsommer. Das war es, was Kirchenmusiker und Komponist Hans Berger aus Oberaudorf am Vorabend von Mariä Himmelfahrt in St. Sixtus erzeugte. Und 350 Zuhörer gaben sich gerne hin.

Das „Alpenländische Marien-Oratorium“ von Hans Berger, der im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung weltweit musikalisch entsendet wird und auch schon in Rom für Papst Benedikt XVI. konzertierte, ist etwas ganz Besonderes. Ein Großteil der Besucher – das verrieten die Autokennzeichen auf dem Parkplatz – waren von weit angereist für das vom Förderkreis Kirchenmusik St. Sixtus veranstaltete Konzert. Viele wussten, was sie erwartete. Für die anderen, die „Ersthörer“, sollte der frühe Sonntagabend in Schliersee eine bewegende Erfahrung werden.

Denn das Oratorium, das die Lebensgeschichte Marias erzählt, ist von seinem Ausdruck und seiner Kraft vergleichbar mit Ludwig Thomas „Heiliger Nacht“. So wie Thoma die Weihnachtsgeschichte mit Worten in den alpenländischen Kontext transferierte, so tat Berger das musikalisch mit der Geschichte von Maria, der Mutter Gottes. Das Werk, das sich aus 32 Liedern, Musiken und Rezitativen zusammensetzt, ist von einer anrührenden Reinheit, Einfachheit und Gültigkeit. Ihm liegt ein ehrfürchtiges Staunen, ein tiefer Glaube zugrunde.

Mit „Anna und Joachim“ und Maria Empfängnis fängt die musikalische Erzählung an. Episch und narrativ, mit modernen, an Filmmusik erinnernden Klängen nimmt die Handlung ihren Lauf, setzt sich fort in Marias Geburt, in die Verkündigung, als ihr der Engel erschien und ihr eröffnete, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen würde. Je persönlicher die Ereignisse werden, desto alpenländischer die Klänge (5. Rupert-Mayer-Intrade, 15. Seebach-Landler), die durch die Zither von Berger selbst und das Hackbrett von Birgit Sporer getragen wurden.

Dazwischen durchdringen das Werk zunehmend festlich barocke Klänge, alpenländisch-höfische Motive des 17. und 18. Jahrhunderts. Marias Besuch bei ihrer Base Elisabeth, die Begegnung mit Elisabeth und Zacharias, den Eltern des Johannes – alles dem Lukasevangelium und anderen Chronisten entnommen und regelrecht zu einem Psychogramm zusammengesetzt, das der Frage nachgeht: Wer war diese Frau eigentlich, die die Mutter Jesu sein sollte, die seinen Tod ertragen sollte und schließlich selbst in den Himmel aufgenommen werden wollte.

Hier wechseln sich feinsinnig die feinen, leisen, einnehmenden alpenländischen Klänge mit den festlich erhebenden ab. Der Kontrast zwischen dem Sixn-Dreigesang, den feinen Gesangs- und Instrumental-Soli (etwa durch die „Engel“ Susanne Kurz und Traudi Seebacher oder den „Evangelisten“ Daniel Hinterberger) und der Wucht des Montini-Chors mit rund 50 Mitgliedern bescherte dem Publikum mehrmals Gänsehaut. Ganz so wie an Weihnachten. Besonders aber beim Ende, als Bergers berühmter Organisten-Sohn, Johannes Berger, die Mathis-Orgel spielte und alle gemeinsam „O Maria, sei gegrüßt“ sangen.

Alexandra Korimorth

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