Neuhaus, Luftbild
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In der Bildmitte ist die betreffende Siedlung zu erkennen.

Grünzug als Verhandlungsmasse

Mehr Baurecht bei Straßengrundabtretung: Gemeinde verhandelt in Neuhaus

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Nachverdichtung einer Siedlung in Neuhaus hat den Schlierseer Gemeinderat beschäftigt. Die zentrale Frage: Opfert man ein Stück Grünzug, um so zu einer neuen Straße zu kommen?

Schliersee – Grundstücksgrößen von 1500 Quadratmeter und mehr, davon jeweils nur maximal 17 Prozent für Häuser, Nebengebäude und Garagen nutzbar. Wohnraummangel war noch ein Fremdwort, als der Bebauungsplan für das Areal Josefstaler-/Rauhkopf-/Rauheckstraße in Neuhaus gezeichnet wurde. „Der Ur-Version wurde 1980 angefertigt“, erklärte Architekt Gerhard Krogoll den Schlierseer Gemeinderäten. Da zuletzt immer wieder Bauwünsche für das Gebiet eingehen würden, sei es an der Zeit, den Plan für eine „gute, gesunde und maßvolle Nachverdichtung“ anzupassen, erläuterte Krogoll.

Doch nicht nur den Interessen der Grundstückseigentümern könne Rechnung getragen werden, betonte der Architekt. Auch die Gemeinde habe die Chance, aus den anstehenden Verhandlungen Kapital zu schlagen. Dann nämlich, wenn die Bauwerber zu Grundabtretungen bereit wären und so den Weg für eine neue Erschließungsstraße quer durch die Siedlung freimachen würden. Beim ebenfalls geplanten Geh- und Radweg an der Josefstaler Straße seien die Voraussetzungen bald geschaffen. Nur noch zwei Grundstückseigentümer müssten ihr Einverständnis erteilen, berichtete Krogoll.

Damit der Tausch „Grundabtretung gegen mehr Baurecht“ auf den betreffenden Parzellen realisiert werden kann, müsse man aber auch den bestehenden, gut 25 Meter breiten Grünzug verschmälern. „Den habe ich lange verfochten, aber der Siedlungsdruck ist hoch“, sagte Krogoll. Eine Reduktion von zehn Metern sei vertretbar. Die Beschränkung der überbaubaren Fläche auf 17 Prozent der Grundstücksgröße solle im geänderten Bebauungsplan nur noch für die Wohnhäuser selbst gelten. Zusammen mit Wegen, Terrassen, Nebengebäuden und Garagen dürften künftig 50 Prozent versiegelt werden.

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Darüber entbrannte im Gemeinderat keine Diskussion. Wohl aber über die Frage, ob man den Grünzug teilweise opfern soll. „Das war bislang eine heilige Kuh“, räumte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) ein. „Aber wir brauchen eine Verhandlungsmasse.“ Horst Teckhaus (PWG) war diese Sichtweise zu einseitig. „Wieso braucht es immer einen wirtschaftlichen Ausgleich?“, fragte er. Die Eigentümer solch großer Grundstücke könnten doch einfach mal aus freien Stücken nicht benötigte Flächen der Gemeinde überlassen. „Ein ehrenvoller Aufruf“, fand Schnitzenbaumer. Leider aber kaum umsetzbar, wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt hätten. Zumal es ein legitimes Ansinnen von Familien sei, Wohnraum für ihre Kinder zu schaffen.

Babette Wehrmann (Grüne) gab zu bedenken, dass auch die Eigentümer etwas von einer Erschließungsstraße hätten. „Dadurch erhöht sich doch der Wert ihrer Grundstücke“, sagte sie. Nicht in diesem Fall, entgegnete der Rathauschef. Hier müssten die Vorderlieger Grund abtreten, damit die Hinterlieger erschlossen würden. Sibylle Strack-Zimmermann (Grüne) trieb hingegen eine grundsätzlichere Frage um. „Wie viel Grün wollen wir in Schliersee noch erhalten?“, fragte sie und riet, einmal einen globaleren Blick auf den Ort zu werfen. „Wenn wir die erhaltenswerten Hauptachsen definieren, tun wir uns bei Einzelfallentscheidungen leichter“, meinte Wehrmann.

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Wenig praxistauglich, so Schnitzenbaumer. Laut Baurecht müsse man sich immer den spezifischen Charakter der umliegenden Bebauung anschauen. Größere Einheiten seien mangels Homogenität nicht zielführend. „Wir sollten nicht alles in einen Karton schmeißen“, sagte auch Jürgen Höltschl (CSU) und Uschi Bommer (Die Schlierseer) bat ihre Ratskollegen, Architekt Krogoll zu vertrauen. „Er hat die notwendige Erfahrung.“

Das tat das Gremium dann schlussendlich auch. Einstimmig erging der Auftrag an die Gemeindeverwaltung, in die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern einzusteigen. Keine leichte Aufgabe, meinte Schnitzenbaumer. Man müsse heute sehr genau darauf achten, alle rechtlichen Vorgaben einzuhalten. „Sonst sitzt schnell ein Rechtsanwalt mit der Klagedrohung mit am Tisch.“

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