Wintersport am Spitzing in Corona-Zeiten
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Gehört zu den absoluten Favoriten bei Ausflüglern: das Spitzingseegebiet.

15-Kilometer-Regel

Landrat: „Diese Steilvorlage könnte uns entlasten“

Landrat Olaf von Löwis und Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer begrüßen Umsetzung der 15-Kilometer-Regel. Landratsamt prüft Möglichkeit weiterer Einschränkungen.

Schliersee/Miesbach – Der Hilferuf von Landrat Olaf von Löwis an Ministerpräsident Markus Söder und die Aussagen des Schlierseer Bürgermeisters Franz Schnitzenbaumer zum Thema Ausflügler (wir berichteten) haben überregional für Aufmerksamkeit gesorgt. Letzterer hat am Dienstag bekommen, was er für „wünschenswert“ erachtet hat: die 15-Kilometer-Regel für Städte/Landkreise mit sehr hoher 7-Tages-Inzidenz. „Eine gute Lösung“, findet Schnitzenbaumer, der seinen Vorstoß von Anfang der Woche allerdings nicht als Forderung nach einem Hausarrest für Münchner verstanden wissen will. Viele hatten das aber so gesehen, entsprechend gingen im Schlierseer Rathaus nicht gerade wenige wütendende Mails ein, wie Schnitzenbaumer berichtet.

Bürgermeister: „Ich fürchte, am Wochenende werden wir ziemlich überrollt.“

Als Nächstes, so mutmaßt der Bürgermeister, werden die Menschen nicht als Absender von Wutbotschaften, sondern wieder leibhaftig in Schliersee aufschlagen. „Ich fürchte, am Wochenende werden wir ziemlich überrollt.“ Aus irgendeinem Grund zieht es die Ausflügler offenbar gerade an den Spitzingsee. Dort werden Gemeinde und Polizei die Kontrollen verstärken, sagt Schnitzenbaumer. Im Speziellen gehe es um das Einhalten der Corona-Regeln wie Abstand und Gruppengröße.

Spitzingstraße zeitweise sperren? Behörde prüft Möglichkeit

Der Bürgermeister hatte sich am Sonntag selbst zum Spitzingsee aufgemacht und feststellen müssen, dass die Vorgaben „nicht zu hundert Prozent einhalten werden“. Die Gemeinde werde ein verstärktes Auge auf das Parkverhalten legen. Diese Flächen zu sperren, ist für das Rathaus nicht möglich. Wie berichtet, gibt es so gut wie keine öffentlichen Parkplätze. Worüber Schliersee und das Landratsamt aber sehr wohl nachdenken, ist, die Spitzingstraße zu sperren – wenigstens zeit- und versuchsweise. Schnitzenbaumer: „Die rechtlichen Möglichkeiten prüft das Landratsamt gerade.“

Die Kehrseite wäre, dass die Ausflügler dann im Tal bleiben und den Ort Schliersee fluten. Schnitzenbaumer betont in diesem Zusammenhang, dass es ihm erst in zweiter Linie um das Thema Verkehr geht. An oberster Stelle stehe der Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie. Die 15-Kilometer-Regel könne da eben hilfreich sein.

Unterschiedliche Inzidenzen könnten zu skurriler Situation führen

Das sieht auch Landrat Olaf von Löwis so. „Diese Steilvorlage könnte uns entlasten, es ist also auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass der Ministerpräsident unseren Vorstoß ernst genommen hat“, sagt er. Womöglich wird aber auch der Landkreis selbst aktiv werden müssen – nämlich für den Fall, dass die 7-Tages-Inzidenz im Kreis Miesbach die 200er-Marke übersteigt, andernorts aber darunter liegt. Dann dürfte der Holzkirchner nicht zum Spitzingsee fahren, der Münchner aber sehr wohl. Das Landratsamt werde gegebenenfalls „die Möglichkeit einer Allgemeinverfügung prüfen, die Besuche im Landkreis ab einer Inzidenz von über 200 einschränkt“, heißt es im Corona-Update des Landratsamts. Derzeit ist das noch eine theoretische Fragestellung, da die 7-Tage-Inzidenz in Südbayern nur in Berchtesgaden über 200 liegt und die neuen Regelungen ohnehin erst ab Montag gelten. Doch Löwis mahnt: „Warten wir mal ab, was die kommenden Wochen bringen. Jetzt mag 200 hoch erscheinen, aber ich erinnere an unsere eigene Situation von vor zwei Wochen: Plötzlich waren wir im Landkreis durch mehrere Infektionscluster ganz schnell deutlich über 200.“

Was das Thema Kontrollen betrifft, setzt der Landrat auf die Polizei. Über die konkrete Ausgestaltung der Kontrollen, die sicher auch überregional abgestimmt sein muss, könne er derzeit aber nichts sagen.

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