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Die meisten Stunden seiner Freizeit verbringt Rudi Loew beim Basteln an alten BMW-Motorrädern. Über die Jahre hat er mehr als 10 000 Ersatzteile gesammelt.

Vor allem an BMW-Oldtimern

Der Motorrad-Messi: Rudi Loew aus Neuhaus schraubt mit Leidenschaft

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In einer Garage in Neuhaus lagern tausende Ersatzteile für Motorräder – und mittendrin steht Rudi Loew. Er ist mit der Werkstatt bis in Deutschlands Norden bekannt. Ein Besuch bei einem Zweirad-Verrückten.

Neuhaus – Rudi Loew (61) schiebt eine Kiste zur Seite. „Aufpassen“, sagt er. „Nicht drüber fallen.“ In der Garage am Ortsrand von Neuhaus ist die Gefahr tatsächlich groß, über einen Motor zu stolpern, mit dem Ärmel eine Kiste Schrauben vom Regal zu fegen oder an einem der vielen Motorräder hängen zu bleiben. Loew weiß ganz genau, was er wo gelagert hat. Über 10 000 Ersatzteile, vor allem für alte BMW-Zweiräder, hat er über die Jahrzehnte gesammelt. Er sagt: „Ich bin ein Motorrad-Messi.“

Der Urgroßvater war bei BMW angestellt, der Papa auf den Cross-Rennbahnen unterwegs: Loew war schon früh mit dem Motorradfieber infiziert. Der „Bazillus“, wie er sein Hobby liebevoll nennt. „Ich habe schon mein ganzes Leben lang geschraubt“, sagt er und lacht. Seit 1994 hat er mit seiner Werkstatt voller Ersatzteile ein Gewerbe angemeldet, das er in seiner Freizeit führt. Seine Auftragslisten sind lang, seine Kunden kommen aus ganz Deutschland und aus Österreich.

Rudi Loew (r.) mit seinem Vater Rudi bei einer Tour im Jahr 1973.

Loew rückt die Brille zurecht, als er ein Foto betrachtet, das an der Wand der Garage hängt. Es zeigt ihn in jungen Jahren auf einer seiner Fernreisen. Durch die Sahara ist er gefahren, in Afrika und durch die gesamte Türkei. Meist allein. „Die anderen hatten nicht so viel Sitzfleisch.“ Bis zu 13 000 Kilometer ist Loew in der Woche auf der Maschine gesessen – nicht jeder Motorradfahrer mag das. Jetzt hat der Neuhauser kaum noch Zeit dafür.

Seiner Motorrad-Leidenschaft geht der 61-Jährige schließlich nur nach, wenn er frei hat. Hauptberuflich arbeitet er in einem Luftfahrtbetrieb als Metallfacharbeiter in der Produktion. Seine Liebe zum Schrauben kann Loew auch hier ausleben. Und er sieht Parallelen: „Rennmotorräder macht man ja auch möglichst leicht.“ Wie ein Flugzeug. Loew kennt sich aus, denn Rennen ist er hobbymäßig auch schon viele gefahren. Bergrennen oder auf der Rundstrecke. „Nach 30 Jahren Abstinenz habe ich vor vier Jahren wieder ein bisschen damit angefangen“, sagt er und lacht wie der junge Loew auf den alten Fotos, die an der Wand hängen.

„Meine Tochter kennt mich nur mit Ölfingern“

In einer Folie stecken Zettel mit aktuellen Aufträgen. Die Liste ist lang. „Viele Kunden kommen durch online oder eben über Mundpropaganda.“ In der Szene kennt man sich, und nicht viele Werkstätten haben so viel Zubehör für Oldtimer wie Loew. Die älteste Maschine in seiner Sammlung stammt aus dem Jahr 1932. Daneben steht Loews „Männer-Christbaum“ wie er das Gerüst nennt, auf dem verschiedene Motoren befestigt sind.

Viele der tausenden Ersatzteile hat Loew schon online erfasst, längst aber nicht alle. Und es werden eher mehr als weniger. Beinahe für jede Anfrage hat Loew das passende Teil da – oder kann es besorgen. „Ich bin ein Jäger und Sammler.“ Der Platz in der Garage reicht längst nicht mehr aus, in Schliersee hat der 61-Jährige noch ein Lager. Bis von Hamburg oder Österreich kommen Motorrad-Liebhaber, die sich von Loew ihr Zweirad restaurieren und reparieren lassen. Permanent kommen neue Anfragen rein.

Auf dem Hof der Familie – die Werkstatt ist direkt neben dem Wohnhaus von Loew, seiner Frau Barbara und Tochter Theresa (15) – steht ein BMW-Motorrad, weiß, mit Beiwagen, Baujahr 1978. „Die gehört ’nem ganz Wilden“, sagt Loew. Er grinst. Genau sein Ding. Der Besitzer will nämlich mit der Maschine durch die Mongolei. „Da sollte das Motorrad dann schon zuverlässig sein.“

Feste Öffnungszeiten hat Loew mit seiner Werkstatt nicht. Wer etwas braucht, meldet sich und macht einen Termin aus. In Notfällen geht der 61-Jährige schon auch mal um 23 Uhr ans Handy und steht dann früh morgens im Arbeitsanzug in der Werkstatt. „Da steckt viel Herzblut drin.“ Das hat er auch schon an die nächste Generation weitergegeben. Theresa hat beim Papa schon einen Roller reserviert, den er auf gar keinen Fall verkaufen darf. Wenn wundert’s. Löw grinst nur. „Meine Tochter kennt mich nur mit Ölfingern.“

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