Nächtlicher Hubschraubereinsatz

In Jogginghose: Münchner geraten in Bergnot

Spitzingsee - Bei einer Winterbegehung im Spitzinggebiet sind zwei Paare aus dem Münchner Umland am Samstagnachmittag in Bergnot geraten. Ein Hubschrauber musste die Wanderer bei Nacht einzeln vom Brecherspitz-Ostgrat holen.

„Kein Abstieg – Lebensgefahr!“ steht auf einem Schild, das jeden warnt, der vom Brecherspitzgipfel in Richtung Ostgrat absteigen will. Aber auch der direkte Aufstieg ist nicht ohne: „Der Steig über den Südostgrat wird nicht gepflegt, eine Begehung erfolgt auf eigene Verantwortung. Bei Nässe ist von der Tour dringend abzuraten“, heißt es auf einem Tourenportal. Auch in den Karten wird dieser Weg nicht eingezeichnet.

Dennoch beschlossen nach Angaben der Schlierseer Bergwacht zwei Paare aus dem Münchner Umland im Alter zwischen 26 und 31 Jahren, am späten Samstagnachmittag eine Winterbegehung in Angriff zu nehmen. Sie parkten gegen 15.30 Uhr am Kurvenlift, marschierten zum Spitzingsattel und machten sich an den Aufstieg. „Auch die Ausrüstung der Touristen war mit Jogginghosen und Straßenboots alles andere als optimal“, stellt Günter Riedl, der Leiter der Bergwacht Schliersee, fest. Schneematsch und extrem rutschige Passagen durch steiles Lawinengrasgelände ließen die Bergsteiger nur langsam vorankommen.

Als sie nach etwa der Hälfte des Weges an die Schlüsselstelle gelangten, war kein Weiterkommen mehr: Eine kleine Felswand, die stark vereist war, stellte ein unüberwindbares Hindernis dar. Auch den Abstieg über das rutschige Schrofengelände trauten sich die vier dann nicht mehr zu und alarmierten gegen 17.30 Uhr die Rettungsleitstelle. Der diensthabende Einsatzleiter verschaffte sich durch einen Rückruf einen Überblick und forderte daraufhin einen Rettungshubschrauber mit Seilwinde an.

Es dämmerte bereits, als der Rettungshubschrauber Christoph Murnau am Einsatzort eintraf. Mit einem Rettungssitz wurden die Mitglieder des Quartetts einzeln geborgen und in Begleitung eines Bergretters zum Spitzingsattel geflogen, die letzten beiden bereits bei völliger Dunkelheit. „Hubschrauber-Nachteinsätze mit der Seilwinde erfordern großes Können und perfektes Zusammenspiel aller Beteiligten“, weiß Riedl. Der Bergwacht-Leiter weist erneut darauf hin, dass schlechte Ausrüstung und eine völlige Fehleinschätzung der Verhältnisse auch die beschaulichen Münchner Hausberge zu einem gefährlichen Terrain machen können.

Dabei hätten die Bergretter am Spitzing am vergangenen Wochenende keinesfalls über Arbeitsmangel klagen können: Insgesamt 15 Einsätze - darunter eine Kniegelenksluxation, mehrere Gehirnerschütterungen sowie Unterschenkel- und Handgelenksbrüche und Knieverletzungen - galt es zu versorgen.

mm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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