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Markus Wasmeier hat das Dorf mitaufgebaut. Stärken könne sich Besucher bei einem Rundgang durch das Schlierseer Freilichtmuseum im Wirtshaus „Zum Wofen“ (Gebäude r.).

Museumsserie „Mein Schmuckstück“

Markus Wasmeier verrät seine Lieblingsorte im Freilichtmuseum

Ein Dorfleben wie im 17. Jahrhundert: Mit Charme und Detail lädt das Wasmeier Freilichtmuseum auf eine Reise in die Vergangenheit ein. Markus Wasmeier gibt seine persönlichen Schmuckstücke preis.

Fischhausen – Sensen schwingende Bauern, stattliche Höfe mit Schindeldächern, und der Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft – Das Markus Wasmeier Freilichtmuseum bietet Einblicke in eine längst vergangene Zeit. Dort in Schliersee lassen sich Handwerk und Tradition aus dem 17. Jahrhundert hautnah erleben. Seit zehn Jahren widmet sich Skilegende Markus Wasmeier (53) mit Herz und Seele der Aufgabe, kulturelle Schmuckstücke für die Nachwelt zu erhalten.

Die Schätze im Wasmeier Freilichtmuseum

Eine besondere Attraktion ist die hauseigene Brauerei. Weltweit einzigartig wird dort nach dreihundert Jahre alter Tradition Bier gebraut. Wer Interesse hat, kann selbst Hand anlegen. Ein Zuckerschlecken ist das jedoch nicht. Auf zweieinhalb Stunden rühren im Sudkessel, folgt Handschöpfen mit der Kelle. Etwa acht Stunden Arbeit stecken in einem Fass. Nach sieben Wochen lagern ist das Bier dann bereit für den Genuss. „Den Unterschied schmeckt man“, berichtet Wasmeier.

Eine weitere Herzensangelegenheit stellt für den zweifachen Olympiasieger die originale Kasalm aus dem Nationalpark Berchtesgadener Land dar. Nach deren aufwendigen Transport mit dem Helikopter wurde das Relikt wieder seiner Bestimmung zugeführt: dem Buttern und Käsen. Die Milch dafür stammt von Bauern aus der Region. „Wir haben zwar selber auch Kühe, doch aufgrund unserer Muttertierhaltung erzeugen die keine Milch“, sagt Wasmeier.

Eine Zeitreise durch die Geschichte der Elektronik ermöglicht die Ausstellung „Strom im Wandel der Zeit“. Mittels Originalküchen von 1900 bis zu den 70ger Jahren, wird vor allem der technische Fortschritt im Haushalt dargestellt. So manche Reliquie aus jener Zeit bringt die Besucher zum schmunzeln. Da wäre zum Beispiel der elektrische Hosenbügler und Bierwärmer in einem. Oder die sogenannte „Heisse Tasse“, welche in die Steckdose gesteckt wurde, um den Inhalt zu erhitzen. Aufgrund der fraglichen Sicherheit konnte sich diese Erfindung jedoch nicht dauerhaft durchsetzen.

Wie das Freilichtmuseum bei Schliersee entstand

Nach jahrelangem planen öffnete das Wasmeier Museum 2007 erstmals seine Pforten. Auf den rund 60 000 Quadratmetern stellt das altbayerische Dorf den Bauernalltag des 17. Jahrhunderts nach. Die Gebäude stammen aus der Gegend Isar- und Inntal, und wurden original wiederaufgebaut.

Langweile kennen weder Besucher noch Mitarbeiter: Brot backen, Schnaps brennen, Honig imkern und Butter schlagen. Das beschreibt nur einen kleinen Teil der Aktivitäten. Es gibt eine Vielzahl an Führungen, Vorträgen und Veranstaltungen. Dazu zählt unter anderem der jährliche Christkindlmarkt, die Highlandgames und das Seifenkistenrennen. Für jüngere Besucher steht eine Bastelwerkstatt sowie ein Erlebnisspielplatz bereit.

„Die Idee des Freilichtmuseums entstand nach dem Ende meiner Sportkarriere, als ich meine Heimat neu entdeckte“, erzählt Wasmeier. „Ich wollte die Denkmäler nicht dem Verfall überlassen, und beschloss, sie für die die kommenden Generationen zu erhalten.“ Unterstützung fand er bei seiner Familie, sowie dem eigens dafür gegründeten Verein „Markus Wasmeier Bauernhof- und Wintersportmuseum Schliersee e.V.“. Da dem Bauerndorf keine finanzielle Unterstützung durch den Staat zuteil wird, gibt es Partnerschaften für einzelne Möbel oder ganze Höfe.

Die Öffnungszeiten des Museums von Markus Wasmeier

Von Anfang April bis Anfang November hat das Museum Dienstag bis Sonntag jeweils von zehn bis 17 Uhr geöffnet. Für Kinder bis zu sieben Jahren ist der Eintritt frei, Jugendliche bis 15 zahlen 4,90 Euro, Erwachsene 8,90 Euro. Weitere Informationen gibt’s unter www.wasmeier.de.

Von Leah Stefan

Zu dieser Serie: Jede Gemeinde hat ihre Schmuckstücke. Besondere Gegenstände, die in Heimatmuseen ausgestellt werden, in Kirchen zu sehen sind oder manchmal auch in Archiven schlummern. Wir haben uns auf die Suche gemacht und stellen in den kommenden Wochen die Schätze und ihre Hüter vor.

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