Kurpark, Schliersee, Radfahrer
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Der Schein trügt: Nicht alle Radfahrer verhalten sich vorbildlich und steigen im Schlierseer Kurpark ab. Zudem wird die Ruheoase oft zur Bade- und Partymeile.

Badegäste, Radfahrer und feiernde Jugendliche

Nach Beschwerden: Gemeinde greift im Kurpark durch

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Schliersee - Badegäste, Radfahrer und feiernde Jugendliche: Der Schlierseer Kurpark wird von Gruppen genutzt, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten. Jetzt will die Gemeinde durchgreifen.

Werner Röhrl ist ein friedliebender Mensch. Keiner, der ständig meckert oder schimpft. Doch das, was der Rentner zuletzt bei seinen Spaziergängen durch den Schlierseer Kurpark erleben musste, stinkt ihm gewaltig. Badegäste, die das Seeufer belagern. Hunde, die zwischen den reich bepflanzten Blumenbeeten herumtoben. Jugendliche, die auf dem gepflegten Rasen Fußball spielen. „Des ärgert mi“, sagt Röhrl. Als er letztens an einem Samstagnachmittag mit seiner Frau genervt „diesen so genannten Kurpark“ verlassen wollte, kam dem 76-Jährigen noch eine radelnde Familie entgegen. Seinen Hinweis, dass Radfahren im Kurpark nicht erlaubt sei, habe den Vater nicht interessiert. Dafür handelte sich Röhrl eine freche Antwort ein: „Geh weg Alter, sonst fahr ich Dir über Deine Zehen.“ Für den Schlierseer steht fest: „Die Gemeinde muss endlich was dagegen unternehmen.“

Diese Auffassung hat sich nun auch im Gemeinderat durchgesetzt. „Unser Kurpark wird von einem touristischen Aushängeschild zu einem öffentlichen Ärgernis“, wetterte Astrid Leitner (CSU) bei der Sitzung, die passenderweise im Forum der Vitalwelt stattfand. Deshalb stellte sie mit ihrer Fraktion den Antrag, dass die Marktverwaltung „die rechtlichen Möglichkeiten zum Vollzug der Hausordnung“ prüfen solle. So habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass Hinweisschilder nichts bringen würden. „Es geht in der heutigen Gesellschaft scheinbar nur noch über den Geldbeutel“, sagte Leitner. „Wir müssen da endlich mal mit Bußgeldern arbeiten.“

Die gebe es bereits, erklärte Geschäftsleiter Jörn Alkofer. Zwischen 150 und 200 Euro würden bei einem Verstoß fällig. Zudem habe die Gemeinde bereits eine Security-Firma beauftragt, die im Kurpark kontrolliert. „Stundenweise, nach Bedarf und nur bei schönem Wetter“, ergänzte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Leitner ging das nicht weit genug. „Die Sicherheitsleute haben sowieso keine echte Handhabe“, bemängelte sie. Und dass das bloße Ansprechen nichts bringe, habe sich immer wieder gezeigt.

Davon konnte auch Leitners Fraktionskollege Jürgen Höltschl ein Lied singen. Als Gemeindegärtner habe er es bei schönem Wetter fast täglich mit biertrinkenden Jugendlichen und deren Hinterlassenschaften wie Müll oder Glasscherben zu tun. „Gegen dieses Halligalli müssen wir endlich was unternehmen“, forderte Höltschl. Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle (CSU) schlug vor, Kameras anzubringen, „um die Kameraden festzuhalten“. Denn gerade die Glasscherben im Sandkasten seien eine Zumutung.

Michael Dürr (PWG) waren diese Forderungen dagegen etwas zu heftig. Er wolle keine „schwarzen Sherrifs“ im Kurpark. Stattdessen könne die Gemeinde ja die Schliersee-Tourist-Scouts bitten, die Störenfriede auf die Hausordnung hinzuweisen. „Auch ich würde mich zwei Stunden pro Monat zur Verfügung stellen“, schlug Dürr vor. Unterstützung erhielt er von Gerhard Waas (Grüne). „Ich will keinen Kurpark, wo nur noch alte Leute sind“, sagte er. „Wir müssen das Gespräch mit den Jugendlichen suchen.“ Bringt nichts, meinte Höltschl. Er versuche das seit Jahren – ohne Erfolg. „Ich stelle ja schon was dar“, sagte er, „aber ich werde trotzdem bis aufs Mark beleidigt.“ Auch Leitner plädierte dafür, nicht mehr länger auf das gute Zureden zu setzen, sondern auf Strafen, „die wehtun“.

Diese Auffassung setzte sich am Ende auch im Gemeinderat durch. Gegen die Stimmen von Dürr und Waas beschlossen die Mitglieder, die Verwaltung mit einem strengeren Vorgehen gegen die Ordnungswidrigkeiten im Kurpark zu beauftragen. Und der Bürgermeister versprach: „Wir werden die Kontrollen verstärken und konsequent die Polizei holen, wenn jemand seine Personalien nicht herausgeben will.“

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