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Heißer Sommer, trockener Winter: Der Klimawandel macht auch den bayerischen Wäldern zu schaffen.

Naturschutzkonzept im Forstbetrieb Schliersee

Der Baum der Zukunft muss klimastabil sein

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Bald ein Jahr gibt es für die Wälder im Landkreis ein speziell auf die Region zugeschnittenes Naturschutz-Konzept. Dessen Ziel sollen Offenheit und einheitliches Handeln sein. Den auch der Naturschutz passt sich dem Klimawandel an.

Schliersee – Heißer Sommer, trockener Winter: Der Klimawandel macht auch den bayerischen Wäldern zu schaffen. Der Forstbetrieb Schliersee setzt den Schwerpunkt seines Naturschutzkonzepts deshalb auf Tannen, genauer gesagt Weißtannen. Die finden nämlich mit ihrem tiefen Wurzelsystem auch auf schweren Böden Halt und sind daher an das Klima angepasst: weniger trockenheitsanfällig und sturmfest.

Ein Naturschutzkonzept für alle 41 Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten – fünf Jahre wurde daran gearbeitet, nun sind alle Konzepte erstellt und veröffentlicht. Das Schlierseer Gebiet hat seines bereits vor knapp einem Jahr vorgestellt. Offenheit und Transparenz soll das 90 Seiten umfassende Papier bringen – sowohl für die Bürger als auch für die Mitarbeiter des rund 34 000 Hektar großen Forstbetriebs.

Christoph Baudisch  will den Bürgern mit Transparenz begegnen.

„Wir müssen unsere Wälder klimastabil machen“, sagt Forstbetriebsleiter Christoph Baudisch. Deshalb setzt er auf einen deutlich höheren Tannenanteil im Bergmischwald. Der liegt derzeit im Landkreis bei rund sechs Prozent, soll aber auf zehn Prozent steigen. Weil oft nicht genügend Alt-Tannen vorhanden sind, die aussamen könnten, müssen Baudisch und seine Mitarbeiter nachhelfen.

Im Internet ist das Naturschutzkonzept detailliert nachzulesen. So können Bürger nachvollziehen, was der Forstbetrieb macht – und warum. „Die Bürger können prüfen, ob unser Verhalten mit dem übereinstimmt, was wir in dem Konzept angeben.“ Diese Transparenz soll das Interesse der Bevölkerung am Wald und seinem Schutz steigern.

Grundlegend verändert hat das Konzept die Arbeit im Forstbetrieb nicht – Naturschutz war auch vorher schon ein Thema. Trotzdem nimmt auch ein Experte wie Baudisch das Papier hin und wieder zur Hand, um bestimmte Themen nachzulesen. Er und seine Kollegen wollen einheitlich auftreten. „Dort steht beschrieben, wie wir beispielsweise mit Totholz und Biotopen umgehen.“ Extra Schulungen haben alle Kollegen beim Naturschutz auf den gleichen Kenntnisstand gebracht.

In Stein gemeißelt ist das Konzept indes nicht. „So ein Konzept lebt“, sagt Baudisch. Details zu verändern und anzupassen, gehöre dazu – die Umwelt wandelt sich schließlich auch. Besonders schwierig ist für den Forstbetrieb der Spagat zwischen den Interessen des Naturschutzes und den Themen, bei denen es um „Leib und Leben“ geht, wie Baudisch es nennt.

Kürzlich wurden bei Rott (Landkreis Rosenheim) mehrere Eschen an einer Bundesstraße gefällt, weil sie krank waren und drohten, auf die Straße zu krachen. Just zu dieser Zeit wanderten aber auch Kröten über die Straße, die für die Forstarbeiten gesperrt werden musste. Solche Fälle gilt es für die Forstbetriebe zu händeln. „Wir versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, und sind immer in Kontakt mit der Naturschutzbehörde.“

Ein neues Naturschutz-Projekt hat der Schlierseer Forstbetrieb auch schon in Planung, in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Worum es genau geht, will Baudisch noch nicht verraten. Nur so viel: Es geht um Fledermäuse.

Das Naturschutzkonzept zum Nachlesen steht auf www.baysf.de/schliersee.

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