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Soll bald direkte Nachbarn bekommen: Heimatmuseum in Schliersee.

Architekt: "Zeitplan mehr als sportlich"

Teurer Traum: Neuer Kindergarten kostet bis zu 3,1 Millionen Euro

Schliersee – Architekt Johannes Wegmann hat kräftig Gas gegeben. Ein Entwurf für den Kindergarten am Heimatmuseum liegt vor. Aber: Es wird nicht billig.

Lange Zeit war in Sachen Erweiterung des Heimatmuseums in Schliersee nichts vorwärts gegangen. Der Grund: Für ein ganzes Geschoss bot sich einfach keine Nutzung an. Die Frage hat sich im Sommer zur Überraschung der Gemeinde von selbst geklärt: Schliersee braucht schnell weitere Kindergartenplätze. Und mit einem Mal wich der Stillstand zugunsten höchster Dringlichkeit.

Binnen vier Wochen haben das Schlierseer Architekturbüro von Johannes Wegmann sowie diverse Fachbüros aus dem vorliegenden Entwurf aus dem Jahr 2015 eine Planung gestrickt, die Wegmann nun im Gemeinderat vorstellte. 

Kurz umrissen sieht die so aus: 

Der Erweiterungsbau hält respektvollen Abstand zum Altbestand. Er ist faktisch ein zweites Gebäude, das allerdings unter einem gemeinsamen, neuen Schindeldach mit dem Heimatmuseum steht. Freilich wird auch die entstehende Fuge genutzt.

Die Aufgabe bestand laut Wegmann darin, der „Einzigartigkeit des Bestandsgebäudes“ gerecht zu werden und dennoch einen „gewissen künstlerischen Gestaltungsspielraum“ zu nutzen und „nicht einfach einen Stall zu bauen“. Die Gestaltung war mit den zuständigen Denkmalschützern abgesprochen und sei dort auf Zustimmung gestoßen, so Wegmann.

Zwei Häuser unter einem Dach: Das Heimatmuseum (rechter Teil) soll eine Erweiterung in Form eines zweiten Gebäudes bekommen. Die Grafik zeigt die Südansicht von der Lautererstraße aus.

Der Kindergarten soll im Erdgeschoss Platz finden. Zwei Gruppenräume sowie Toiletten und Personalräume braucht es. Der Eingang soll an der rückwärtigen Seite liegen. Wie bislang geplant, sollen im Untergeschoss die Schlierseer Vereine Platz finden. Neben einem Proberaum für Musikgruppen sind auch Lagerflächen geplant, etwa für das Archiv der Gemeinde, sowie Räume für die Haustechnik, die auch das Heimatmuseum mitversorgen soll. Für Letzteres sieht Wegmann im Obergeschoss des Erweiterungsbaus zusätzliche Ausstellungsflächen vor.

Auch Eheschließungen sollen Platz finden

Ferner im Konzept enthalten: eine bessere Nutzbarkeit des historischen Waldeckersaals durch einen zweiten Fluchtweg. Auch das Thema Eheschließungen – bekanntlich finden in Schliersee gut 200 Hochzeiten pro Jahr statt – könnte in dem neuen Komplex Platz finden. Wie berichtet, soll die alte Turnhalle ein paar Meter nebenan als Mehrzweckraum für den Kindergarten dienen. Wegmann könnte sich für die Sportstätte gar eine erweiterte multifunktionale Bedeutung vorstellen.

Teurer Traum: 3,1 Millionen Euro

Wohl etwas geschluckt hat mancher Gemeinderat, als Wegmann auf Anfrage über die Kosten sprach. Komplett mit allem Drum und Dran schätzt der Architekt sie auf rund 3,1 Millionen Euro. Sehr viel Geld für eine Gemeinde, die noch auf einer Schuldenlast von 14,8 Millionen Euro (Stand: Ende 2015) sitzt und sich den Bau einer Zweifachturnhalle für gut fünf Millionen Euro vorgenommen hat.

Realistischerweise geht Schliersee aber von 2,5 Millionen Euro Baukosten aus. Es muss ja nicht sofort alles bis zum letzten Einrichtungsgegenstand stehen. Für den Kindergartenanteil – circa 1,2 Millionen – rechnet die Gemeinde mit einer staatlichen Förderung von rund 500 000 Euro.

Der Gemeinderat segnete den Entwurf nebst Kostenschätzung gegen die Stimmen von Michael Dürr (PWG) und Gerhard Weitl (SPD) ab. Die Verwaltung soll nun die detailliertere Eingabeplanung mit Kostenberechnung beauftragen. Damit kann Schliersee Bau- und Förderantrag stellen. Allerdings zeichnet sich ab, dass dafür eine Sondersitzung Anfang November nötig sein wird. Doch der Gemeinderat scheint entschlossen, das große Ziel „Eröffnung September 2017“ weiter zu verfolgen. Dies nannte Wegmann „mehr als sportlich“ und mahnte an, sich Alternativen zu überlegen für den Fall, dass sich die Fertigstellung um ein oder zwei Monate verzögert.

Daniel Krehl

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