Bitte eintragen: Sibylle Strack-Zimmermann zeigt die Unterschriftenlisten zum Supermarkt-Neubau in Neuhaus.
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Bitte eintragen: Sibylle Strack-Zimmermann zeigt die Unterschriftenlisten zum Supermarkt-Neubau in Neuhaus.

„Möchten ein Stimmungsbild abgeben“

Neuer Supermarkt für Neuhaus: Bürger starten Unterschriftensammlung

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die Supermarkt-Pläne für das Grundstück an der Josefstaler Straße treiben die Neuhauser um. Aktuell läuft eine Unterschriftensammlung.

Schliersee – Eines schickt Sibylle Strack-Zimmermann gleich voraus: „Es geht uns nicht um ein Bürgerbegehren, weil wir keine Fronten aufbauen möchten.“ Ziel der Unterschriftenaktion zum geplanten Supermarkt-Neubau an der Josefstaler Straße in Neuhaus sei es einzig und allein, die Gemeinde(räte) für die Sorgen der Bürger zu sensibilisieren. An der grundsätzlichen Notwendigkeit, die Nahversorgung im Schlierseer Ortsteil zu verbessern, zweifle nämlich niemand, betont die Gemeinderätin der Grünen, die die Unterschriftensammlung mitbetreut. Die Dimensionen des Vorhabens würden den Neuhausern aber Bauchschmerzen bereiten.

Drei Punkte kritisieren die Initiatoren der Aktion. Zum einen ist ihnen die Verkaufsfläche von rund 1100 Quadratmeter deutlich zu groß. Mit Schliersee und Aurach gebe es in der näheren Umgebung bereits zwei große Märkte, da reiche für Neuhaus auch ein mittelgroßer mit rund 650 Quadratmetern, findet Strack-Zimmermann. Auch das Gebäude selbst, das im Obergeschoss 20 Wohnungen mit Flächen von 65 bis 150 Quadratmetern beherbergen soll, sei ein für Neuhaus „zu massiver Block“. Ein Vergleich zum gegenüberliegenden Seniorenheim hinke, weil es sich dabei um ein denkmalgeschütztes und damit einmaliges Haus handle. Obendrein fürchten Strack-Zimmermann und ihre Mitstreiter, dass der Grünzug zum Dürnbach hin durch eine so dichte Bebauung arg bedrängt werden könnte.

Zu guter Letzt stören sich die Initiatoren an der Zufahrt zum Markt. Das Grundstück liege an einer schmalen Stelle der Josefstaler Straße, erklärt Strack-Zimmermann. Damit könne man hier auch keinen Kreisverkehr bauen, um die Situation zu verbessern. Verkehrstechnisch gesehen wären Flächen an der Bayrischzeller Straße besser geeignet.

Im Gemeinderat berichtete nun auch Babette Wehrmann von der Unterschriftenaktion. „Die Neuhauser stehen hinter der Ansiedlung eines Nahversorgers“, machte Wehrmann deutlich. Knackpunkt sei aber die Größe des geplanten Baukörpers. „Der ist den Leuten zu hoch.“ 200 Bürger hätten sich bereits in den in vier Geschäften (die beiden Filialen der Bäckerei Gritscher sowie die St. Bernhard-Apotheke und der Schreibwarenladen Grinev) ausliegenden Listen eingetragen, berichtete Wehrmann. „Diese Bedenken sollten wir ins Verfahren mitnehmen.“

Das hat der Gemeinderat nun auf den Weg gebracht. Einstimmig fällte das Gremium den Einleitungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Genau wie beim Gesundhausprojekt (wir berichteten) habe der Gemeinderat auch hier „bis zum Schluss alles in der Hand“, versicherte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU).

Bauamtsleiterin Birgit Kienast bestätigte, dass noch etliche Punkte zu klären seien. Etwa die Höhe und Geschosszahl des Gebäudes, die Verkehrsanbindung und die vom Naturschutz geforderte Ausgleichsfläche. Wie schon beim Gesundhaus-Verfahren empfahl Kienast eine zweimalige öffentliche Auslegung der Supermarkt-Pläne.

„Das ist gut für die Bürgerbeteiligung“, fand Schnitzenbaumer. Die Unterschriftenlisten seien ihm bekannt. „Ich gehe ja auch in Neuhauser Geschäfte.“ Schnitzenbaumer kündigte an, Überzeugungsarbeit leisten zu wollen. „Und dieser Weg wird kein leichter sein.“ Ein zu kleiner Markt könne auch nicht das Ziel sein. „Wenn sie hier nicht alles bekommen, fahren die Leute doch wieder nach Hausham oder Miesbach zum Einkaufen.“

Gerhard Waas (Grüne) bat trotzdem darum, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Die Unterschriftensammlung sei ein deutliches Zeichen. „Der Markt ist wichtig, die Bedenken der Neuhauser aber mindestens genauso.“ Das bestritt der Rathauschef nicht. Er wies aber darauf hin, dass man das Projekt als solches nicht gefährden sollte. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, ist die Chance eines Supermarkts in Neuhaus auf Jahrzehnte vertan.“

sg

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