Der Bahnhof Miesbach im Januar 1971: Damals verfügte er noch über drei Durchgangsgleise. Das dritte (links) wurde später abgebaut. Es wurde nur von Güterzügen benutzt.
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Der Bahnhof Miesbach im Januar 1971: Damals verfügte er noch über drei Durchgangsgleise. Das dritte (links) wurde später abgebaut. Es wurde nur von Güterzügen benutzt.

INTERVIEW

Neues Buch über die Geschichte der Zugstrecke Holzkirchen-Bayrischzell

  • Christine Merk
    vonChristine Merk
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Schliersee – Vor 160 Jahren wurde der erste Abschnitt der Eisenbahnstrecke zwischen Holzkirchen und Bayrischzell eingeweiht. Damit befasst sich das Buch „Eisenbahnen im Oberland - von Holzkirchen nach Bayrischzell“ von Stefan Wittich (59)

Ein Erdrutsch verschüttete 1945 die Gleise am Westufer des Sees – ein Zug entgleiste. Foto: Gäste-Information Schliersee

Herr Wittich, haben Sie eine Modelleisenbahn?

Jetzt nicht mehr, aber als Kind, so mit zehn bis 16 Jahren, da hatte ich eine.

Früher fuhr man mit dem Zug bis Sizilien

Sie waren also schon in jungen Jahren von Eisenbahnen fasziniert?

Ich habe mich vor allem für Technik interessiert. Und dann bin ich ja auch in einer Zeit aufgewachsen, als Eisenbahnen in der Gesellschaft noch einen ganz anderen Stellenwert hatten. Damals ist man nicht in den Urlaub geflogen, sondern mit der Eisenbahn gefahren, wenn es sein musste bis nach Sizilien.

Beruflich haben Sie einen anderen Weg eingeschlagen. Aber die Begeisterung für Eisenbahnen ist wohl geblieben?

Ja, das Interesse für Eisenbahnen ist tatsächlich geblieben. Seit mehr als 40 Jahren. Ich habe zuhause Regale voller Fachbücher und einige Fachzeitschriften abonniert. Für ein Fachmagazin habe ich auch schon selbst Artikel geschrieben. Und ich pendle täglich mit der Bahn von Schliersee nach München.

Wittichs Spezialgebiet sind eigentlich die Eisenbahnen Italiens

Entstand so die Idee für dieses Buch?

Nein, nicht wirklich, denn mein Spezialgebiet sind eigentlich die Eisenbahnen Italiens. Der Grund für dieses Buch ist eigentlich sehr trivial. Ich bin seit den 70er-Jahren Hobbyfotograf, und vor fünf Jahren habe ich meine Bestände an Dias und Negativen digitalisieren lassen. Da habe ich erst gemerkt, dass ich Hunderte Fotos von Eisenbahnen habe. Ich habe mir also gedacht, aus diesen Schätzen muss man doch was machen.

Einige Fotos in ihrem Buch stammen außerdem von Ihrem Vater.

Das sind vor allem viele der historischen Fotos. Mein Vater war Apotheker, hat sich in seiner Freizeit viel mit Heimatforschung beschäftigt und an der Schlierseer Chronik mitgeschrieben. So ist eine große Zahl historischer Fotos bei ihm gelandet.

Das Buch richtet sich an interessierte Laien, aber auch an die Fachwelt

Für Ihr Buch haben sie außerdem sehr detailliertes Wissen über die Eisenbahn im Oberland zusammentragen. Welche Quellen haben sie dafür genutzt?

Man braucht wirklich viele Helfer. Die hatte ich auch: etwa ein halbes Dutzend aktive und ehemalige Eisenbahner hier im Landkreis, mit denen ich stundenlange Gespräche geführt habe. Ein Kontakt ergibt da den anderen. Ich habe so auch noch weitere Fotos bekommen, die im Buch erstmals veröffentlicht sind. Und diese hilfsbereiten Menschen haben mir nicht nur Informationen geliefert, sondern auch die Texte gegengelesen. Das Buch soll ja für die Fachwelt fundiert sein.

Sie bleiben in Ihrem Buch stets sehr sachlich. Gibt es drüber hinaus eine persönliche Erkenntnis aus Ihren Recherchen?

Ja, ich denke da an die Infrastruktur. Die wurde in den 80er/90er-Jahren massiv zurückgebaut. Auf den alten Fotos sieht man, wie üppig etwa die Zahl der Gleise in den Bahnhöfen früher war. Das wäre zwar für heutige Verhältnisse überproportioniert, aber mit dem Rückbau ist man ein Stück übers Ziel hinausgeschossen. Das lässt sich an einigen Stellen nicht mehr so leicht rückgängig machen, und in Sachen Taktverdichtung etwa stößt die BRB deshalb jetzt an Grenzen.

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Der Autor Stefan Wittich mit seinem Buch „Eisenbahnen im Oberland - von Holzkirchen nach Bayrischzell“

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