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Angemessen Willkommen heißen will die Marktgemeinde Schliersee ihren Nachwuchs.

Erfolgreicher Antrag im Gemeinderat

Neugeborenenempfang: Schliersee feilt an Willkommenskultur

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Schliersee sollte an seiner Willkommenskultur arbeiten, findet Beatrix Seidenfus. Deshalb beantragte die Gemeinderätin einen Neugeborenenempfang und eine Neubürger-Mappe.

Schliersee – Ein gutes Miteinander beginnt mit einer herzlichen Begrüßung. Und die kann gar nicht früh genug stattfinden, meint Beatrix Seidenfus. „Ein angemessenes Willkommen ist eine Wertschätzung“, sagte die Gemeinderätin bei der jüngsten Sitzung. Und die sollten auch die kleinsten Schlierseer schon bekommen – bei einem Neugeborenenempfang. Um diese in anderen Gemeinden längst üblichen Veranstaltung auch in der Marktgemeinde einzuführen, beantragte Seidenfus, ein jährliches Budget von 1000 Euro in den Haushalt einzustellen. Die Premiere könnte schon im ersten Quartal 2020 stattfinden – beispielsweise im neuen Saal im Heimatmuseum.

50 Neugeborene würden jedes Jahr den Ort bereichern und letztlich auch seinen Fortbestand sichern, begründete Seidenfus ihren Vorstoß. Dies verdiene auch eine besondere Beachtung. Nicht zuletzt, weil Erziehung heute eine ungleich größere Herausforderung sei als früher. Vor allem, wenn beide Eltern arbeiten gehen müssten. Ein Neugeborenenempfang sei ein gutes Forum, um den jungen Familien die Angebote der Gemeinde aufzuzeigen. Als Beispiele nannte Seidenfus die Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Freizeitmöglichkeiten wie die Bücherei oder Sportvereine. Obendrein könnten die Eltern untereinander Kontakte knüpfen und sich Geschwisterkinder gleichaltrige Spielkameraden suchen.

Neugeborenenempfang wird wiederbelebt

„Jedes Neugeborene ist eine Freude für die Gemeinde“, betonte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Ein Willkommen gebe es bereits, wenn auch bislang per Brief ans Baby. „Den müssen halt dann die Eltern vorlesen“, meinte Schnitzenbaumer schmunzelnd. Zweite Bürgermeisterin Johanna Wunderle (CSU) erinnerte, dass es vor etlichen Jahren im Kurzentrum sogar schon mal einen Empfang gegeben habe. „Irgendwann sind dann aber immer weniger Leute gekommen und es ist wieder eingeschlafen“, sagte Wunderle.

Beatrix Seidenfus (Ausschussgemeinschaft) hatte den Antrag gestellt.

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Als „nette Sache“ wertete Florian Zeindl (CSU) Seidenfus’ Idee. Der Empfang funktioniere aber nur, wenn er auch angenommen werde. Probieren könne man es ja mal, fand Gerhard Waas (Grüne). So wäre so eine Veranstaltung für viele junge Familien der erste Kontakt ins Rathaus und mit dem Bürgermeister. „Das wird bestimmt ein sehr ruhiges Treffen“, feixte Robert Mödl (Die Schlierseer) in Richtung Schnitzenbaumer. „Ich würde auf jeden Fall ein Mikro mitnehmen.“ Mit 16:5-Stimmen beschlossen die Gemeinderäte letztlich, den Neugeborenenempfang wieder aufleben zu lassen.

Keine Mehrheit für Willkommensmappe

Keine Mehrheit (7:14-Stimmen) fand sich hingegen für die von Seidenfus ebenfalls beantragte Willkommensmappe für Neubürger. Sie könnte etwa Infos wie Busfahrpläne, eine Kontaktliste mit Ansprechpartnern im Rathaus oder von Vereinen enthalten. Dies könne nicht zuletzt die Chance erhöhen, dass sich Neubürger selbst ehrenamtlich engagieren, warb Seidenfus für ihre Idee.

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Der Rathauschef verwies auf den Verwaltungsaufwand, der notwendig sei, um die Mappe aktuell zu halten und sie an den Mann zu bringen. Sobald die neue Gemeinde-Homepage fertig sei, mache eine gedruckte Ausgabe ohnehin wenig Sinn. „Heutzutage will doch keiner mehr Papier“, fand auch Astrid Leitner (CSU).

Florian Guggenbichler (Die Schlierseer) erinnerte, dass nicht jeder Neuankömmling in Schliersee eine Freude sei. „Mir ist das zu viel Handreichung“, sagte er. Besser wäre es, so manchem Zugezogenen lieber Verhaltensregeln oder Kopien der gültigen Bausatzungen zukommen zu lassen. „Wer hier herkommt, sollte sich aus eigenem Interesse heraus informieren“, fand Guggenbichler. Und Ernst Höltschl (SPD) warnte davor, Zweitwohnsitzinhaber auch noch willkommen zu heißen. „Die dürfen auch gern einfach daheim bleiben.“

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