Neuhaus/Schliersee: Die Striebecks verlassen das Oberland
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Werden die Menschen vermissen: das Pfarrer-Ehepaar Melanie und Matthias Striebeck.

Abschiedsgottesdienst im März

Die Striebecks verlassen das Oberland

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Das evangelische Pfarrerehepaar Striebeck verlässt Neuhaus. Sie werden die Menschen und die Gegend vermissen, sagen beide. Aber die Zeit sei reif für einen Neuanfang.

Neuhaus – Eigentlich wären Melanie und Matthias Striebeck gerne in Neuhaus geblieben. 15 Jahre diente das Pfarrer-Ehepaar hier der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Sie haben Familien in guten wie schlechten Zeiten begleitet, gestützt, gestärkt. Sie haben Menschen verheiratet, die sie schon konfirmiert hatten. „Da ist Vertrauen gewachsen“, sagt Matthias Striebeck. „Es ist schwer, loszulassen.“ Seine Frau Melanie sagt: „Man kann die Ordner in den Schrank stellen. Aber was wir hier erfahren haben – die Menschen, das Kulturelle – das nehmen wir immer mit.“

Trotz der Liebe zur Region werden die Striebecks Neuhaus verlassen. Am Sonntag, 15. März, feiern sie ihren Verabschiedungs-Gottesdienst. Danach wechseln sie ins schwäbische Frickenhausen-Arlesried bei Memmingen. So schwer ihnen der Abschied fällt, sie halten ihn für die richtige Entscheidung.

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Die Gründe

Dafür gibt es drei Gründe. Der erste: Evangelische Pfarrer sollen spätestens alle zehn Jahre den Ort wechseln, sagt Melanie Striebeck. Weil sie die Frist schon um die Hälfte überzogen haben, habe ihnen die Landeskirche den Umzug nahegelegt.

Grund zwei: Die Striebecks haben in Neuhaus viel umgesetzt. Unter ihrer Ägide wurde die Christuskirche aufwendig saniert, die Jugendarbeit ausgebaut und die Orte in ihrer abgelegenen Gemeinde enger an die übrigen Gemeinden gebunden. Sie haben „Highlights im Abseits“ gesetzt, wie Matthias Striebeck sagt. „Aber wir sind die Falschen, das jetzt wieder anzuschieben.“ Es brauche frischen Wind, neue Akzente.

Grund drei: Der Umzug halbiert für beide die Fahrzeit zu ihren Eltern. „Da werden wir uns in den nächsten Jahren mehr kümmern müssen“, sagt Matthias Striebeck. Seine Frau kann außerdem wieder in der Klinikseelsorge arbeiten. Sie vermisst die Aufgabe, die sie schon vor ihrer Zeit in Neuhaus innehatte.

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Was sie mitnehmen

Ihre Gemeinde werden die Striebecks auch in Schwaben weiter im Herzen tragen. „So schön, wie es hier war, muss es dort erst einmal werden“, sagt Matthias Striebeck, selbsterklärter „patriotischer Oberbayer ohne Dialekt“. Seine Frau wird neben den Menschen vor allem die Berge vermissen. Hier habe sie sich Gott besonders nahe gefühlt.

Ebenfalls mitnehmen werden sie die Netzwerkerfahrung: die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Integration und dem Forum Asyl, die vertrauensvolle ökumenische Kooperation und das Denken über Gemeindegrenzen hinaus. „Das war unglaublich bereichernd“, sagt Matthias Striebeck.

Ein Dank zum Abschied: Pfarrer Matthias Striebeck (M.) und Süleyman Kaynak (2.v.r., zweiter Sprecher Netzwerk Integration und ehemaliger Vorsitzender Ditib Miesbach) setzten auf Vertrauen und Zusammenarbeit. Dafür dankten ihnen zum Abschied vom Netzwerk Integration (v.l.) Sprecherin Lisa Braun-Schindler, Max Niedermeier (Integrationsbeauftragter des Landkreises), und Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz.

Die Einladung

Auch bei Ihrer letzten Amtshandlung haben die Striebecks an ihre Gemeinde gedacht: Sie nehmen ihren Abschied im März, damit ihr Nachfolger nach sechsmonatigen Vakanz in den Sommerferien kommen kann. Das sei ideal, um junge Pfarrer mit Kindern anzulocken. Die seien wiederum gut für die Jugendarbeit der Gemeinde. Ohnehin, sagt Matthias Striebeck, sei Arlesried nicht weit weg. „Alle können vorbeikommen. Dann kriegen sie einen Kaffee.“

Abschieds-Gottesdienst

Melanie und Matthias Striebeck verabschieden sich mit einem Gottesdienst am 15. März ab 15 Uhr in der Apostel-Petrus-Kirche in Neuhaus von ihrer Gemeinde. Im Anschluss folgt eine Feier im Pfarrsaal St. Josef.

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