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Tief in die Vergangenheit eingetaucht: Barbara Loew arbeitet sich in die Werke und Texte des verstorbenen Künstlers Peter Loew ein. Das Haus der Familie in Neuhaus gleicht derzeit einem Museum.

Barbara Loew sichtet Kisten von Material

Neuhauser Familie lässt verstorbenen Künstler wieder auferstehen

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Das Haus der Loews in Neuhaus gleicht beinahe einem Museum. Barbara Loew arbeitet hier die Vergangenheit des Schlierseer Kunstmalers Peter Loew auf - mit beeindruckenden Einblicken.

Neuhaus – Im Wohnzimmer von Barbara Loew (55) stapeln sich Bücher, Briefe und eine Menge anderer Dokumente. Im Flur stehen ganze Kisten voll davon. An den Wänden ist kaum noch Platz – ein Bild hängt neben dem anderen. Das alles ist nur ein Bruchteil dessen, was der Schlierseer Künstler Peter Loew dem Ehepaar aus Neuhaus hinterlassen hat.

Der Maler, Dichter und Musiker ist der Großonkel von Barbara Loews Mann Rudi. Während der an Motorrädern schraubt (wir berichteten) beschäftigt sich die 55-Jährige seit einigen Monaten mit dem 2012 verstorbenen Künstler. „Ich arbeite das jetzt alles auf“, sagt sie. Dabei ist sie tief eingetaucht in das Leben eines Mannes, der schon zu Lebzeiten weit über die Grenzen Schliersees hinaus bekannt war. Ihm und seiner Werke zu Ehren, hat Barbara Loew einen Verein gegründet.

Ein Bild aus Farben, Formen und ein paar Linien auf weißem Hintergrund – ein Werk aus der vierten und letzten Schaffensperiode des Künstlers, der 1931 in Schliersee geboren wurde. Er nannte sie Fugenbilder. Ein solches Werk hängt bei Loew über dem Sofa, in Blau und Schwarz. Wie viele Werke insgesamt in ihrem Besitz sind, hat Loew nicht gezählt. „Ein Großteil lagert in der Ferienwohnung“, sagt sie. Gerne würde sie im Waitzinger Keller ausstellen – unter anderem um Spenden dafür zu sammeln, hat sie den Verein „Freunde der bildnerischen Kunst Peter Loew“ gegründet.

Schöne Handschrift: Peter Loew hinterlässt viele Schriftstücke.

Nicht nur Malereien hinterlässt der Verwandte ihres Mannes. Auch Schriftstücke – Aphorismen und Briefe – die sich nun in mehreren Kartons im Hausflur stapeln. Loew kramt in einer der Kisten und zieht Notizbücher heraus. Der Ledereinband ist zum Teil schon abgegangen, die Seiten sind eingerissen und vergilbt. Mit Kohle sind darin vor allem Zeichnungen von Menschen. „Ich glaube, das hat er beim Zugfahren gemacht“, sagt Loew. Nachdenklich streicht sie über die Seiten. Sie lächelt. „Ich weiß auch nicht, was mich zu all dem antreibt.“

Die Aphorismen, die Lebensweisheiten des Künstlers bringen Loew immer wieder zum Schmunzeln. In beeindruckender Handschrift hat Peter Loew diese niedergeschrieben – oft als Zusatz zu seinen Bildern. Beispielsweise schreibt er da: „Denken hat den geringsten Materialverbrauch, wenn es sich selbst genügt.“ Loew liest es vor, und lässt die Worte einfach wirken.

Auf den Ölgemälden und Zeichnungen, die Loew nach und nach zeigt, ist immer wieder eine Frau zu sehen: Karin Saalmann. Die Bildhauerin, die bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 im Pfarrhaus in Unterdarching wohnte, war wohl eine Zeit lang gut mit ihm befreundet gewesen. „Er wollte ihr alles vermachen“, sagt Loew. Doch Saalmann starb früher, sieben Jahre vor dem Kunstmaler.

So gelangten seine Werke schließlich – nach einem längeren Rechtsstreit – nach Neuhaus. Dort, in den Räumen seiner Nachkommen, liegt so viel Peter Loew in der Luft, dass es beinahe scheint, als wäre er selbst anwesend. Durch das intensive Beschäftigen mit seinem Wirken hat Barbara Loew dem Künstler neues Leben eingehaucht. So wirkt er auch nach seinem Tod weiter.

Mehr über den Künstler

Peter Loew erfahren Interessierte unter www.peterloew-art.de. Per E-Mail können sie mit Barbara Loew, der Vorsitzenden des Vereins „Freunde der bildnerischen Kunst Peter Loew“ Kontakt aufnehmen: info@peterlow-art.de. Spenden sind willkommen.

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