Nur drei Schlierseer Kinder bei den „Dachsen“

Neuhauser Krippe gehen die Kinder aus: Hat die Gemeinde falsch geplant?

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Stets sah es so aus, als würde der Bedarf an Krippenplätzen das Angebot in Schliersee übersteigen. Jetzt starten zwei neue Gruppen - und woanders wird es plötzlich einsam.

Schliersee – Die Hüttingers sind enttäuscht. Jahrelang haben sie für ihre Kinderkrippe „Die Dachse“ in Neuhaus um eine Aufstockung von zehn auf 18 Ganztagsplätze gekämpft – zuletzt sogar vor dem Verwaltungsgericht München (wir berichteten). Jetzt kämpfen sie mit einem ganz anderen Problem: Nur drei Schlierseer Kinder sind ab September verbindlich bei den „Dachsen“ angemeldet. Ursprünglich standen 23 auf der Liste.

Rudi Hüttinger, der die Krippe mit seiner Frau Ilona betreibt, hat eine Erklärung für das Phänomen. „Man darf die Anmeldungen nicht mit dem tatsächlichen Bedarf gleich setzen“, sagt er. So würden viele Eltern ihre Kinder bei verschiedenen Einrichtungen parallel einschreiben, um sich so auf jeden Fall einen Platz zu sichern. Die Gemeinde Schliersee habe dies aber bei ihrer Bedarfsplanung für die Krippenplätze in Neuhaus ignoriert.

Als „dubios“ geißelt Hüttinger dieses Vorgehen. Die Rathausverwaltung habe weder den Bestand bei den Einrichtungen, noch die Bedürfnisse bei den Eltern abgefragt. Für ihn steht fest, dass die Gemeinde nur die Anmeldungen berücksichtigt hat. So seien auch die Gemeinderatsentscheidungen für den Kindergartenanbau ans Heimatmuseum und die neue Krippengruppe im Souterrain des Neuhauser Pfarrzentrums anhand dieses – in Hüttingers Augen zu hoch angesetzten – Platzbedarfs und damit auf falscher Zahlengrundlage getroffen wurden.

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Im Rathaus weist man diese Vorwürfe klar zurück. Es sei zwar richtig, dass man bei der Bedarfserhöhung auch auf die Anmeldungen zurückgegriffen habe. Aber das sei eben nur ein Punkt gewesen, betont Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer. So habe man zur Plausibilitätsprüfung Daten aus dem Einwohnermeldeamt ausgewertet. Dennoch, räumt Schnitzenbaumer ein, handle es sich um eine Prognose. So würde es immer wieder vorkommen, dass sich Eltern nach Krippenplätzen erkundigen, bevor sie überhaupt nach Schliersee ziehen. „Das ist aber nicht der Fehler der Gemeinde“, so der Bürgermeister.

Zu diesem Ergebnis ist auch die Kommunalaufsicht am Landratsamt gekommen. Die Gemeinde habe „rechtmäßig und sachgemäß“ gehandelt, zitiert Schnitzenbaumer aus dem umfangreichen Antwortschreiben. Ein festes Regelwerk für die Bedarfserhebung gebe es nicht, daher liege die Planung im Ermessen der Gemeinde. Ein Fehler oder gar eine daraus resultierende Überversorgung mit Krippenplätzen in Schliersee sei nicht feststellbar und könne auch nicht daran festgemacht werden, dass es in einer Einrichtung noch freie Plätze gibt. Schnitzenbaumer verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Wahlfreiheit der Eltern.

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Den Hüttingers hilft das wenig. Sie versuchen nun, ihre Gruppe mit Kindern aus den Nachbargemeinden aufzufüllen. Nach derzeitigem Stand rechnet Rudi Hüttinger mit fünf bis sechs Nachrückern. Dennoch werde am Ende wohl ein Defizit anfallen. Dafür würden die Dachse einen finanziellen Ausgleich durch die Kommune beantragen, kündigt Hüttinger an. Optimal sei diese Lösung aber nicht. „Das bezahlt dann leider die Allgemeinheit.“

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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