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Nicolas Kutter im Kreis seiner Klasse am Tegernseer Gymnasium: Das Engagement der Jugendlichen hat sich gelohnt. Das Spendenziel ist erreicht.

Schlierseer (15) kann in die USA reisen

Nici zum erreichten Spendenziel: "Ich bin überwältigt!"

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Schliersee/Tegernsee - Das ist der Wahnsinn! Innerhalb der vergangenen 15 Tage sind genug Spenden zusammengekommen, damit der krebskranke Nicolas Kutter (15) seine Therapie in den USA antreten kann.

Aktualisierung, 19. Januar, 16.22 Uhr: Nicolas Kutter ist wirklich hart im Nehmen. Gerade erst ist er in der Haunerschen Kinderklinik in München aus der Narkose aufgewacht, schon telefoniert er mit dem Miesbacher Merkur. "Ich habe auch schon etwas gegessen", sagt Nicolas mit fester Stimme. Die Narkose war für die Vorbereitung der Antikörper-Behandlung nötig, die Nici im Vorfeld der Therapie in den USA durchläuft. Am Sonntag hat Nicolas erfahren, dass die dafür nötigen 185.000 Euro beisammen sind. "Ich bin fast sprachlos." Auch seine Mama Solveig, die in der Münchner Klinik bei ihm ist, ist außer sich vor Freude. "Für uns war das einfach nur wow!" Beim Besuch der Benefizaktion des TC Neuhaus habe sie noch geweint vor Rührung - jetzt kann es für Nicolas sicher losgehen. "Ich freue mich darauf und habe Reisefieber", sagt der 15-Jährige. In den USA will er auch etwas vom Land sehen. "Aber die Schule geht vor." Schließlich wolle er mit seinen Klassenkameraden Abi machen - und das "schön zeitgemäß". Denn Nici hat eines fürs Leben gelernt: "Zeit ist kostbar!"

Wie auf Nicis Homepage help-nici.com zu lesen ist, hat die Familie aus Schliersee die Spendensumme von 185.000 Euro erreicht - und das innerhalb von 15 Tagen. "Mein Kampf gegen den Krebs geht in die nächste Runde, meine Mission Seattle kann beginnen", schreibt Nici.

Nicolas Kutter ist zum dritten Mal an Leukämie erkrankt. Seine letzte Hoffnung ist jetzt eine neuartige Therapieform, die im Rahmen einer Studie in Seattle (USA) angewandt wird. Nicolas Eltern müssen für die Reise und den Klinikaufenthalt selbst aufkommen. Um die Summe zusammenzubekommen, ist Anfang des Jahres eine im Landkreis beispiellose Spendenaktion gestartet. Familie und Freunde haben kräftig Spenden gesammelt, Vereine Benefizaktionen organisiert und Nicolas Mitschüler am Tegernseer Gymnasium haben ihren Klassenkameraden tatkräftig unterstützt. Laut Sekretariat des Tegernseer Gymnasiums sind allein auf dem Schul-Spendenkonto 54.000 Euro (Stand Freitag) eingegangen. Die Schüler seien gerade dabei, die in Geschäften im Tegernseer Tal aufgestellten Spenden-Schweinchen einzusammeln.

Das sagt Nicolas' Vater zum Spendenerfolg

Nicis Papa Roberto Kutter hat die gute Nachricht am Wochenende erhalten. "Die Vorauszahlung, um in die USA reisen zu dürfen, können wir jetzt auf jeden Fall leisten." Noch am Wochenende war Nicolas mit seiner Familie bei der Benefizaktion des Tennisclub Neuhaus. 12.000 Euro sind an dem Abend zusammengekommen. "Nicolas saß mit dabei und hat irgendwann keinen Ton mehr herausbekommen. Er war sprachlos", so der Vater. Dass in einem so kurzen Zeitraum so viele Leute spenden würden, habe die Familie nicht für möglich gehalten.

Auch an Nicolas' Schule, dem Tegernseer Gymnasium, ist die Freude riesig. In der ersten Stunde am Montag hat Nicis Klasse die gute Nachricht erhalten. "Wir konnten es gar nicht glauben", sagt Mitschülerin Isabella Dibold (16). Als sie von der benötigten Summe erfahren habe, sei sie erst einmal geschockt gewesen. "Ich dachte, hoffentlich kriegen wir das zusammen." Dass es jetzt so schnell ging, macht die ganze Klasse überglücklich - auch, weil alle so toll zusammengeholfen haben. "Es haben alle was für Nicolas getan."

So geht's für Nici weiter

Und wie geht es jetzt weiter für Nici? Am heutigen Montag ist der 15-Jährige in der Münchner Klinik, die ihn begleitet, und beginnt einen weiteren Zyklus der Antikörper-Behandlung. "Ich hoffe, dass er Mitte oder Ende der Woche wieder in die Schule gehen kann", sagt sein Vater. Immer mit dabei wird Nicolas dann wieder einen Rucksack haben, in dem die Pumpe für die Behandlung angebracht ist.

Die "finanzielle Phase" ist mit dem erreichten Spendenziel jetzt geschafft, sagt Roberto Kutter. Bald beginnt für Nicolas allerdings der noch härtere Teil: die Therapie. Am 16. Februar ist Nici noch einmal in der Münchner Klinik. Geht alles gut, wird er einen Tag später mit seiner Mutter nach Seattle fliegen. "In den USA ist er bis Mitte Mai", sagt Roberto Kutter. Und fügt hinzu: "Wir hoffen, dass es die finale Runde für ihn ist und er gesund wird."

Was wird aus übrigem Spendengeld?

Mit dem Spendengeld wird laut Nicis Vater übrigens so verfahren: Die Spenden sind zweckgebunden, müssen also in Nicolas' Behandlung fließen. Wenn etwas übrig bleibt, wird es erst einmal "eingefroren". "Sobald Nici geheilt ist, kann das Geld für andere gemeinnützige Zwecke verwendet werden." Die Kutters haben sich schon Gedanken über diese Zeit gemacht. "Nicolas ist bei dieser Behandlungsmethode ja eine Art Vorreiter. Vielleicht übernimmt er mit dem übrigen Geld Patenschaften für andere leukämiekranke Kinder, die in wirtschaftlich weniger gut gestellten Gegenden leben wie wir und nicht so schnell Spenden zusammenbekommen."

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