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Bestens besucht war das Josefstaler Gespräch über Verständigungskultur. Die Moderation lag in der Hand von Gerhard Polt (stehend, l.). Staatssekretär Markus Ederer (r.) sprach über China.

Polt und Ederer im Dialog

Einblicke ins Reich der Mitte

Neuhaus - Zusammenhänge, Einblicke und persönliche Ansichten zur Weltmacht China lieferte beim 3. Josefstaler Gespräch über Verständigungskultur Markus Ederer, Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Kabarettist und Autor Gerhard Polt entlockte dem EU-Botschafter Hintergründiges.

Informationen und Eindrücke aus erster Hand: Markus Ederer, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und erster EU-Botschafter in China, ist nah dran am Reich der Mitte. Obwohl: China ist schon längst in Europa angekommen und beeinflusst – wenngleich vielleicht unbemerkt – das Leben des Einzelnen im Westen, konstatierte Gerhard Polt mit Blick auf den Wasserkocher, das iPhone und das T-Shirt, alles made in China und bestenfalls noch in Europa oder den USA entworfen. Polt fordert Ederer auf: „Kannst Du den Chinesen spielen und uns seine gelbe Wahrnehmung erzählen?“ Und so holte Ederer im ersten Teil der Diskussion „China – Parteidiktatur oder strategischer Partner?“ weit aus, um von seinen Eindrücken zu berichten.

China zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten, das Pro-Kopf-Jahreseinkommen liegt aber nur bei 8000 US-Dollar. China hat 500 Millionen Internetnutzer, die Bevölkerung ist so frei wie nie, aber dennoch werden Menschen inhaftiert, wenn sie die Rolle der Kommunistischen Partei infrage stellen. Beide Seiten seien Teil der gleichen Realität, sagte Ederer: „China ist immer etwas von allem.“ China mit seiner 5000 Jahre alten Geschichte empfinde sich zwar als Land der Mitte, aber in der Hierarchie oben stehend. Das Ziel sei es, diese Spitzenposition herzustellen oder zu festigen.

Kenntnisreich beleuchtete Ederer Chinas Verhältnis zu Nordkorea, zu seiner Uiguren-Minderheit und zu Japan. Die 135 Zuhörer hingen ihm förmlich an den Lippen. Der Perspektivenwechsel lohnte, im zweiten Teil der Veranstaltung wurden viele Fragen gestellt. Die nach dem kulturellen Einfluss Chinas beantworte Ederer mit dem Hinweis, dass aktuell viele Konfuzius-Institute gegründet werden, damit mehr Menschen die Sprache lernen können. „China macht sich Sorgen um seine Softpower. Es wirbt mit dem ‚Alten China‘, dem ‚Neuen China‘ und dem ‚Friedlichen China‘, hat aber verstanden, wie wichtig Werte und Marken sind.“ Ein Grund, warum man diese einfach aufkaufe: Osram, Hollywoodstudios, Hersteller von Fertigungsrobotern, italienische Mode-Produktionen, den Hafen von Piräus, ein Atomkraftwerk in Wales.

Also doch die gelbe Gefahr? „Die Bundesregierung denkt darüber nach, wie man im europäischen Kontext Mechanismen schafft, die chinesische Übernahme zu unterbinden“, meinte Ederer. Aber auch: „Wir dürfen die Chinesen und ihre Innovationskraft nicht unterschätzen. Auch wir können von ihnen lernen.“ Außerdem sei China längst ein Teil unserer Wirtschaft und unserer Wertschöpfung. Ederer warb für Verständnis: „Es ist wichtig zu verstehen, wo die andere Seite herkommt und sich in deren Referenzrahmen zu versetzen.“ Wichtig sei der Wunsch nach Begegnung und Austausch. Eben dazu diente auch das Josefstaler Gespräch über Verständigungskultur im Rahmen des Schlierseer Kulturherbsts.

Alexandra Korimorth

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