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Hier soll es hin, das „Riesending“: Trotz hoher Kosten verfolgt der Schlierseer Gemeinderat die Planung für eine Sporthalle mit 20 Meter mal 40 Meter großem Spielfeld weiter. 

Kostenberechnung im Gemeinderat

Preisschock: Turnhalle kostet fast zwei Millionen Euro mehr

Es hatte sich abgezeichnet, und doch hat das Ergebnis der Kostenberechnung für die Turnhalle in Neuhaus dem Schlierseer Gemeinderat heftig zu denken gegeben. Denn: Es wird richtig teuer.

Schliersee – 7,4 Millionen Euro – fast zwei Millionen mehr als vor dreieinhalb Jahren berechnet – wird der Neubau kosten. Mindestens. Angesichts dieser Summe spielten einige Gemeinderatsmitglieder ernsthaft mit dem Gedenken, eine kleinere Lösung zu wählen. Letztlich rangen sie sich aber mehrheitlich dazu durch, die bestehende Planung weiter zu verfolgen.

Wegen anhängiger Rechtsstreitigkeiten hatte Schliersee trotz vorliegender Baugenehmigung das Projekt Turnhalle jahrelang nicht angepackt. Währenddessen schnellten die Preise auf dem Bausektor in die Höhe. Das bekommt die Gemeinde nun zu spüren. Besonders die Kosten für Technische Anlagen (Heizung, Lüftung, Sanitär) stiegen – um fast ein Drittel auf knapp 2,2 Millionen Euro.

Das erschien Gerhard Krogoll (CSU), selbst Architekt in Neuhaus, sehr hoch, im Vergleich zur Baukonstruktion. Vor allem aber stellte er in Frage, ob sich „die Gemeinde so ein Riesending leisten kann“. Er plädierte für eine Verkleinerung. Auch Florian Guggenbichler (Die Schlierseer) missfielen die Kosten – für den Bau, aber auch die bisher nicht kalkulierten oder nicht genannten Kosten für den laufenden Unterhalt sowie für eine in zehn oder mehr Jahren anstehende Sanierung.

Die Größe der Halle ist dem 20 Meter mal 40 Meter großen Spielfeld geschuldet, das es für Fußball oder Handball braucht. Die Halle soll bekanntlich auch für den Breitensport genutzt werden. So sind auch Zuschüsse vom Bayerischen Landessportverband möglich. Um wie viel billiger eine kleinere Halle wäre, darüber gingen die Meinungen auseinander.

Klar ist aber: Bohrt die Gemeinde die Planung wieder auf, kann sie sich auch von einem Baubeginn 2020 verabschieden. Derweil könnten die Preise in der Baubranche weiter steigen, und am Ende „kostet es uns genauso viel wie die große Halle“, befürchtete Jürgen Höltschl (CSU).

Gerhard Waas (Grüne) wies noch auf etwas anderes hin: „Die Situation, die wir jetzt haben, ist rechtswidrig. Irgendwann nehmen sie uns die Schule weg.“ Aktuell verfügt die Grund- und Mittelschule (14 Klassen) nur über eine kleine Einfachturnhalle auf dem Schulgelände. Die Kinder und Jugendlichen werden deshalb auch nach Schliersee gefahren. Die dortige Einfachturnhalle wird allerdings auch als Mehrzweckraum des Kindergartens Kleine Heimat gebraucht, was allein schon Koordinierungsaufwand mit sich bringt.

Lesen Sie auch: Sporthalle Neuhaus: Gericht bestätigt Baugenehmigung

Letztlich stimmte der Gemeinderat aber bei nur zwei Gegenstimmen für ein Festhalten an der Planung für die große Halle. Michael Dürr (PWG), der sich um das Bürgermeisteramt bewerben möchte, hatte kurz vor der Abstimmung den Saal verlassen und kehrte Sekunden nach dem Votum wieder zurück. Zuvor hatte er wie schon so oft moniert, dass die Unterlagen – in diesem Fall die detaillierte Kostenaufstellung für Technische Anlagen – erst bei der Sitzung zur Verfügung standen und nicht schon zuvor.

Schliersee, das galt schon für die Kostenberechnung aus dem Jahr 2015, kann die Kosten für den Hallenbau nur über eine Schuldenaufnahme stemmen. „Aber da kann ich dahinter stehen“, sagte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer, der sich entschieden für die große Lösung aussprach. Die Halle sei „eine dringend notwendige Investition in die Infrastruktur“. Ferner führte der Rathauschef die steigenden Kinderzahlen an. „Wir müssen diesen Schritt jetzt machen. Alle Beschlüsse sind da.“

Ein Blick ins Archiv: Vor fünf Jahren wurde diskutiert:Wie groß soll die Halle werden

Weil das Bauwerk mehr als fünf Millionen Euro kosten wird, muss die Gemeinde das Projekt europaweit ausschreiben, wie Geschäftsleiter Jörn Alkofer erklärte: „Ich befürchte, dass dies den einen oder anderen abschreckt.“ Denn wer Aufträge haben möchte, muss viel bürokratischen Aufwand betreiben. Das sparen sich viele Firmen, zumal sie ohnehin ausgelastet sind. Diese Erfahrung hat zuletzt Holzkirchen gemacht, das für den Bau einer Kita keine verwertbaren Angebote bekam.

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