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Hier steckt Ortsgeschichte drin: Die neuen Tafeln an 18 Straßenschildern in Schliersee – hier die an der Lautererstraße – verraten Smartphone-Nutzern, nach wem die Verkehrswege benannt sind.

Projekt der Schlierseer Gäste-Info

Straßennamen erwachen zum Leben

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Perfall, Lauterer, Dekan Maier, Hofrat Dietzel – ihre Namen kennt in Schliersee nahezu jeder. Doch wer waren die Menschen, nach denen in der Gemeinde Straßen benannt sind? Ein neues Projekt der Gäste-Info verspricht Aufklärung.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war der Schliersberg ein beliebtes Ausflugsziel. Einer der ersten Stammgäste der 1903 durch den Miesbacher Kommerzienrat Carl Fohr erbauten Alm war ein Geistlicher: Dekan Dominikus Maier. Fast täglich wanderte Maier, der von 1883 bis 1916 Pfarrer in Schliersee und zudem Dekan des Kapitels Miesbach war, auf den schönen Aussichtsberg. Heute tun es ihm unzählige Einheimische und Gäste gleich. Die Geschichte des Geistlichen kennen nur die wenigsten – obwohl der Name der Straße hoch zur Alm an ihn erinnert: der Dekan-Maier-Weg.

Anekdoten wie diese gibt es zuhauf in Schliersee. Sie verstecken sich eben nicht nur in der Chronik, sondern auch in den Namen vieler Straßen im Ort. Um zu erfahren, auf welche bekannten Personen diese zurückgehen, brauchen die Schlierseer nun nicht mehr in einem Buch blättern. Sie können einfach ihr Smartphone zücken und den QR-Code auf der kleinen, blauen Tafel am Schildermast vor die Kamera halten. Und schon öffnet sich eine Internetseite mit allen wichtigen Informationen über den prominenten Namensgeber des jeweiligen Verkehrswegs.

An 18 Straßenschildern in Schliersee hat die Gäste-Information die QR-Codes angeschraubt. Für deren Leiter Mathias Schrön ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung in Schliersee. Mit dem Ziel, die Schlierseer Geschichte leichter erlebbar zu machen. „Wir haben uns überlegt, wie wir unsere Berühmtheiten auf moderne Art und Weise würdigen können“, erklärt Schrön. Eine Ausweitung der QR-Codes auf Häusernamen sei denkbar. Erste Gespräche mit dem Schliersee Touristikverein hätten bereits stattgefunden.

Schon bei der Recherche der einzelnen Beiträge zu den Straßennamen haben auch die Initiatoren selbst einiges gelernt, berichtet Gemeindegeschäftsleiter Jörn Alkofer: „Wir wussten oft selbst nicht, was die Leute im Ort alles bewirkt haben.“

Zu den bekannteren Personen dürften noch Xaver Terofal und Konrad Dreher gehören, die 1892 das Bauerntheater gründeten. Auch der Münchner Kaufmann Max Lauterer, der 1890 mit seinem Geld den Bau des Schulhauses an der heute nach ihm benannten Lautererstraße möglich machte, ist vielen Schlierseern ein Begriff.

Anders sieht das schon bei Maximilian Schmidt aus. Der königliche Hofrat war ein durchaus gefragter Volksdichter und Schriftsteller aus dem Bayerwald – daher der Spitzname „Waldschmidt“. Obwohl er nur kurze Zeit in Neuhaus lebte, wurde zu seinem 80. Geburtstag eine Straße auf den „Waldschmidt“ getauft. Ein anderer berühmter Schriftsteller ließ sich 1889 in einer Villa auf dem Areal der heutigen Vitalwelt wieder: Anton Freiherr von Perfall. Sein Anwesen steht längst nicht mehr, dafür erinnert die Perfallstraße an ihn.

Auch die Namen musikalischer Größen finden sich im Schlierseer Ortsplan. Carl Schwarz etwa, der das unvergessene „Schlierseer Lied“ geschrieben hatte, oder Werner Bochmann, der als Komponist von Filmmusik 50 Jahre lang in der Gemeinde lebte.

Eine Größe aus der wirtschaftlichen Entwicklung Schliersees ist hingegen Hofrat Georg Dietzel. Der Besitzer der Mühle am Waxenstein und der ehemaligen Glashütte holte die Lack- und Farbenfabrik Warnecke & Böhm (heute WB Coatings) 1949 teilweise und 1955 dann komplett in die Gemeinde. Die ihm gewidmete Straße ist übrigens ein echtes Unikat: Es gibt sie in ganz Deutschland kein zweites Mal.

sg

Für die Verwendung

der QR-Codes wird ein Smartphone mit darauf installierten Barcode-Scanner benötigt. Wem das zu umständlich ist, der kann die Erklärungen auch zuhause auf dem Computer abrufen, und zwar unter qr.schliersee.de.

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