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So ein Plastik-Tablett kann ganz schön verletzen, wie im Dezember ein 22-jähriger Seeshaupter herausfinden musste.

28-jährige Studentin aus Irschenberg vor Gericht

Die Rache einer Spinnradl-Bedienung: Tablett ins Gesicht

Spitzingsee – Mit vollem Tablett ging eine Bedienung (28) in der Diskothek Spinnradl am Spitzingsee zu Boden. Beim Aufstehen zahlte sie es einem 22-Jährigen heim - und schlug ihm einen Zahn aus.

Es war eine falsche unüberlegte Handbewegung, die eine bis dato strafrechtlich unbescholtene 28-jährige Studentin aus Irschenberg ausrasten ließ: Die junge Frau soll im Dezember 2015 in der Diskothek Spinnradl am Spitzingsee – sie arbeitet dort nebenbei als Bedienung – einem 22 Jahre alten Seeshaupter ein Serviertablett so hart gegen den Mund geschlagen haben, dass dem jungen Mann ein Schneidezahn abbrach und seine Oberlippe aufplatzte. 

Sie war einfach wütend

Die 28-Jährige gab zu, das Hartplastik-Tablett absichtlich in Richtung des Seeshaupters geschwungen zu haben, verletzen wollen habe sie ihn aber keinesfalls. Vielmehr sei sie einfach wütend gewesen. Wütend, weil sie zuvor umgestoßen wurde, samt einem mit gefüllten Gläsern vollbestückten Tablett.

Der Stoß kam von einem Herren-Quartett 

Den Stoß, der sie zu Fall brachte, soll sie nach eigenen Angaben aus einem Quartett junger Herren erhalten haben, dem auch der 22-Jährige aus Seeshaupt angehörte. „Ich wollte einfach nur durchgehen, aber sie haben mich nicht gelassen und mich ignoriert“, schilderte die Irschenbergerin vor Gericht. „Stattdessen haben sie an einem Durchgang weitergetanzt und ich kam nicht durch, um die Getränke an einen Tisch zu bringen.“ Dann kam der „unabsichtliche Stoß von mir“, wie der Seeshaupter angab – die junge Frau landete auf dem Boden, um sie herum die verschütteten Getränke und Glasscherben. 

Keiner half ihr auf

Keiner der vier jungen Männer half ihr auf, geschweige denn fragte nach, wie es ihr gehe. Als sich die Angeklagte wieder aufrappelte, nahm sie das leere Tablett und schleuderte es im Aufstehen mit einer Hand in die fröhlich weitertanzende Gruppe hinein – und ging weiter.

„Kurz darauf kam eine Kollegin zu mir und meinte, ich hätte jemandem einen Zahn ausgeschlagen“, erklärte die 28-Jährige. Sofort ging die Bedienung mit ihrer Kollegin zum Opfer und wollte die Angelegenheit mit ihm klären. Dennoch rief einer der Freunde des Verletzten die Polizei, die auch nicht lange auf sich warten ließ. Das Erscheinen der Beamten brachte das Strafverfahren ins Rollen. Gegen die Geldstrafe legte die 28-Jährige Widerspruch ein, weshalb es nun zur öffentlichen Verhandlung am Amtsgericht Miesbach kam.

"Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung liegt vor"

Wolfgang Borzaga, Verteidiger der Irschenbergerin, fragte bei Amtsrichter Walter Leitner an, ob das Verfahren nicht eingestellt werden könne, „da die Sache nicht von meiner Mandantin ausging, die beiden sich zudem eigentlich geeinigt haben und meine Mandantin beim Aufprall auf den Boden Schmerzen am Rücken davontrug“. Leitner blickte zum Staatsanwalt. Dessen Antwort: ein Kopfschütteln. „Der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung liegt vor, weshalb wir die Sache auch nicht einstellen können.“ 

Da es sich eben um gefährliche Körperverletzung handelt, sei die Mindeststrafe eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen, so die Staatsanwaltschaft. Da der Schlag auch erhebliche Verletzungen nach sich zog „und mit enormer Wucht gekommen sein muss“, meinte der Staatsanwalt, seien seiner Meinung nach 90 Tagessätze à 40 Euro angemessen. 

Verteidiger fordert Freispruch

Borzaga hingegen forderte Freispruch: „Es war einfach eine unglückliche Geschichte, und beide haben sich bei der Aktion verletzt.“ Nach der Forderung Borzagas wandte sich Leitner noch vor einer Urteilsverkündung direkt an die Angeklagte: „Sie würden hier heute von mir verurteilt werden. Überlegen Sie sich das noch einmal, ob Sie den Einspruch nicht doch zurücknehmen wollen.“

Nach einer kurzen Besprechung zwischen dem Rechtsanwalt und seiner Mandantin folgte dann auch die Entscheidung der Irschenbergerin, und sie nahm den Einspruch doch zurück. Bei den wie im Strafbefehl angesetzten 90 Tagessätzen bleibt es, die zu entrichtende Tagessatzhöhe soll aber neu berechnet werden und niedriger ausfallen als die vom Staatsanwalt geforderte.

Philip Hamm

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