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Nicht nur bei Wanderern beliebt: Das Rotwandgebiet ist auch für seltene Pflanzen und Tiere ein wichtiger Lebensraum. Seit beinahe 50 Jahren fordern Experten deshalb die Ausweisung eines Naturschutzgebiets.

Forderung gibt es seit fast 50 Jahren, die Umsetzung scheiterte immer wieder

Rotwand als Naturschutzgebiet? Politisch nicht durchsetzbar

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Spitzingsee - Die Rotwand als Naturschutzgebiet: Diese Forderung der Bayern-SPD klingt revolutionär. Dabei ist sie weder neu, noch politisch durchsetzbar, wie ein Blick in die Geschichte zeigt.

Schon der Name lässt vermuten, dass die Rotwand ein besonderer Berg ist. Tatsächlich sind am oberen Stock des mit 1884 Metern höchsten Bergs im Landkreis Miesbach die sogenannten Liaskieselkalke zu finden. Eine rötliche Gesteinsart, die beim Verwittern einen eher sauren Boden hinterlässt. Und damit Pflanzenarten begünstigt, die sonst nur in den Zentralalpen gedeihen. Weil sich auch Steinadler und Raufußhühner an der Rotwand wohlfühlen, steht für Klaus Lintzmeyer aus Irschenberg fest: „Die Kombination ist einmalig im Bayerischen Alpenraum und deshalb besonders schützenswert.“ In einem Artikel für das Jahrbuch 1997 des Vereins zum Schutz der Bergwelt bezeichnen der Schriftführer und seine Frau Anneliese das Rotwandgebiet deshalb als ein „botanisch-geologisches Schmankerl“.

Mit dieser Ansicht sind die Lintzmeyers nicht allein. Auch die Bayern-SPD sieht den Schutzstatus der Rotwand und hat nun in ihrem Papier „Zukunft Alpen“ sogar die Ausweisung eines Naturschutzgebietes gefordert (wir berichteten). „Das ist natürlich begrüßenswert“, sagt Klaus Lintzmeyer. Politisch umzusetzen sei die naturschutzfachliche Vorgabe wohl nur schwer. Zu viele Vorstöße hat er in den vergangenen Jahrzehnten erlebt. Alle verliefen im Sande. Heute ist Miesbach der einzige bayerische Alpenlandkreis ohne ein Naturschutzgebiet. „Einfach nur traurig“, sagt Lintzmeyer.

Die Geschichte gibt ihm recht. Bereits 1969 hat die Regierung von Oberbayern das Landratsamt Miesbach angewiesen, die Vorarbeiten zur Erklärung des Rotwandgebiets zum Naturschutzgebiet aufzunehmen. In der Alpinen Biotopkartierung der Staatsregierung wird seit Mitte der 1970er-Jahre ebenfalls die Ausweisung eines Naturschutzgebietes vorgeschlagen. „Fachlich gut begründet“, betont Lintzmeyer. Und auch im zuletzt 2005 aktualisierten und vom Kreistag einstimmig beschlossenen Arten- und Biotopschutzprogramm wird das Gebiet Rotwand und Seeberg als „vorrangig naturschutzrechtlich zu sichern“ bezeichnet. Passiert ist seither trotzdem nichts.

Schutzlos ist die Rotwand deshalb aber nicht. So gilt das Gebiet gemäß des von der EU-Kommission initiierten Natura 2000-Programms sowohl als Flora-Fauna-Habitat- als auch als Vogelschutzgebiet. Die Umsetzung der Erhaltungsziele ist jedoch Sache der örtlichen Behörden. Wie das im Landkreis in der Praxis abläuft, will Lintzmeyer nicht kommentieren. Er sagt nur so viel: „Es hakt.“

Als allenfalls schwachen Trost sieht Lintzmeyer die Ausweisung des Landschaftsschutzggebiets Rotwand im Jahr 1987 unter dem damaligen Landrat Wolfgang Gröbl. Damit sei der politische Druck für ein Naturschutzgebiet vom Kessel genommen worden. Das sei vor allem deshalb bedauernswert, weil Herausnahmen aus dem Landschaftsschutzgebiet – im Gegensatz zur Rücknahme eines Naturschutzgebiets – per Kreistagsbeschluss und damit einfacher möglich sind.

Ein Punkt, den auch der Bund Naturschutz bemängelt. „Ein Naturschutzgebiet wäre stärker“, sagt Kreisgruppenvorsitzender Manfred Burger. Auch er ist skeptisch in Bezug auf die Umsetzungschancen, will den Schwung durch den SPD-Vorstoß aber nutzen. Zudem werde die Kreisgruppe weitere mögliche Naturschutzgebiete im Landkreis prüfen. „Wir sind da leider ein weißer Fleck auf der Landkarte“, sagt Burger.

Diesen Makel endlich auszumerzen, treibt Lintzmeyer seit Jahrzehnten an. Trotz der Enttäuschung über die Vergangenheit lässt er nicht locker: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“ Die einzigartige Rotwand ist es ihm wert.

Landratsamt fürchtet Widerspruch der Landwirte

Das Verfahren über die Ausweisung eines Naturschutzgebiets führt die Regierung von Oberbayern. „Den Antrag kann im Prinzip jeder stellen“ ,erklärt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Ein einzelner Bürger, ein Verein, oder auch das Landratsamt. Dass die Behörde diesen Weg für das Rotwandgebiet gehe, sei allerdings nur bei einem Konsens zwischen Gemeinde, Grundeigentümern und Nutzern denkbar. All diese Gruppen würden im Zuge der Auslegung angehört. „Es ist anzunehmen“, so Nemitz, „dass besonders von Seiten der Landwirte Widerspruch geäußert würde.“ Der Vorteil des bestehenden Landschaftsschutzgebiets sei, dass die lokale Zuständigkeit erhalten bleibe – auch bei Herausnahmen. Die Rücknahme eines Naturschutzgebiets sei hingegen nur durch die Regierung möglich.

sg

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