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Rotwandgebiet nun Wildschutzzone

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Von: Bettina Stuhlweißenburg

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Bedroht: Ein Birkhuhn im Rotwandgebiet. Es zählt zu den Raufußhühnern und darf während der Winterruhe, Balz, Brut und Aufzucht nicht gestört werden.
Bedroht: Ein Birkhuhn im Rotwandgebiet. Es zählt zu den Raufußhühnern und darf während der Winterruhe, Balz, Brut und Aufzucht nicht gestört werden. © Florian Bossert

Jetzt ist es amtlich: In einigen Gebieten der Rotwand gilt ab Dezember ein Betretungsverbot. Das Landratsamt will damit Raufußhühner vor dem Aussterben bewahren. Der Deutsche Alpenverein begrüßt die Maßnahme.

Fischbachau/Schliersee/Bayrischzell – Es hat sich seit Monaten abgezeichnet – jetzt ist es beschlossene Sache: Eine circa 320 Hektar große, nicht zusammenhängende Fläche auf Fischbachauer, Schlierseer und Bayrischzeller Flur ist Wildschutzzone. Wie berichtet, wollen die Untere Naturschutz- sowie die Untere Jagdbehörde im Landratsamt damit Birk- und Auerhühnern einen Lebensraum sichern – die Tiere sind vom Aussterben bedroht.

Betretungsverbot

Die Ausweisung der Zone in den Bereichen Lempersberg, Benzingspitz, Wildes Fräulein/Jägerkamp und Maroldschneid bedeutet, dass von 1. Dezember bis 14. Juli ein Betretungsverbot herrscht. „Wir haben das Schutzgebiet so gelegt, dass es möglichst wenig Beeinträchtigungen gibt“, sagt Florian Bossert, Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge. Nur zwei Hauptwanderwege seien letztlich davon betroffen: Die Via Alpina südlich der Maroldschneid (Weg 642) sowie der Nordanstieg auf dem Weg 642 von der Jägerbauernalm zum Jägerkamp. Obendrein gibt es für die beiden Routen zeitweise Ausnahmen vom Betretungsverbot: Die Via Alpina dürfen Wanderer bereits ab 15. Juni nutzen, den Nordanstieg schon ab 31. März.

Alternativer Wanderweg

Um für die Zeit des Betretungsverbots Wanderern eine Alternative zu bieten, haben Forstbetrieb Schliersee sowie örtliche DAV-Sektionen einen neuen Wanderweg nördlich der Maroldschneid angelegt – die „neue Via Alpina“, wie Bossert sie nennt. Sie führt von der Auerspitz nach Nordosten über die Bergwachthütte unterhalb der Ruchenköpfe sowie die Soinalm über einen neu hergerichteten Jägersteig bis zum Wanderparkplatz Sillberghaus im Ursprungstal. Hier wurden Gefahrenstellen beseitigt, damit eine attraktive Route entsteht. Angeregt hatte das die Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS).

Ausgeschildert ist der neue Wanderweg noch nicht. Laut Bossert befinden sich die Schilder in der Druckerei. Pünktlich zu Beginn des Betretungsverbots sollen sie stehen. Genau wie die Schilder, die auf die Wildschutzzone hinweisen. Außerdem bekommen die insgesamt zwölf Parkplätze im Gebiet große Übersichtskarten, auf denen die Schutzzonen gut zu sehen sind. Erklärungen, warum die Maßnahme notwendig ist und wie es um die Raufußhühner steht, ergänzen die Karten. „Wir hoffen, die Menschen damit zu überzeugen, sich an das Betretungsverbot zu halten“, sagt Bossert. Winter- und Bergsportler sollen zudem gleich am Parkplatz wissen, wo es nicht weitergeht, damit sie nicht auf halber Strecke umkehren müssen, sondern gleich eine Alternative wählen können.

Kompromiss zwischen Artenschutz und Tourismus

Reicht die Wildschutzzone, um das Artensterben aufzuhalten? „Natürlich mussten wir in einem Gebiet, das derart intensiv für Freizeitzwecke genutzt wird, Kompromisse eingehen“, sagt Bossert. Deshalb seien auch zahlreiche Akteure – von der ATS, Bergwacht, Forstbetrieb Schliersee bis zum Alpenverein – in die Gespräche eingebunden gewesen. „Aus Raufußhuhn-Sicht stellt aber selbst ein Kompromiss eine deutliche Verbesserung dar.“ Bosserts Zählungen haben ergeben, dass derzeit etwa 25 Birkhühner in dem Areal leben – Platz wäre für 140 bis 150. „Denn der Lebensraum ist dank der sehr guten Zusammenarbeit mit den Almbauern und dem Forstbetrieb Schliersee in diesem Gebiet sehr gut für das Birkhuhn geeignet.“ Er will die Population nun beobachten. „Spannend ist vor allem, zu sehen, wie schnell sie sich erholt“, sagt Bossert. Er könne dazu noch keine Prognosen machen.

Wie berichtet, war das Areal bisher ein sogenanntes Waldwildschongebiet – es war den Winter- und Freizeitsportlern überlassen, ob sie das Gebiet zum Schutz der Hühner schonen oder nicht. „Leider haben die Zählungen der vergangenen zehn Jahre gezeigt, dass diese Regelung hier nicht funktioniert hat, weshalb strengere Vorgaben nötig sind“, sagt Bossert. Wer gegen das Betretungsverbot verstößt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro rechnen.

Deutscher Alpenverein befürwortet Maßnahme

Der Deutsche Alpenverein (DAV) begrüßt die Schutzzone. „Anders lässt sich der Naturschutz in dieser speziellen Region nicht mehr sicherstellen“, sagt Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung beim DAV. Normalerweise setze der DAV auf Freiwilligkeit. Im Bereich um den Spitzingsee sei jedoch der Freizeitdruck so groß geworden, dass die Entscheidung des Landratsamtes unvermeidbar gewesen sei, so Günther Manstorfer, Chef der DAV-Sektion München.

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