1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Schliersee

Runder Tisch Mountainbike: ATS setzt auf ausgewiesene Wege - Pilotprojekt angedacht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jonas Napiletzki

Kommentare

Im Waitzinger Keller traf sich der Runde Tisch – hier in Reihen bestuhlt – zum Austausch über die Ergebnisse der Steuerungsgruppe Mountainbike. Tim Coldewey (ATS) führte am Rednerpult durch die Veranstaltung.
Im Waitzinger Keller traf sich der Runde Tisch – hier in Reihen bestuhlt – zum Austausch über die Ergebnisse der Steuerungsgruppe Mountainbike. Tim Coldewey (ATS) führte am Rednerpult durch die Veranstaltung. © Thomas Plettenberg

Die ATS will Konflikte zwischen Mountainbikern und Grundbesitzern durch ausgewiesene Wege lösen. Überzeugt von der Umsetzung sind nicht alle - es soll ein Pilotprojekt her.

Landkreis – Was auch immer bei den Runden Tischen zum Thema Mountainbike herauskommt: ohne die Grundeigentümer wird’s nicht funktionieren. Bei der jüngsten Runde im Waitzinger Keller hat sich in dieser Sache herauskristallisiert: Die Einigung aller Interessensvertreter, wie sie von Tim Coldewey von der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) gewünscht ist, wird nicht einfach. Einzelne Tendenzen zur Konfliktlösung zwischen Sport und Natur waren trotzdem erkennbar.

Coldewey, Produktentwickler Mountainbike (MTB) beim Kommunalunternehmen ATS, erklärte, allein durch das Gelände im Landkreis sei die Region interessant für Mountainbiker. Und obwohl diese keinen Ärger suchten, würden sie – aus Unwissenheit oder mangels Alternativen – verbotene Strecken nutzen. „Unser Ziel ist es also, Angebote zu schaffen, die allen gerecht werden.“

Steuerungsgruppe hat Pläne erarbeitet

Mit ersten Planungen hat sich nach dem ersten Runden Tisch 2020 (wir berichteten) in den vergangenen zwei Jahren eine Steuerungsgruppe befasst. Die Vertreter aus Politik, Naturschutz, Forst, Sport, Tourismus und Grundbesitzern arbeiteten an vier Themenfeldern: Recht, Angebot und Lenkung, Sensibilisierung und Kommunikation sowie Kontrolle und Ahndung.

Beim Recht geht es der ATS darum, Grundbesitzern die Sorge vor Haftung bei Unfällen zu nehmen. Das könnten Gemeinden über die kommunale Haftpflichtversicherung dort realisieren, wo MTB-Wege durch sie ausgewiesen wurden. Die Pflege sollten Bauhöfe erledigen, erklärte Coldewey.

Angebote und Lenkung sollen durch die ausgewiesenen und ertüchtigten Wege funktionieren. Sensibilisierung und Kommunikation könne etwa über Kampagnen in Zeitungen oder in sozialen Medien erfolgen. Die Kontrolle und Ahndung übernähmen die beiden Ranger des Landkreises.

Skepsis gegenüber solch ausgewiesenen Wegen ließen unter anderem die Almbauern Georg von Preysing und Brigitta Regauer durchblicken. Preysing forderte ein Pilotprojekt in den Bayerischen Staatsforsten. Regauer nannte drei Gründe für eine mögliche Ablehnung der Grundeigentümer, die ihr aus der Landwirtschaft zugetragen wurden. Dabei gehe es um die Voraussetzung, dass bei der Kanalisierung auf einzelne Wege nicht alle Arbeit an den Landwirten hängen bleiben solle – etwa das Aufräumen von Müll und die Kontrolle der Gefahrenquellen. Ferner sollten keine „wilden Wege“ genutzt, sondern nur bestehende Wege genutzt werden. Auch müsse der Vorteil der Lenkung klar kommuniziert werden, um Landwirte zu überzeugen.

Unterschiedliche Fortschritte in Gemeinden - Grundbesitzer oft skeptisch

Christine Miller von der Tegernseer Tal Touristik, nannte am Beispiel des „BaySF Bike Trail“ in Kreuth auch Geld als Faktor. In Kreuth werde eine geringe Pacht an die Bayerischen Staatsforsten bezahlt. Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaum (CSU), ebenfalls zum Runden Tisch erschienen, erklärte auf Nachfrage, er könne sich eine Entschädigung für Landwirte vorstellen. Aber: „Nur, wenn es ein ganz besonderer, extra eingerichteter Trail ist.“ Im Falle ertüchtigter Forststraßen sehe er keine Entschädigungen.

Manfred Burger (Bund Naturschutz) fasste schließlich die gemeinsame Aufgabe zusammen: „Wir brauchen Platz für Mountainbiker.“ Jeder wolle an der Natur teilhaben, das Betretungsrecht habe aber Einschränkungen. Helfen könne die Lenkung.

Fortschritte darin verzeichnete die ATS in Gesprächen am Stocker und Schliersberg in Schliersee. In Hausham soll eine Alternative zum gesperrten Bergerlebnispfad im Sommer gefunden werden. In Fischbachau sei der Gemeinderat aufgeschlossen – zum Ortstermin kamen aber nicht alle. Ein solcher Termin steht auch in Bad Wiessee an. In Bayrischzell warte die ATS auf die Gemeinde, in Holzkirchen gebe es „Schwierigkeiten“ mit Grundbesitzern, schilderte Coldewey. Vorerst zurückgestellt hat die ATS den Raum Rottach-Egern: Hier gebe es „schon Wege“, wie Coldewey nach der Veranstaltung korrigiert, aber ebenfalls erhöhten Gesprächsbedarf mit Grundbesitzern.

Nun gilt es, weiter Gespräche zu führen. ATS-Vorstand Harald Gmeiner mahnte, nicht nur dagegen zu sein, sondern mitzumachen: „Wir brauchen Lösungen.“

Wienerwald lockt Mountainbiker mit Angeboten

Alex Arpaci von der Schneesturm GmbH hat für den Biosphärenpark Wienerwald an der Lenkung der Mountainbiker gearbeitet, die aus Österreichs Hauptstadt in die Natur drängten. Beim Runden Tisch in Miesbach stellte er das Konzept vor. Kern dessen ist das Aufteilen der Mountainbiker auf Single Trails, also nur für Radler nutzbare Wege, und Shared Trails, die sich Fußgänger und Mountainbiker teilen. Die Strecken wurden dafür teils mit Baggern an die Bedürfnisse der Sportler angepasst. Im Tal laden ein E-Bike-Verleih, eine Mountainbike-Schule und gastronomische Angebote zum Verweilen ein. Nur bei richtig guten Angeboten, erklärte Arpaci, würden diese auch angenommen.

Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebs Schliersee, ging das „deutlich zu weit“. Er schlug vor, Ansätze aus Wien herauszunehmen. Die Bayerischen Staatsforsten waren zuvor aufgefordert worden, ein Pilotprojekt zu ermöglichen.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen.

Auch interessant

Kommentare