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Entspannt, witzig, hochklassig: Martin Schmitt hatte das Publikum schnell auf seiner Seite.

Martin Schmitt begeistert im Bauerntheater

Saal nur zur Hälfte voll: Pianist hat trotzdem Spaß

Schliersee - Nur zur Hälfte besetzt waren die Ränge im Schlierseer Bauerntheater beim Auftritt des Pianisten Martin Schmitt. Der nahm's mit Humor - und riss sein Publikum trotzdem mit.

Wer sich einen gepflegten Musikkabarett-Abend gönnen wollte, war beim Auftritt von Martin Schmitt im Schlierseer Bauerntheater bestens aufgehoben. Aber wo war Schliersee? Die Ränge waren lediglich zur Hälfte besetzt, was aber der glänzenden Stimmung im Saal keinen Abbruch tat. „Schee, dass’ voi ist“, frotzelte der 48-Jährige zu Beginn und führte vor, wie man klatscht, damit es nach mehr klingt. Schmitt hatte mit seinem Charme und Humor das Publikum sofort auf seiner Seite und ließ es bis zum Schluss nicht mehr los.

Mit dem „St. Louis Blues“ zeigte er gleich am Anfang, wo klaviertechnisch der Hammer hängt, so atemberaubend und dennoch entspannt spielte er. Schon bei diesem ersten Stück klatschten die Zuhörer mit. Aber Schmitt ist auch ein Meister des humorvollen Wortes. Etwa, wenn er sich über die klassische bayerische Ehe auslässt, in der man „in Jahrzehnte langer Abneigung einander zugetan ist“. Oder wenn die Frau scharf differenziert: „Ich liebe ihn ja, i mog’n bloß ned!“ Funktioniert natürlich auch umgekehrt.

Der sympathische Künstler, der auch als seriöser Jazzpianist eine beeindruckende Vita vorweisen kann, mischte gekonnt und wohl dosiert reine Instrumentalstücke mit solchen, die von Wortbeiträgen durchsetzt waren, und mit Texten, bei denen das Publikum manchmal drauf und dran war, sich vor Lachen wegzuschmeißen. So verschonte er auch die neuen Bundesländer nicht, brillierte auf Sächsisch und erzählte von einem, der in Bayern bei einer Tankstelle vorfuhr und zwei neue Scheibenwischer für seinen Trabbi wollte. Die harte, aber herzliche bayerische Antwort lautete lapidar: „Ja, des is a fairer Tausch.“

Das Publikum genoss die mit Virtuosität und oft in wahnwitzigem Tempo vorgetragenen Jazz- und Boogie-Woogie-Standards genauso wie die Eigenkompositionen, von denen der ruhige Blues „Nimma dahoam“ mit seinem leichten Schwermut einen wohltuenden Gegenpol setzte zu den sonst meist heiter stimmenden Liedern, Texten und Gags. Bei seinem Abstecher nach Österreich berichtete Schmitt von einem Wiener im Blumenladen: „Ich hätte gern einen Bund Gladiatoren.“ Darauf die Verkäuferin: „Das heißt Gladiolen. Was Sie meinen, sind Heizkörper.“

Mit seiner gewinnenden Art führte das Multitalent locker und mühelos durch einen entspannten Abend, glänzte mit seinem Können auf dem Flügel, aus dem er alles herausholte, und zündete ein Feuerwerk aus Witz und Humor, kam jedoch nie platt und billig rüber. Die Besucher ließen sich dankbar in das Geheimnis der „Call-and-response-Stücke“ einweihen, machten gerne und ausdauernd mit und strichen zufrieden das verdiente Lob des Meisters ein: „Mit eich ko ma guad arbad’n!“ Konkrete und durchaus nützliche Lebenshilfe gab Schmitt in „Aufbassn“, dem Titelsong des Programms: „Wenn du in da Steckdosn Plus und Minus zusammenpolst und auf der Autobahn an Geisterfahrer überholst – da gibt’s nur oans: Da muasd du aufbassn!“ Wieder was gelernt.

Die beiden Zugaben „Sex Bomb“ – hinreißend in breitem Sächsisch vorgetragen – und die Geschichte „Wuist mi pflanzen?“ bildeten einen Abschluss nach Maß und wären alleine schon das Eintrittsgeld wert gewesen.

Von Reinhold Schmid

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