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„Schlachtfest am Schliersee?“: Wildschützer klagen

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Eine Gämse im Gebirge.
Auf der Abschussliste stehen auch jünge Gämsen. © Privat

Der Verein „Wildes Bayern“ schießt mal wieder gegen die Bayerischen Staatsforsten Schliersee. Diesmal geht es um den Gamsabschuss. Womöglich wird der Vorstoß – einmal mehr – ins Leere laufen.

Schliersee – Inzwischen hat es fast etwas Rituelles: Der Verein „Wildes Bayern“ mit der Rottacherin Christine Miller an der Spitze, wettert gegen den Forstbetrieb Schliersee, wirft ihm Umweltfrevel vor. Bislang kam bei den Vorstößen wenig heraus. Wie es diesmal ausschaut, ist unklar. Der Verein klagt gegen den Abschussplan im Staatsjagdrevier Miesbach. Formal richtet sich die Klage gegen den Freistaat und als dessen Vertreter das Landratsamt Miesbach, angegriffen ist aber der Forstbetrieb Schliersee, der für heuer eine Erhöhung der Abschusszahl beim Gamswild auf 550 beantragt hatte. Grundlage wiederum ist das Forstliche Gutachten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das seinerseits einen zu hohen Verbiss festgestellt und zum Schutz des Bergwalds einen höheren Abschuss gefordert hatte.

Staatsforsten kontern: „Komplett irreführend“

Die Erhöhung geißelt der Verein „Wildes Bayern“ mit harschen Worten. Die entsprechende Pressemitteilung trägt den fragenden Titel „Schlachtfest am Schliersee?“, und die Rede ist von einem „Bermuda-Dreieck für Gämsen“. Der Verein operiert dabei mit Vergleichszahlen, die der Forstbetrieb als unrichtig zurückweist. So kommt „Wildes Bayern“ auf eine Erhöhung um 70 Stück, ausgehend von 479 im Plan stehenden Gämsen für 2021. Tatsächlich geschossen worden seien aber 494. Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter in Schliersee, stellt klar: Für das besagte Jahr war seitens der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Miesbach bereits ein Abschuss von 505 genehmigt. „Vor diesem Hintergrund jetzt von einem angeblichen ,Schlachtfest‘ zu sprechen, ist komplett irreführend und hat nichts mehr mit einer seriösen Diskussion zu tun“, so Meyer.

Abschussplan im Vergleich zum langjährigen Mittel tatsächlich erheblich nach oben gegangen

Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre habe der Abschuss jährlich 438 betragen. Von da bis zu den aktuell 550 ist es – so viel muss man den Beschwerdeführern zugestehen – ein gutes Stück hin. Welchen Anteil der Gamspopulation im Staatsjagdrevier das ausmacht, lässt sich Meyer zufolge nicht seriös sagen. Aber: Auch bei den Staatsforsten Schliersee gibt es ein Gams-Monitoring, bei dem jedes Jahr an den immer gleichen Stellen nach den Tieren Ausschau gehalten wird. Belastbar seien die Ergebnisse aber erst in ein paar Jahren. Die Erfahrungen der Jäger vor Ort ließen aber auf eine „stabile Population“ schließen, sagt der Forstbetriebsleiter. Zum gleichen (Zwischen)Ergebnis komme ein groß angelegtes Forschungsprojekt, das derzeit im Karwendel und im Chiemgau laufe. Von „zerrütteten und zerschossenen Gamsbeständen“, wie sie „Wildes Bayern“ erkannt haben will, könne keine Rede sein. „Der Verein disqualifiziert sich mit solchen Meldungen als ernst zu nehmender Gesprächspartner“, findet Meyer. „Wir glauben, dass wir bei der Jagdausübung ordnungsgemäß vorgehen.“ Das betrifft auch die Altersstruktur der erlegten Tiere. Während „Wildes Bayern“ kritisiert, die Staatsforsten würden zu viele jüngere Tiere schießen, versichert Meyer: „Wir halten uns an die Hegerichtlinien.“

Jörg Meyer, Leiter des Forstbetriebs Schliersee.
Jörg Meyer sieht sich immer wieder Attacken von „Wildes Bayern“ ausgesetzt. © Thomas Plettenberg

Die Klage des Vereins bewirkt erst einmal nichts. Das Landratsamt hat den Staatsforsten schriftlich beschieden, das sie keine „aufschiebende Wirkung“ habe. Heißt: Die Jäger können nach Plan vorgehen. Das Staatsjagdrevier Miesbach umfasst übrigens 25 000 Hektar (250 Quadratkilometer) im Süden des Landkreises Miesbach. Es ist jedoch keine komplett zusammenhängende Fläche, sondern ist durchsetzt mit Gemeinschaftsjagdrevieren. Und noch zum Vergleich: Der gesamte Landkreis hat 864 Quadratkilometer.

Klage liegt beim Verwaltungsgericht, Landratsamt sammelt Infos

So ist nun der Sachstand: Die Klage ist beim Verwaltungsgericht eingegangen, die Untere Naturschutzbehörde hat laut Landratsamt mehrere Gespräche mit allen Beteiligten geführt, Informationen zu den Maßnahmen eingeholt und eine Ortsbesichtigung durchgeführt. „Die Prüfung der Anzeigen ist weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen.“

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