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Neuer Aussichtsturm

Über den Wipfeln auf dem Schliersberg

Der Schliersberg soll für Besucher noch reizvoller werden. Eigentümer Ingo Bauer will einen Aussichtsturm bauen. 

Schliersee–  Die erste Million Euro ist in die Sanierung des Bestands geflossen, jetzt schickt sich die Schliersbergalm an, etwas Neues zu bieten: einen Aussichtsturm mit Waldlehrpfad. Im Bauausschuss kamen die Pläne gut an.

Die Neubau- und Erweiterungspläne für die Schliersbergalm stießen vor einigen Jahren auf heftigen Widerstand. Inhaber Ingo Bauer ließ sie daraufhin fallen und kümmerte sich um die Sanierung des Bestands. Das Schwimmbad – in Sachen Ausblick wohl das spektakulärste im Landkreis – wurde renoviert, die Außenanlagen auf Vordermann gebracht, in die Wärmedämmung investiert und weiteres mehr getan, um auf den Stand der Zeit zu kommen. Jetzt holt Bauer einen kleinen Teil der alten Pläne aus der Schublade. Einen 25 Meter hoher Aussichtsturm samt Waldlehrpfad möchte er errichten. Das Okay des Bauausschuss bekam er am Dienstagabend.

Mit dem Projekt wollen Bauer und sein Architekt Johannes Wegmann eine neue Attraktion für Touristen und Ausflügler schaffen – natürlich –, haben aber auch eine andere Zielgruppe im Blick: Schulklassen. „Schulausflüge sollen sich ja mehr am Lehrplan orientieren, und da sind Wald und Tiere ja stark vertreten“, sagt Bauer. Beim Lehrpfad sollen Kinder und Jugendliche schicht für schicht erfahren, was wo wächst und kreucht und fleucht – angefangen am Boden mit Moosen und Gräsern über Büsche und Sträucher bis hinauf zu Baumwipfeln – jeweils eben auch mit Blick auf die Tierwelt. Bezüglich der genauen Inhalte möchte sich Bauer mit Schulen und Vereinen zusammentun.

Lehrpfad und Aussichtsturm passen zum einen zu Schliersee als zertifizierte Jugenddestination (wir berichteten) und bedient auch die Zielgruppe Familien, die Bauer wichtig ist. Und das Projekt ergänze das Angebot auf dem Schliersberg, wie Bauer erklärt. Denn schon bei leichtem Regen müsse man die Rodelbahn und den Alpenroller schließen. Eine Schlechtwetter-Alternative also.

In Zahlen sieht das Projekt so auch. Der Turm soll als sechseckige Stahl-Holz-Konstruktion gebaut werden und zwei Plattformen zum Verweilen auf zehn und 20 Metern Höhe haben. Das Bauwerk ist von Bäumen umgeben, vom Tal aus soll lediglich die obere Plattform zu sehen sein. Von dieser aus bietet sich ein Blick, wie man ihn in Schliersee sonst kaum bekommt – schon gar nicht ohne sich körperlich abzumühen. Bis nach München soll er reichen, Sonnenauf- und -untergang dürften vom Turm aus beobachtet besonders reizvoll sein.

Letzterer Szenerie ist auch eine Beleuchtung geschuldet, die in den Plänen vorgesehen ist. Dies war der einzige Punkt, der im Bauausschuss eine gewisse Skepsis hervorrief. Gerhard Waas (Grüne), Förster, etwa sagte, dass von einer abendlichen oder nächtlichen Nutzung immer eine Negativ-Auswirkung auf die Tierwelt ausgehe, begrüßte das Projekt aber und wies darauf hin, dass der Staat ansehnliche Zuschüsse für Vorhaben wie diese gebe.

Robert Mödl (Die Schlierseer) wollte die Bedenken so nicht teilen, zumal das Lichtaufkommen im Vergleich zum Nachskifahren am Spitzing – die Beleuchtung erkennt man bei entsprechender Wetterlage in der Tat sogar von Hausham aus – lächerlich sei. Bauer bestätigt Mödls Vermutung, dass es nur darum gehe, nach erlebtem Sonnenuntergang sicher wieder hinabsteigen zu können. Entstehen soll der Turm oberhalb der Gebäude, so dass sich sich dem Gast eben ein 360-Grad-Blick bietet. Einzig ins Leitzachtal lässt nicht schauen, da ist der Rhonberg im Weg.

Da soll er hin, der Aussichtsturm. Es handelt sich um ein Plateau, an dem ehedem die Skiabfahrt begann.

Für den Turm gibt es übrigens ein historisches Vorbild. Bereits 1926 wurde eine erhöhte Plattform gebaut, da auf dem ehedem nur spärlich bewaldeten Weidehügel die Bäume in die Höhe wuchsen. Bis der neue Turm steht, wird es Bauers Schätzung zufolge wohl 2019 werden. „Wir stehen ja erst am Anfang. Es müssen noch viele Stellen gefragt werden.“ Immerhin berichtete Bauamtsleiterin Birgit Kienast im Ausschuss davon, dass das Landratsamt das Projekt als genehmigungsfähig betrachtet. Den Kostenrahmen schätzt Bauer grob auf 250 000 Euro. Er werde versuchen, Fördergelder über europäische Töpfe wie Leader oder Interreg zu kommen.

Daniel Krehl

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