Alpenverein mahnt zu höchster Vorsicht

Student (22) stirbt durch Blitzschlag an der Brecherspitz - wie es zu dem Unglück kam

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Die beiden Studenten aus dem Landkreis Starnberg freuen sich auf eine schöne Tour bei Traumwetter auf die Brecherspitz überm Schliersee. Dann verdunkelt sich der Himmel. Und das Undenkbare passiert.

Schliersee - Zwei junge Burschen wollten den freien Pfingstmontag nutzen, um die Brecherspitz im Mangfallgebirge zu besteigen. Von dem 1683 Meter hohen Berg bietet sich den Wanderern an wolkenfreien Tagen ein traumhafter Blick auf den Spitzingsee im Tal. 

Zu zweit hatten sich der 22-jährige Georg H. (Name geändert) und sein 23-jähriger Bekannter an den Anstieg gemacht. Georg H. stammt wie sein Begleiter aus dem Landkreis Starnberg, lebte aber mittlerweile in München, wo er auch studierte. 

Am frühen Nachmittag befanden sich die beiden Bergwanderer gerade im Bereich zwischen dem Westgipfel der Brecherspitz und der Freudenreichkapelle. Ein spitzer Grat führt dort zu dem kleinen Gotteshaus, das sehr exponiert mitten am Grat auf dem Fels thront. 

Vom Gewitter überrascht

Wenige Minuten vor der Kapelle wurden die beiden Wanderer von einem Gewitter überrascht. Doch auch wenn es schon leicht zu hageln begann, schätzten beide das Unwetter nicht als so gefährlich sein, dass sie Schutz gesucht hätten. Es habe ein bisschen gegrummelt, sagte der 23-Jährige später der Polizei, doch dass sich beide gerade in größter Gefahr befanden, habe er nicht erwartet. 

Als die jungen Männer gegen 14:45 Uhr an einer kleinen Baumgruppe vorbeigingen, schlug plötzlich der Blitz in eine der Fichten auf dem Grat ein. Georg H., der unmittelbar daneben stand, wurde durch die Überspannung so schwer getroffen, dass ihn auch spätere Reanimationsversuche nicht mehr retten konnten. 

Eine Gruppe von Wanderern, die sich in der Kapelle vor dem Hagel schützen wollte, eilte zu den beiden, doch auch die Helfer konnten nichts mehr tun. Der 23-jährige Begleiter setzte einen Notruf ab und wurde schließlich von Bergwacht und Polizei nach einem dreistündigen Einsatz in eine Klinik gebracht. Mittlerweile konnte er das Krankenhaus wieder verlassen.

Alpenverein mahnt bei Unwettern zu höchster Vorsicht

Während die körperlichen Wunden verheilen, so hat er doch seinen Freund für immer verloren. Es war nicht der einzige Vorfall mit einem Blitzeinschlag am Pfingstwochenende in den Alpen. Am Demmeljoch im Karwendelgebirge schlug ein Blitz in einen Unterstand ein und traf dabei auch eine junge Frau aus der Region. Ihr Arm fühlte sich nach dem Einschlag lahm an und am Oberschenkel bildete sich ein Ausschlag, aber sie konnte zunächst weiter absteigen. Dabei verletzte sie sich jedoch am Fuß und musste schließlich von der Bergwacht ins Tal gebracht werden. 

Zuletzt war im August vor zwei Jahren eine 48-jährige Frau im Allgäu vom Blitz erschlagen worden, nachdem sie während eines Gewitters unter einem Baum Schutz gesucht hatte. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein stand selbst schon am Berg, als sich die Wolken auftürmten und die Blitze zuckten. „Da regiert die Angst.“ Auch bei einem erfahrenen Wanderer wie ihm. 

Gewitter am Berg - so verhalten Sie sich richtig

Trotzdem müsse man in so einer Situation der Panik trotzen und sich an einige grundlegende Regeln halten: Grate, Gipfel und freie Flächen meiden. Klettersteige verlassen und Drahtseilsicherungen entfernen. Und keinesfalls unter einzelnen Bäumen oder kleinen Baumgruppen Schutz suchen. „Lieber eine Mulde oder Senke suchen“, rät der Experte. Auch der Rückzug in eine Höhle könne helfen, wenn genug Abstand zu den Seitenwänden gehalten wird. 

Kritische Situationen ließen sich aber oft schon im Vorfeld vermeiden. Durch eine vorausschauende Touren-Planung mithilfe regionaler Wettervorhersagen. Und durch aufmerksames Beobachten des Himmels. „Auch als Laie erkennt man, wenn sich die Wolken langsam auftürmen.“ Ein Alarmsignal, bei dem man lieber einmal zu viel umdrehen, oder das Gebiet weiträumig umgehen sollte, sagt Winter. Das gilt auch für die kommenden Ferientage. Denn noch immer ist viel Feuchtigkeit in die Atmosphäre verdampft, es drohen weitere Gewitter. Für Wanderer bedeutet das: Aufmerksam sein – und im Ernstfall besonnen bleiben.

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Rubriklistenbild: © dpa / A9999 Julian Stratenschulte

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