Die Insel Wörth im Schliersee
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Seewärme aus dem Schliersee wird es wohl erst einmal nicht geben. Die Idee von Bernd Mayer-Hubner hat sich zerschlagen. Anderes realisiert er trotzdem.

Möglichkeiten beschränkt

Schliersee: Arbeitskreis Energie wird nicht reaktiviert - Gemeinderat ist „nicht immer leicht zu begeistern“

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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Schon ewig nichts mehr vom Arbeitskreis Energie in Schliersee gehört? Kein Wunder. Das Gremium ist nach der Kommunalwahl nicht reaktiviert worden.

Schliersee – Bernd Mayer-Hubner war im Arbeitskreis Energie quasi der Visionär für Schliersee. Aber: Große Projekte klappen nicht immer. Der Arbeitskreis wurde nach Beginn der Amtsperiode des neuen Gemeinderats kurzerhand nicht reaktiviert. „Um Luft zu holen und neuen Anlauf zu nehmen“, sagt Mayer-Hubner, der dem Gremium als Vertreter der Grünen angehört.

Der im Jahr 2015 ins Leben gerufene Arbeitskreis sollte die großen energiepolitischen Fragen im kleinen für Schliersee beantworten, ist aber zunächst auf Eis gelegt und soll erst einmal „nicht reaktiviert werden“, wie Mayer-Hubner auf Nachfrage erklärt. Nicht aus den Augen verloren seien aber die Ideen, die aus dem Arbeitskreis hervorgegangen sind.

Liegenschaften der Gemeinde sollen energetisch besser werden - andere Ziele oft außer Reichweite

„Wir haben uns in der Amtsperiode intensiv mit den Möglichkeiten befasst“, sagt Mayer-Hubner. Das Ergebnis: „Die Möglichkeiten der Gemeinde, auf Energiesparpotenziale Einfluss zu nehmen, sind beschränkt.“

Bernd Mayer-Hubner vom Arbeitskreis Energie in Schliersee.

Bei den eigenen Liegenschaften könne Schliersee durchaus Hand anlegen – oder auch bei der Beleuchtung. Nicht aber bei Verkehrsthemen. „Das ist Kreissache.“ Erfolge verbucht Mayer-Hubner trotzdem: „Wir haben energetisch überfällige Sanierungen angestoßen – beispielsweise die des Feuerwehrhauses.“ Diese Thematik will Mayer-Hubner künftig auch ohne Weiterbestehen des Arbeitskreises begleiten. „Ich versuche, aus den Erkenntnissen zu lernen.“ Fotovoltaik, Sanierung, Einsparung – es gebe noch einige Häuser mit Potenzial. Aufmerksam gemacht hat darauf Andreas Scharli, Energiemanager bei der Energiewende Oberland.

Andere Steckenpferde des Gremiums – beispielsweise das E-Car-Sharing oder die Seewärme (wir berichteten), seien im Sand verlaufen. Mayer-Hubner erklärt: „Das Car-Sharing war nicht förderfähig, weshalb sich diese Idee zerschlagen hat.“ In Sachen Seewärme hatte Mayer-Hubner nach Beratungen von außen den Plan, direkt angrenzende Häuser ans seebegleitende Grundwasser anzuschließen, um Wärme zu gewinnen. Hier machte die Geografie einen Strich durch die Rechnung: „Im Seeboden steckt überwiegend Tonerde.“ Die würde den See freilich abdichten – aber gleichzeitig auch den Grundwasseraustausch verhindern.

Idee der Seewärme hat sich zerschlagen - Gemeinderat „nicht immer leicht zu begeistern“

Ausgerechnet dort, wo Kiesboden zu finden ist, steht kein Haus. „Das ist mehr in Richtung Fußballplatz – wo es keine direkten Anwohner gibt.“ Das direkte Nutzen des Seewassers sei ihm zu heikel gewesen. „Hier handelt man sich Ärger mit Umweltschützern und Fischern ein.“ Muscheln kämen anderswo – etwa beim Vorbild in Prien am Chiemsee – erschwerend hinzu. „Es war nicht so einfach, wie ich mir die Idee anfangs vorgestellt habe“, sagt Mayer-Hubner.

Deshalb wolle er nun wieder auf handfestere Dinge setzen – wie die Vorschläge der Energiewende. „Die werden in Form gebracht und hoffentlich umgesetzt.“ Hatte man von außen oft den Eindruck, das Rathaus stünde den Ideen des Arbeitskreises eher indifferent gegenüber, so räumt Mayer-Hubner zumindest ein, dass der Gemeinderat in Sachen Energie „nicht immer leicht zu begeistern“ sei. Er will es trotzdem weiter versuchen.

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