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So nicht genehmigt: Dieses Wohnhaus am Dekan-Maier-Weg ist eines von mehreren Beispielen dafür, wie sich Bauherrn über den Willen der Kommunalpolitik hinwegsetzen. 

Gebäude am Schliersberg

Schliersee: Bauausschuss fühlt sich verschaukelt

Immer wieder bekommen Gemeinderäte Kritik zu hören wegen monströser Gebäude am Schliersberg. Ein Ärgernis, denn sie haben dem, was zu sehen ist, so nie zugestimmt. 

Schliersee – So ein Spaziergang am Schliersberg ist für viele Einheimische sicher beruhigend fürs Gemüt. Den Mitgliedern des örtlichen Bauausschusses ging es zuletzt völlig anders. Wutschnaubend und schwer geladen kamen sie von einem Ortstermin am Dekan-Maier-Weg zurück. Der Grund: Wieder einmal hatte jemand völlig anders gebaut, als es in den Eingabeplänen steht. Und das in einem Ausmaß, das eigentlich nur einen Schluss zulässt: Es war Vorsatz. Und: kein Einzelfall.

Wolfgang Schauer (Ausschussgemeinschaft) zählte auf: Fenster übers Eck mit verschiebbaren Fensterläden, sichtbare Kellerfenster, der Balkon ohne Brüstung, eine Wandfläche von geschätzt acht bis neun Metern ohne Unterbrechung – alles planabweichend gebaut. Es ist tatsächlich ein ziemlicher Koloss, der da am Ortsrand entstanden ist. Genau das hatte der Bauausschuss verhindern wollen. Für das Gelände waren in den vergangenen Jahren nach Eigentümerwechseln immer wieder geänderte Pläne eingegangen, der Ausschuss sah sich die Sache vor Ort an und hat sich seine Entscheidungen bestimmt nicht leicht gemacht. „Wir haben mehrmals intensiv mit dem Eigentümer diskutiert“, erinnerte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU), der bei der jüngsten Begehung selbst nicht dabei war, aber das Haus kennt. Bauamtsleiterin Birgit Kienast fügte hinzu, dass der Balkon am falschen Stockwerk – im Erdgeschoss – angebracht ist. Dies und der freiliegende Keller, der so nicht geplant war, lassen das Haus mit darunter liegender Garage eigentümlich proportioniert wirken. Der frühere Kreisbaumeister Werner Pawlovsky hätte womöglich gesagt, das Haus stehe wie mit runtergelassener Hose da.

„Wir versuchen unser Bestes, und dann kommt sowas raus“, sagte Schnitzenbaumer kopfschüttelnd im Ausschuss. Johanna Wunderle (CSU) forderte: „Da müssen wir die Bauaufsicht einschalten.“

Das passiert jetzt auch. Doch der Ausgang ist offen. Schnitzenbaumer glaubt nicht, dass an der planabweichenden Fassade noch viel geändert wird. Meist wäre ein Umbau eine unzumutbare wirtschaftliche Belastung. Mit dem sichtbaren Kellergeschoss könnte das anders sein, weil die Abweichung vom Plan da krasser ist. Im Plan ist hier Gelände dargestellt; das könnte man modellieren und mit der optischen Zweiteilung dem Ensemble die Wucht nehmen. Das Landratsamt könnte als zuständige Genehmigungsbehörde einen entsprechenden Bescheid erlassen. Den wiederum kann der Bauherr beklagen. Unabhängig davon steht es der Kreisbehörde frei, ein Bußgeld verhängen – durchaus auch fünfstellig.

Es lässt sich zwar nicht beweisen, aber bei der Kommunalpolitik kommt der Verdacht auf, dass solche Bußgelder bewusst in Kauf genommen werden. Im Vergleich zu den Baukosten – am Berg inklusive Felsarbeiten wird das schnell richtig teuer – fällt das gar kaum noch ins Gewicht. Dafür hat man sein Wunschhäusl dastehen – und die örtliche Gestaltungssatzung erfolgreich umgangen.

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Für die Gemeinderäte ist ein solches Vorgehen – Gerhard Krogoll nannte es in einem anderen Fall „pure Verarsche“ – doppelt lästig. Zum einen wird ihr Wille, das Ortsbild zu erhalten, umgangen. „Und wir müssen uns dann auch noch blöd anreden lassen“, zürnte Schauer in der Sitzung.

Das beschriebene Vorhaben ist dabei nur beispielgebend. Allein am Dekan-Maier-Weg finden sich zwei ziemlich identische Fälle: Gelände im Plan dargestellt, dann aber nicht vorhanden. Mit dem dann freiliegenden Geschoss lässt sich natürlich mehr anfangen als mit einem reinen Keller. Im einen Fall wendet sich Schliersee jetzt ebenfalls an die Bauaufsicht am Landratsamt, bei einem weiteren ist das Verfahren laut Schnitzenbaumer schon zwei Schritte weiter. Der Bauherr hat gegen einen entsprechenden Bescheid Widerspruch eingelegt. Der Fall landet vor dem Verwaltungsgericht.

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