Schliersee: Chaos wegen Ausflüglern: Ort will gegen dreiste Falschparker vorgehen - Camper in der Kritik
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Könnte bald gebührenpflichtig werden: der gerade bei Strandbad-Besuchern beliebte Parkplatz in Unterleiten.

“Nur so lernen die Leute, dass...“

Ausflügler-Chaos: Ort will nun gegen dreiste Falschparker vorgehen - auch Camper in der Kritik

  • Sebastian Grauvogl
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Falschparker sorgen in Schliersee f��r Ärger: Meist handelt es sich dabei um Ausflügler, die keinen Parkplatz finden. Die Gemeinde will neue Wege gehen, um abzuschrecken.

  • In Schliersee häufen sich Fälle von dreisten Falschparkern.
  • Die Gemeinde will nun neue Wege gehen. 
  • Auch Wohnmobile sorgen für Ärger.

Schliersee – Ein sonniges Wochenende ohne Massen an Falschparkern? Normalerweise undenkbar in Fischhausen. Kürzlich ist dieser scheinbar paradiesische Zustand tatsächlich einmal Realität geworden. Nach Einführung des neuen Bußgeldkatalogs habe man die Parküberwachung in Schliersee mit verstärkten Kontrollen beauftragt, berichtete Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) nun im Hauptverwaltungs-  und Werkausschuss. 55 Euro seien etwa bei einem Verstoß gegen das Parkverbot auf dem Fußweg an der B307 fällig geworden. „Das hat die Leute dann doch abgeschreckt“, berichtete Schnitzenbaumer. Umso bedauernswerter sei, dass die neuen Regeln wegen rechtlicher Unsicherheit nun wieder ausgesetzt worden seien. „20 Euro Bußgeld interessieren leider niemanden mehr.“

Schliersee: Tagesausflügler sorgen für volle Parkplätze - Gemeinde berät über Lösungen

Stimmt, meinte Christoph Stöger (Die Schlierseer). „Die Leute kalkulieren das heute einfach ein.“ Und irgendwie, meinte der Juniorchef des Schnapperwirt in Fischhausen, könne er das sogar verstehen. Die Tagesausflügler seien einfach verzweifelt, wenn sie nach zwei Stunden immer noch keinen Parkplatz gefunden hätten.

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Tolerieren könne man das nicht, mahnte Karl Hiermeyer (PWG). So seien am vergangenen Wochenende rund 40 Autos auf dem Fußweg gegenüber des (vollen) Parkplatzes an der B 307 in Fischhausen gestanden. Mit großen Gefahren für Kinder, die hier die Straße überqueren möchten. „Da hat es schon mal einen tödlichen Unfall gegeben“, erinnerte Hiermeyer. Ohne mehr Kontrollen und höhere Strafen sah er nur noch eine Option: „Wir werden nicht ums Abschleppen herumkommen.“

Um den Parkdruck zumindest an Sonntagen zu entzerren, schlug Hiermeyer vor, mit den Discountern über eine Freigabe ihrer außerhalb der Öffnungszeiten brach liegenden Stellplätzen zu verhandeln. Mit Shuttlebussen könnte man auch etwas weiter abseits liegende Parkflächen anbinden.

Ausflügler-Chaos: Ort will gegen dreiste Falschparker vorgehen - „Nur so lernen die Leute...“

Schnitzenbaumer warnte davor, neue Areale auszuweisen. „Wenn wir Platz für 100 weitere Autos schaffen, kommen 500 zusätzlich zu uns.“ Die Rathausverwaltung empfehle vielmehr, auf bereits bestehenden, bislang aber noch nicht bewirtschafteten Parkplätzen künftig auch Gebühren zu verlangen. Aktuell würden die elf Automaten in der Gemeinde rund 100 000 Euro pro Jahr einspielen. Als weitere Standorte schlug Schnitzenbaumer den Waldfestplatz, den Fischerparkplatz an der Schlierach und die Carl-Schwarz-Straße vor. Sogar zwei Automaten sollen in Unterleiten aufgestellt werden. Wegen der Investitionssumme von 20 000 Euro könne der Ausschuss nur eine Empfehlungsbeschluss an den Gemeinderat fällen.

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Dies taten die Mitglieder letztlich mit großer Mehrheit. Nur Babette Wehrmann (Grüne) verweigerte die Zustimmung. Dies habe aber nichts mit der Ausweitung der Gebührenpflicht zu tun, sondern mit der von der Verwaltung ebenfalls vorgeschlagenen Ausweisung von Wohnmobilstellplätzen im Ort. „Damit locken wir nur weitere Camper an und erhöhen die Problematik“, begründete Wehrmann ihr Nein.

Da auch andere Ausschussmitglieder ihre Bedenken in Bezug auf die Wohnmobile angemeldet hatten, versprach Schnitzenbaumer, das Konzept nochmals zu überdenken und dann im Gemeinderat zu diskutieren. Keinen Einfluss habe man auf die weiteren Entscheidungen um den neuen Bußgeldkatalog. Der Bürgermeister machte aber klar, dass er auf die dauerhafte Einführung teurerer Knöllchen hofft. Der Gemeinde gehe es dabei nicht ums Geldverdienen, aber: „Nur so lernen die Leute, dass man nicht auf Geh- oder Rettungswegen parkt.“

Schliersee: Ausflügler verursachen Parkchaos - Auch Wohnmobile sorgen für Ärger

Nicht nur Wildparken, sondern auch Wildcampen wird zunehmend ein Problem in Schliersee. Einen besonders dreisten Fall schilderte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) im Hauptverwaltungs- und Werkausschuss. Er habe beobachtet wie ein Camper mit seinem Bus über die eigentlich für Autos gesperrte Straße am Westufer des Schliersees auf eine Wiese bei der Rixner Alm gefahren sei und dort seine Stühle aufgebaut habe. Um das Problem in den Griff zu bekommen, schlug Schnitzenbaumer vor, feste Wohnmobilstellplätze im Ort auszuweisen. Für eine Gebühr von zehn Euro pro Tag könnten Camper ihre Gefährte hier dann auch an Stromladesäulen mit Münzeinwurf anstecken. Als mögliche Standorte nannte der Rathauschef den Waldfestparkplatz und den Fischerparkplatz an der Schlierach. 

Astrid Leitner (CSU) gefiel diese Idee ganz und gar nicht. Damit schaffe man nur den Anreiz für billiges Campen in Bestlage. „Dann bleiben sie die ganze Woche lang stehen.“ Auch Karl Hiermeyer (PWG) riet zu einer zeitlichen Begrenzung. Solche Stellplätze sollten nur für Durchreisende geschaffen werden, die eine Zwischenübernachtung brauchen. Um Wohnmobile von nicht für sie vorgesehenen Parkflächen auszusperren, schlug Leitner die Installation einer Höhenbegrenzung an der Einfahrt vor. Schnitzenbaumer versprach, die Ideen in das Konzept einfließen zu lassen.

sg

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