Durch Corona noch krasser: Der tägliche Autoansturm am Schliersee. Mit einem fragwürdigen Mittel (r.) wehrt sich ein Anwohner.
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Durch Corona noch krasser: Der tägliche Autoansturm am Schliersee. Mit einem fragwürdigen Mittel (r.) wehrt sich ein Anwohner.

„Mit Abschleppen rechnen“

Ausflügler am Schliersee bekommen sonderbare „Parkhinweise“ mit Strafandrohung - jetzt ermittelt Polizei

Die Zettel haben das offizielle Schliersee-Logo, eine klare Botschaft und hängen vermehrt an legal parkenden Autos von Badeausflüglern am Schliersee. Jetzt ermittelt die Polizei.

  • Ausflügler, die ganz legal in der Carl-Schwarz-Straße am Schliersee parkten, bekamen in letzter Zeit sonderbare Strafzettel.
  • Ihnen wurde mit „abschleppen“ und einer "hohen Verwarngebühr" gedroht, unterlegt mit offiziellem Schliersee-Logo.
  • Jetzt ermittelt die Polizei in dem Fall.

Schliersee – Das Park-Chaos in Schliersee war wohl noch nie so schlimm wie in diesem Corona-Sommer. Die Gemüter so mancher Anwohner betroffener Straßen erhitzten sich im selben Maße wie die Temperaturen stiegen. Jetzt kommt eine kleine Eskalationsstufe hinzu. In der Carl-Schwarz-Straße hat ein bislang Unbekannter „Parkhinweise“ verteilt – mit falschen Behauptungen und unter missbräuchlicher Verwendung eines Schliersee-Logos.

Schliersee: Unbekannter verteilt vermeintlich behördliche „Parkhinweise“

Nicht sonderlich gewieft kreiert: Das vermeintliche behördliche Schreiben.

Die Park-Situation in der Nähe des Schliersees ist insbesondere bei Badewetter enorm angespannt. Leidtragende sind auch die Bewohner der umliegenden Straßen. Das Problem in der Carl-Schwarz-Straße gleich beim Strandbad ist, dass in der Wohnanlage mehr Menschen leben, als es Parkplätze auf Grundstücken und Tiefgarage gibt. Also müssen die Autos auf die Straße, und wenn dort schon die Ausflügler stehen – das sind wahrlich nicht nur Münchner, sondern auch viele Menschen aus den Nachbargemeinden – gehen die Einheimischen leer aus. Dass dies für Verärgerung sorgt, dafür zeigt das Schlierseer Rathaus Verständnis. Für das Mittel, zu dem jetzt der Unbekannte gegriffen hat, aber nicht.

Fake-Strafzettel am Schliersee: Mutter macht Rathaus aufmerksam

Ans Tageslicht beförderte die Sache eine Frau, die mit besagtem Zettel ins Rathaus kam, wie Klaus Doormann vom Schlierseer Bauamt berichtet. Die Dame nannte den Platz, wo ihre Tochter ihr Auto geparkt hatte, und da war klar: Der Wagen stand völlig legitim. Auf dem „Parkhinweis“ wird das anders dargestellt. Das Parken, so heißt es da, „ist nur den Anwohnern der privaten Eigentumswohnanlage gestattet“. Zudem ist von hohen Verwarnungsgebühren und – orthografisch mangelhaft – „zusätlichem abschleppen“ die Rede. Unterschrieben ist der Zettel mit „Die Parkaufsicht“.

„Die Parkaufsicht" verstört Ausflügler am Schliersee - Polizei ermittelt

Doormann stellt klar: „Das sind öffentliche Verkehrsflächen. Da darf sich jeder hinstellen.“ Freilicht: Rettungswege müssen freigehalten werden, und genug Platz für größere Fahrzeuge wie Müllabfuhr und Winterdienst muss auch bleiben, was gerade in Kurvenbereichen oft missachtet wird. Die Gemeinde hat deshalb heuer im Sommer recht umfangreich entsprechende Bereiche markiert. zum Beispiel auch auf der Josefstaler Straße. Und das mit Erfolg, wie Doormann sagt: „Diese Maßnahme hat gefruchtet.“ Das hätten Anwohner dem Rathaus berichtet. Klar: So frech, sich auf eine schraffierte Fläche zu stellen, sind die Wenigsten. Ob auch die verstärkten Kontrollen seitens der Kommunalen Dienstleistungszentrums Oberland – an einem Wochenende rückte sogar die Polizei verstärkt aus – die Parkmoral erhöht haben, lässt sich aber nur schwer sagen.

Klar ist: In der Carl-Schwarz-Straße ist das Parken erlaubt, natürlich aber nicht auf den daran angrenzenden Stellflächen auf Privatgrundstücken. Selbst, wenn der „Parkhinweis“ nur dort verteilt würden, wäre der Zettel nicht rechtens. Denn offenbar, um den Anschein eines behördlichen Schreibens zu erwecken, hat der Unbekannte das touristische Schliersee-Logo einkopiert. Ein offensichtlicher Urheberrechtsmissbrauch und laut Rathaus auch eine Amtsanmaßung. Und weil dies so ist, hat die Gemeinde eine Anzeige bei der Polizei veranlasst.

Wie viele der Zettel über welchen Zeitrum hinweg verteilt wurden, ist Doormann zufolge unklar. Auch nicht, wie viele Gäste ihn ernst genommen haben. Denn unter anderem das doch etwas dilettantisch aufkopierte Logo lassen die Fälschung eigentlich erkennen. Dennoch ist es dem Rathaus wichtig mitzuteilen, dass nicht die Gemeinde Urheber des Schreibens ist.

An der leidlichen Situation wird sich derweil so schnell nichts ändern lassen. An besucherstarken Tagen wären auch weitere Parkplätze ruckzuck voll. Mit den zu Ende gehenden Ferien entspannt sich die Situation allmählich. Doch nächstes Jahr kommt das Chaos zurück – egal, ob das Coronavirus dann beherrschbar ist, oder nicht. Die einzige Möglichkeit sieht die Gemeindepolitik bekanntlich in einer überörtlichen Lenkung des (Park-)Verkehrs. Erste Ansätze wie den Ticker der ATS gibt es ja. Es soll aber noch mehr werden.

von Daniel Krehl

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