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Ferienwohnungen am Schliersee: Unternehmer bekräftigt - „Durch uns geht kein Wohnraum verloren“

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Will Verständnis schaffen: Langenberg sagt, indem er Wohnungen, die sonst oft leer stehen, an Urlauber vermietet, gewinnen alle – auch Schliersee und seine Bewohner.
Will Verständnis schaffen: Langenberg sagt, indem er Wohnungen, die sonst oft leer stehen, an Urlauber vermietet, gewinnen alle – auch Schliersee und seine Bewohner. © stefan schweihofer

Über 30 nicht korrekt gemeldete Ferienwohnungen hat die Gemeinde Schliersee entdeckt - und will nun handeln. Über das Thema sprachen wir mit Stayfritz-Chef Thomas Langenberg.

Schliersee – In der Debatte um Ferienwohnungen meldet sich Stayfritz-Chef Thomas Langenberg (44) zu Wort. Der Schlierseer mietet mit seinem Unternehmen in der Marktgemeinde und am Tegernsee Wohnungen an und vermietet diese an Urlauber weiter. Im Gespräch erklärt er, warum er Ferienwohnungen nicht als Konkurrenz zu Wohnraum sieht und warum die Marktgemeinde aus seiner Sicht richtig handelt, wenn sie Eigentümer ungenehmigter Ferienwohnungen zum Beantragen von Nutzungsänderungen auffordert.

Ferienwohnungen in Schliersee: „Haben Unternehmen gegründet, weil viel Wohnraum ungenutzt rumsteht“

Herr Langenberg, Sie vermieten Ferienwohnungen in Schliersee und am Tegernsee. Wie viel Wohnraum geht Einheimischen dadurch verloren?

Sehr wenig oder keiner. Wir haben unser Unternehmen gegründet, weil viel Wohnraum ungenutzt rumsteht. Nehmen wir die klassische Zweitwohnung, die nur wenige Wochen im Jahr bewohnt wird. Wir mieten diese Flächen an, betreiben sie als Ferienwohnungen und vermieten sie weiter. Da sie sonst leer stehen, geht dadurch kein Wohnraum verloren.

Können Sie das so sicher sagen? Vielleicht würden die Eigentümer verkaufen, wenn sie nicht dank Ihnen Geld verdienen.

Ich kenne natürlich nicht alle Ferienwohnungen in Schliersee. Aber von den Objekten, die uns angeboten werden, weiß ich, dass sie nie auf den Mietmarkt kommen würden. Neulich hatten wir eine Familie, die ihr altes Familienhaus nur noch einmal im Jahr fürs Familientreffen nutzt. Verkaufen will sie es aber auch nicht. Andere Eigentümer wollen keine Dauermieter, weil sie überlegen, bald selbst einzuziehen. Wir machen diese Flächen für Schliersee nutzbar.

Sie sagen, es gibt keinen Konflikt Ferienwohnungen gegen Wohnraum?

Was in Schliersee und im Tegernseer Tal fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum. Wohnungen, die sich auch Kellner und Supermarktverkäufer leisten können. Die meisten unserer Flächen haben mindestens zwei oder drei Schlafzimmer. Das ist eine andere Kategorie. Auch unsere kleineren Objekte würden ohne uns leer stehen. So ist das bei den meisten Ferienwohnungen. Ich sehe keinen Konflikt.

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Bringt es der einheimischen Bevölkerung etwas, wenn Sie Touristen in die Gemeinde holen?

Mit unseren Ferienwohnungen bringen wir Menschen in die Region, die konsumieren. Das freut Vermieter, die daran verdienen, Touristen, die günstiger unterkommen als im Fünf-Sterne-Hotel, und Geschäfte, die Kunden gewinnen können. Die Gemeinde kassiert Kurtaxe. Und von Wohnungen, bei denen es Konflikte mit Nachbarn gab, haben wir uns auch schon getrennt. Für den Markt unter vier oder fünf Sternen braucht Schliersee Ferienwohnungen. Davon profitieren alle.

„Mit unseren Ferienwohnungen bringen wir Menschen in die Region, die konsumieren“

Zuletzt hatte die Marktgemeinde von 36 ungenehmigten Ferienwohnungen in reinen Wohngebieten berichtet. Betreibt Stayfritz einige davon?

Nein. Wir prüfen Wohnungen, bevor wir sie anmieten. Erster Schritt ist die Teilungserklärung. Schließt sie Ferienwohnungen aus, machen wir es nicht. Lässt sie Ferienwohnungen zu, fragen wir beim Bauamt nach, ob wir eine Nutzungsänderung beantragen müssen. Müssen wir das, haben wir ein Ingenieurbüro, dass dies für uns tut. So oder so ähnlich gehen alle professionellen Anbieter vor. Unternehmen müssen sich an die Regeln halten. Sonst bekommen sie nur Probleme.

Wieso gibt es dann ungenehmigte Ferienwohnungen?

Ich wohne seit zehn Jahren in Schliersee, meine Frau und ich haben drei Kinder. Wir kennen den Ort. Es gibt hier nur wenige, die Ferienwohnungen professionell betreiben. Viele hören von Airbnb, haben eine Fläche und wollen sich ein Zusatzeinkommen verdienen. So schlittern sie da rein, ohne daran zu denken, welche Anträge sie stellen müssen. Dadurch entstehen ungenehmigte Nutzungen. Bösen Willen würde ich nicht unterstellen. Deswegen müssen wir über das Thema reden. Das bringt uns als Region weiter.

Also ist es richtig, dass die Verwaltung von ihnen nun Anträge auf Nutzungsänderungen verlangt?

Es ist der richtige Weg. Es geht jetzt nicht um Strafen oder Fingerzeigen, sondern darum, dass man sagt: „Ferienwohnungen sind wichtig für die Gegend und ein sinnvolles Produkt. Aber es gibt Regeln, an die wir uns halten müssen.“

Entsetzt über den Plan der Marktgemeinde Schliersee, Betreiber nicht genehmigter Ferienwohnungen im Nachhinein zu Nutzungsänderungsanträgen aufzufordern, hat sich Susanne Castell geäußert. Sie verwaltet in Schliersee 30 Ferienwohnungen. Wie viele davon in reinen Wohngebieten liegen, wisse sie nicht, sagt sie unserer Zeitung. Aus der Berichterstattung schließe sie, dass es einige sein könnten. Denn Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU), Castells Ex-Mann, hatte im Bauausschuss Ferienwohnungen an der Carl-Schwarz-Straße, wo auch Castell Wohnungen betreut, als kritische Beispiele genannt (wir berichteten).

Sollten nicht alle ihre Wohnungen genehmigt sein, sieht Castell die Schuld dafür bei der Gemeinde. Sie habe neue Ferienwohnungen immer per E-Mail der Verwaltung mitgeteilt. Diese habe sie daraufhin nie aufgefordert, einen Antrag zu stellen. In der Annahme, alles sei geregelt, habe sie es dabei belassen. Da sie seit Jahren Kurtaxe und Steuern auf ihre Wohnungen zahle, könne die Gemeinde unmöglich behaupten, sie habe von ihnen nichts gewusst. Sie habe immer ihr Bestes versucht, mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten. „Alle meiner Wohnungen sind der Gemeinde bekannt“, sagt Castell.

Ihr sei wichtig, dies klarzustellen, da es in dieser Frage auch um ihren guten Ruf und ihre Geschäftsgrundlage gehe. Dass sie nun Nutzungsänderungsanträge stellen soll, die der Bauausschuss annehmen oder ablehnen kann, gefährde ihr Geschäft und schiebe ihr den schwarzen Peter für den Wohnungsmangel zu.

Auf Anfrage heißt es hierzu aus dem Rathaus, dass die baurechtliche Genehmigung unabhängig von einer Meldung bei der Verwaltung beziehungsweise bei der Gäste-Info zu sehen sei. Die rechtlich saubere Nutzung einer Immobilie liege beim Besitzer. Überdies entscheide nicht der Bauausschuss allein. Es habe auch Fälle gegeben, in denen das Landratsamt eine Ferienwohnung in einem reinen Wohngebiet entgegen dem gemeindlichen Einvernehmen untersagt habe.

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