Immobilie im Gemeindbesitz: Dieses Haus an der Rauheckstraße hat die Gemeinde geerbt.
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Immobilie im Gemeindbesitz: Dieses Haus an der Rauheckstraße hat die Gemeinde geerbt.

1,8 Millionen Euro im Haushalt eingeplant

Ein Haus und reichlich Bares: Gemeinde Schliersee erhält Erbschaft von Bürgerin - unter einer Bedingung

Für eine Gemeinde, die gerade eine enorm teure Turnhalle bauen möchte, kommt so etwas gerade recht. Eine Schlierseerin hat der Gemeinde ihr Vermögen vermacht - mit einer Bedingung.

Schliersee – Weil Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) wegen Corona derzeit keine Sitzungen einberuft, hat der Gemeinderat den Haushalt für dieses Jahr noch nicht beschlossen. Wie berichtet, steht einiges an Investitionen an, die finanziert werden wollen. Deutlich erleichtern wird dies heuer durch eine Erbschaft. Im Vermögenshaushalt sind daraus satte 1,8 Millionen Euro Einnahmen vorgesehen. Und das ist noch gar nicht alles: Denn das Haus der Erblasserin ist schon länger im Besitz der Gemeinde.

Neuhauserin vermacht ein Haus, eine Villa und drei Wohnungen

Schnitzenbaumer berichtet, wie es zu dem Geldsegen kam. Demzufolge verfügte eine Neuhauserin zunächst nur, dass ihr Anwesen an der Rauheckstraße nach ihrem Tod an die Gemeinde gehen sollte. Dies mit der Auflage, dort eine Begegnungsstätte einzurichten. Ähnlich verfuhr die Verstobene mit einer Villa am Luganer See und drei Wohnungen in Berlin. Begünstigte waren Schnitzenbaumer zufolge hier die Schweizer Botschaft und eine Stiftung. Doch diese beiden Stellen winkten wegen der Auflagen, auf die sie sich nicht einlassen wollten, ab.

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Somit blieb die Gemeinde Schliersee als Nachlassberechtige sowie eine Frau aus Gmund. Unter diesen, so entschied der Nachlassverwalter, wird das Erbe nach Abzug des Pflichtanteils verteilt. Ihre eigentlichen Erben hatte die Dame bei ihrem Vermächtnis unberücksichtigt gelassen. Der Pflichtanteil steht ihnen dennoch zu.

Rathaus rechnet mit Einnahmen von 1,8 Millionen Euro

Neben dem Haus mitsamt großem Grundstück in Neuhaus, das der Gemeinde seit 2019 gehört, rechnet das Rathaus eben mit 1,8 Millionen Euro, die durch das Vermächtnis ins Gemeindesäckel fließen. Dies erst heuer, weil die gesetzlichen Erben den Klageweg beschritten, laut Schnitzenbaumer aber sowohl vor dem Landgericht München II als auch dem Oberlandesgericht scheiterten. Bliebe nur noch der Gang zum Bundesgerichtshof.

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Ein kleiner Haken: Schliersee kann den Wunsch nach einer Begegnungsstätte im Wohngebiet an der Rauheckstraße nicht erfüllen. Anders als die anderen Begünstigten warf Schliersee deshalb aber nicht die Flinte ins Korn. „Wir stehen mit dem Nachlassverwalter in Kontakt, wie wir das Vermächtnis auf andere Art und Weise erfüllen können“, sagt Schnitzenbaumer.

Begegnungsstätte im Wohngebiet nicht möglich

Das eigentlich der Gemeinde zugedachte Vermögen, also nur das Gebäude, ist laut einem Gutachten nicht erhaltenswürdig, wie Schnitzenbaumer weiter berichtet. Was damit passiert, ist noch unklar und liegt in Händen des Gemeinderats. In den Besitz des Hauses war die letzte Eigentümerin über ihren Lebensgefährten gekommen, dem ursprünglich auch die anderen Liegenschaften gehörten. Über die Motive der Frau sagt der Bürgermeister: „Sie hat sich hier Wohl gefühlt und wollte, dass etwas Gutes für die Gemeinde tun.“ Von Daniel Krehl

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