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Ein Filetgrundstück, das seit Jahrzehnten einer Verwertung harrt: das Areal an der Stolzenbergstraße mit Blick zum Schliersee im Norden. Für das Gesundhotel ist der Gemeinderat bereit, das Baurecht zu erweitern.

Gesundhaus in Schliersee

Hotel-Planer verspricht Rücksichtnahme auf Nachbarn

Großprojekte provozieren oft Widerstand. Das ist beim Gesundhaus in Neuhaus – ein viele Millionen Euro teures Vorhaben – nicht anders. Nun hat das beauftragte Architekturbüro den Planungsstand vorgestellt.

Schliersee – Es scheint der Durchbruch nach Jahrzehnten zu sein. Vergangenes Jahr wurde ein Stuttgarter Projektplaner in Schliersee mit dem Wunsch vorstellig, an der Stolzenbergstraße in Neuhaus ein Hotelprojekt zu verwirklichen. Seit den frühen 1980er-Jahren hatte der Gemeinderat alle Wünsche, dort Wohngebäude zu errichten, abgelehnt und an dem damals per Bebauungsplan formulierten Willen einer touristischen Nutzung festgehalten. Die drei Baufenster – zweimal 25 mal 20, einmal 27 mal 22 Meter – entsprechen schon längst nicht mehr den Anforderungen der Branche. Somit war klar, dass das bestehende Baurecht geändert werden muss, damit ein Investor zugreift. Dies geschieht aktuell über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan (wir berichteten). An dem werkeln der beauftragte Bebauungsplanarchitekt der Gemeinde und der Planer des Investors gemeinsam. Den aktuellen Sachstand stellte nun David Cook vom Büro HaasCookZemmrich aus Stuttgart im Bauausschuss vor.

Das Bemühen, den Groll, der sich vor allem in der südlichen Nachbarschaft regt, zu befrieden, war in Cooks Einlassungen spürbar. „Wir wollen uns so weit wie möglich von der südlichen Grundstücksgrenze fernhalten“, sagte der Architekt. Ziel sei es auch, den Blick der Hinterlieger in Richtung See nicht völlig zu verstellen. „Wir müssen das in die Nachbarschaft einbetten, das ist das Wichtigste überhaupt.“ Deshalb seien die Gebäudebreiten optimiert und die Anordnung noch einmal überdacht worden. Die Zahl der Gästezimmer sei dadurch etwas gesunken – von 139 auf 119 bei 238 Betten. Als Knackpunkte, über die man reden müsse, nannte Cook die Gebäudehöhen und die Stellplätze. Die örtliche Satzung sieht einen Bedarf von über 130 Parkplätzen vor, doch das wollen die Planer nicht. Etwas über 80 – 64 davon in einer Tiefgarage – sieht die aktuelle Planung vor. „Wir arbeiten an einem Mobilitätskonzept und hoffen, dass möglichst viele Gäste mit Bus oder Bahn kommen“, sagte Cook. Das würde vor allem zum Konzept des kleineren der beiden Hauptgebäude passen: dem Biohotel.

Die jüngsten Änderungen waren das Ergebnis einer Besprechung mit dem Schlierseer Bauamt zwei Wochen zuvor. Dabei war Cook wohl nicht erläutert worden, dass Gestaltungs- und Stellplatzsatzung bei Sonderbauten – wie es ein Hotel darstellt – nicht gelten beziehungsweise Ausnahmen immer möglich sind. Der Bauausschuss machte auch deutlich, dass ihm weniger Parkplätze auch lieber sind als eine großflächige Versiegelung. Eine größere Tiefgarage wäre unterdessen ein Kostentreiber.

Klar machte Bauamtsleiterin Birgit Kienast – wohl auch mit Blick auf die Nachbarn –, dass auf dem Gelände eine Wendemöglichkeit speziell für Schwerlastverkehr zwingend erforderlich ist. „Der Verkehr muss über den Bahnhof abgewickelt werden“, betonte auch Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Denn die Straßen und Kreuzungen im südlich des Geländes liegenden Wohngebiet wären dafür schlichtweg zu eng.

Das Vorhaben: Neben einem großen Gästehaus sollen ein Biohotel (oben r.), ein Mitarbeiterhaus und Chalets entstehen (Blickrichtung Süd).

Was im Bauausschuss noch auf Missfallen stieß, war der rund 70 Meter lange Riegel entlang der Stolzenbergstraße. Der beratende Architekt Heinz Blees schlug eine Untergliederung vor, Gerhard Krogoll (CSU) regte an, diesen mit dem Biohotel zu tauschen, die Gebäude „etwas angenehmer zu platzieren“.

Eine Beschlussfassung war im Bauausschuss nicht vorgesehen. Die wird wohl erst im Gemeinderat fällig, wenn der Entwurf dort ins weitere Verfahren geschickt wird. Cook würde diesen Schritt gerne noch im Januar gehen, Schnitzenbaumer hat da aber seine Zweifel. „Wir brauchen ja erst noch einen Durchführungs- und Erschließungsvertrag.“ Weil neben dem Gesundhaus mit der überarbeiteten Gestaltungssatzung aber ein zweites zeitraubendes Thema zur Behandlung ansteht, denkt das Rathaus über eine Sondersitzung mit diesen beiden Tagesordnungspunkten nach.

In Schliersee kommen noch andere Grundstücke für Hotels in Frage.Lesen Sie hier.

Ein anderes Projekt, an dem auch der Bürgermeister beteiligt war, sorgte zwischenzeitlich für Aufregung.

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