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Jede fünfte Ferienwohnung am Schliersee ungenehmigt – Rathaus droht mit Konsequenzen

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Von: Christian Masengarb

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Nicht erlaubt: Wer seine Wohnung in Schliersee ungenehmigt an Urlauber vermietet, muss nun einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen.
Nicht erlaubt: Wer seine Wohnung in Schliersee ungenehmigt an Urlauber vermietet, muss nun einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. © Thomas Plettenberg

In Schliersee vermieten mindestens 36 Wohnungseigentümer Apartments als Ferienwohnungen, die dafür nicht genehmigt sind. Die Marktgemeinde steuert gegen.

Schliersee – Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) präsentierte dem Bauausschuss nun Zahlen zu Wohnungen, die in Schliersee ungenehmigt als Ferienwohnungen genutzt werden. Bei Recherchen habe die Verwaltung 177 Ferienwohnungen in der Marktgemeinde auf Internetportalen gefunden. 122 davon seien als Ferienwohnungen genehmigt. Bei 18 sei die Genehmigung nicht überprüfbar, teils wegen zu alter Unterlagen. Diese 18 Wohnungen müsse die Gemeinde wohl akzeptieren, so der Bürgermeister. Die übrigen 36 seien aber sicher nicht als Ferienwohnung genehmigt – fast exakt 20 Prozent der Angebote. „Um die geht’s“, sagte Schnitzenbaumer. Wobei nicht genehmigt nicht immer heißt, dass die Nutzung illegal ist.

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Schliersee: Jede fünfte Ferienwohnung ungenehmigt

„Es sind völlig unterschiedliche Fälle“, erklärte der Bürgermeister. In einem Fall habe ein Eigentümer beispielsweise in seinem Haus eine Wohnung als Ferienwohnung vermietet, in einem anderen seien Einheiten einer großen Wohnanlage an der Carl-Schwarz-Straße an Urlauber vermietet worden. „Das ist in meinen Augen ganz anders zu sehen.“ In großen Anlagen störe die ständig wechselnde Belegung einer Ferienwohnung den Hausfrieden.

Das weitere Vorgehen umschrieb Schnitzenbaumer so: „Was genehmigt ist, nehmen wir zur Kenntnis; was nicht nachweisbar ist, da können wir nichts machen.“ Die 36 Eigentümer ungenehmigter Ferienwohnungen werde die Gemeinde aber auffordern, Nutzungsänderungen zu beantragen. Dann werde die Gemeinde im Einzelfall entscheiden. „Liegt es im Mischgebiet? Liegt es im reinen Wohngebiet? Ist es ein Mehrfamilienhaus mit ausschließlicher Wohnnutzung? Ist es ein Haus, in dem sowieso nur Ferienwohnungen sind?“ Diese Fragen gelte es zu beantworten.

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Da Ferienwohnungen als nicht störendes Gewerbe gelten, müsste die Verwaltung Anträge auf Nutzungsänderung in allgemeinen Wohngebieten oder Mischgebieten bewilligen. Ablehnen könnte sie diese nur in reinen Wohngebieten.

Das Gremium unterstützte diesen Weg. Horst Teckhaus (PWG) sagte, er würde gerne auch die 18 unsicheren Wohnungen prüfen, sah aber ebenfalls keinen gangbaren Weg, dies zu tun. Einen Beschluss fasste der Ausschuss nicht, da Schnitzenbaumer die Gemeinderäte nur über das Vorgehen der Verwaltung informiert hatte. Abstimmungen folgen, sobald die Anträge zu Nutzungsänderungen eingehen.

Wohnraum und Ferienwohnungen konkurrieren - Problem aus Großstädten bekannt

Mit der Auswertung der Ferienwohnungen hat Schnitzenbaumer eine Ankündigung aus dem Juni umgesetzt. Wie berichtet, hatte Schliersee von höherer Stelle eine angespannte Wohngebietskulisse bescheinigt bekommen. Daraufhin hatte Schnitzenbaumer angekündigt, die ungenehmigte Nutzung von Wohnungen in reinen Wohngebieten und Mischgebieten als Ferienwohnungen überprüfen zu lassen.

Hintergrund der Prüfung ist, dass durch Internetportale wie Airbnb reine Wohneinheiten vielerorts ungenehmigterweise viele Monate im Jahr an Urlauber vermietet werden, weil sich die Eigentümer davon mehr Geld erhoffen. Dies verstärkt die Wohnungsnot und hat in Großstädten wie München bereits Gegenmaßnahmen ausgelöst. Weil auch im Landkreis Wohnraum knapp und der Urlauberanteil hoch ist, lag die Vermutung nahe, dass auch hier Wohnungen ungenehmigt an Urlauber vermietet werden.

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Die Schlierseer Zahlen unterfüttern diese Vermutung nun mit handfesten Zahlen: In der Marktgemeinde war zum Zeitpunkt der Erhebung jede fünfte Ferienwohnung ungenehmigt.

Verkompliziert wird das Problem dadurch, dass Schliersee als Tourismusort Ferienwohnungen braucht. Die gleichzeitige Wohnungsnot schafft einen Zielkonflikt. Mit ihrem Vorstoß hat die Gemeinde nun aber klargestellt, selbst entscheiden zu wollen, welche Wohnungen an Touristen und welche an Bewohner vermietet werden dürfen.

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