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Plangebiet verkleinert: Das Mischgebiet (gelb) ist nicht mehr Bestandteil des Bebauungsplans, weil eine große Population der Bartfledermaus eine Halle (blau umrandet) direkt am Breitenbach bezogen hat.

Straßenzug komplett gestrichen

Wegen dieser Fledermaus: Landratsamt kippt Baupläne

Schliersee – Fast wäre das neue Wohngebiet am Breitenbach gemachte Sache gewesen. Doch auf den letzten Metern flog der Gemeinde die Bartfledermaus in die Quere.

Das ist eigentlich ein Zeitgenosse ganz nach dem Schlierseer Geschmack: gesellig und heimatverbunden. Oder auch: standorttreu und einigermaßen resistent gegen Störungen. Wohl auch wegen dieser Eigenschaften fühlt sich die Bartfledermaus in einer Lagerhalle des Holzwerks Fichtner sauwohl. Und weil das Tier geschützt ist, darf seine Residenz – zumindest vorläufig – nicht angerührt werden. Für die Firma Fichtner und die Gemeinde Schliersee heißt dies: Die Umwandlungspläne für das Gewerbegebiet Breitenbach müssen noch einmal geändert werden.

Das bisher im Süden geplante Mischgebiet als Puffer zum Betriebsgelände der Firma Warnecke & Böhm fällt nun erst einmal weg. Die Pläne für die Wohnbebauung bleiben unverändert. Zu sechs Einfamilien- kommen fünf neue Mehrfamilienhäuser sowie das noch als Holzmarkt genutzte Gebäude. Die vom Gemeinderat festgelegte Höchstzahl an Wohneinheiten bleibt bei 63 Einheiten. Der Gemeinderat hat zuletzt die geänderte Planung ein weiteres Mal gebilligt. Läuft diesmal alles nach Wunsch, könnte der, flächenmäßig reduzierte, Bebauungsplan noch heuer rechtskräftig werden.

Seitens des Gemeinderats war eigentlich schon alles in trockenen Tüchern, das Verfahren abgeschlossen. Was nur noch fehlte, war ein die abschließende artenkundliche Beurteilung. Und just die hat einen Teil des Vorhabens über den Haufen geworfen. Denn die Beobachter wurden in einem Maße fündig, wie sie es selbst nicht für möglich gehalten hätten. Satte 90 Tiere zählten sie – Bartfledermäuse – was im Landkreis in jedem Fall ein bedeutendes Vorkommen wäre, wie Josef Faas, Fachreferent Naturschutz am Landratsamt Miesbach, sagt: „Das ist nichts Triviales. Solche Quartiere sind Mangelware. Das besteht schon die Pflicht, sie zu erhalten.“

Das gilt im besonderen Maße für den Fall, dass die Große Bartfledermaus ihre Wochenstube (Fortpflanzungsstätte) am Breitenbach bezogen hat. Das hätte dann überregionale Bedeutung, denn diese Unterart gilt als stark gefährdet. Es gehört nun mal zur Aufgabe des Menschen, bedrohte Arten zu schützen, wenn er ihnen in der Vergangenheit den Lebensraum gestohlen hat. Im Klartext heißt das: Der Abriss des Holzschuppens ist tabu. Das gilt auch für den Fall, dass es sich bei dem Vorkommen um die weniger gefährdete Kleine Bartfledermaus handelt. Denn allein die Größe der Population ist bedeutsam.

Faas weiß, dass immer, wenn Artenschutz Bauvorhaben be- oder verhindert, Kopfschütteln und ungläubig-höhnisches Gelächter nicht weit sind. Der Kriechende Sellerie in Bad Wiessee ist vielen wohl noch in Erinnerung. Umso mehr lobt der Naturschutz-Fachmann die konstruktiven Gespräche mit Gemeinde und Grundeigentümer. Weder von der einen noch der anderen Seite bestehe Eile, das bislang geplante Mischgebiet umzusetzen. Somit können die Experten die Bartfledermaus weiterhin beobachten und beurteilen, ob ihr Sommerdomizil – das Tier überwintert in frostsicheren Höhlen, Stollen und auch Kellern – unter Umständen einfach ein paar Meter versetzt werden kann. Allerdings lässt sich die standorttreue Fledermaus nur ungern umquartieren. An der Tatsache, dass die Halle noch als Lager für Schnittware genutzt wird, stört sie sich in ihrer Wochenstube hinter Windbrettern hingegen nicht.

Ambros Fichtner kann die Verzögerung gut verkraften. Gut vier Jahre sind vergangenen, seit er die Umwandlungspläne neuerlich angestoßen hat. Da sie nun konkreter werden, rückt auch das Ende des Holzmarkts im Norden des Gewerbegebiets näher. Auch er weicht Wohnungen. Womöglich betreibt Fichtner sein Geschäft im Süden des Gewerbegebiets weiter.

Daniel Krehl

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