Landwirt Kaspar Hirtreiter aus Schliersee auf der Weide vor seinen Kühen.
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Vermisst fünf Kalbinnen: Landwirt Kaspar Hirtreiter aus Schliersee ärgert sich über die Folgen eines Feuerwerks in seiner Nachbarschaft. Neun seiner Kühe nahmen vor Panik Reißaus, nur vier konnte er bislang wieder finden.

Ärger um Hochzeitsfeier am Schliersberg

Nach Panik wegen Feuerwerk: Mehrere Kühe am Schliersee verschollen - Landwirt startet Suchaufruf

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein Feuerwerk am Schliersberg hat die Kühe von Kaspar Hirtreiter in Panik versetzt. Neun junge Kühe nahmen Reißaus, fünf von ihnen sind bislang nicht wieder aufgetaucht.

  • Ein Landwirt aus Schliersee sucht fünf Kalbinnen.
  • Die Tiere haben nach einem Feuerwerk am Schliersberg Panik bekommen und sind abgehauen.
  • Das Feuerwerk selbst war ordnungsgemäß angemeldet und genehmigt.

Schliersee – Selbst drei Reihen Stacheldraht konnten die panischen Kalbinnen nicht aufhalten. Die neun jungen Kühe durchbrachen den geschlossenen Zaundurchlass von Kaspar Hirtreiters Weide am Schliersberg und galoppierten in die Dunkelheit. „Die sind stangerlgrad davongerannt“, berichtet der Schlierseer Landwirt. Der Grund für die Fluchtreaktion am späten Samstagabend sei ein Feuerwerk beim rund 100 Meter Luftlinie entfernten Basislager gewesen, sagt Hirtreiter. Der Krach und die Lichtblitze hätten seine Tiere so erschreckt, dass sie Reißaus genommen hätten.

Fünf Kühe nach Feuerwerk am Schliersberg verschollen

Vier von ihnen konnte der Landwirt am Sonntag dank ihres Glockengeläuts wieder ausfindig machen, von den anderen fünf fehlt jede Spur. Eine gezielte Suche ist zwecklos, meint Hirtreiter. Das Gebiet um den Rohnberg sei zu weitläufig. „Vielleicht sind die Viecher auch Richtung Leitzachtal unterwegs.“ Akute Sorgen, dass ihnen etwas zustoßen könnte, hat der Landwirt nicht. Gras und Wasser würden sie genug finden. Dennoch würde Hirtreiter seine verschollenen Kalbinnen gerne zurück nach Hause holen. Seine Hoffnung ruht nun auf anderen Landwirten, Förstern, Jägern oder Wanderern, denen die Tiere vielleicht begegnen.

Feuerwerk am Schliersee: Kühe nehmen Reißaus

Doch auch das Feuerwerk beschäftigt Hirtreiter. Wäre er vorher informiert worden, hätte er seine Kalbinnen rechtzeitig in den Stall getrieben. Die Geschäftsführerin des Basislagers, Natascha Flörcken, versichert auf Nachfrage des Miesbacher Merkurs, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Event-Location sei am Samstagabend für eine private Hochzeitsfeier vermietet gewesen. Die Mieter wiederum hätten eine professionelle Pyrotechnik-Firma mit einem Feuerwerk beauftragt. „Als wir davon erfahren haben, haben wir umgehend auf die erforderliche Genehmigung hingewiesen“, sagt Flörcken. Diese habe die Firma dann auch vorgelegt, zusätzlich sei das Feuerwerk auf der Internetseite der Gemeinde Schliersee angezeigt worden. Tatsächlich ist dort ein Vermerk für Samstag, 3. Oktober, zwischen 21 und 22.30 Uhr am Dekan-Maier-Weg zu finden.

Gemeinde hat keine Handhabe gegen professionelle Feuerwerke

Dies sei das übliche Vorgehen bei professionellen Feuerwerken, erklärt Christine Neundlinger vom Ordnungsamt der Marktgemeinde. Anders als bei privaten Knallereien, für deren Verbot es in Schliersee eine freiwillige Vereinbarung gebe, könne man beim Gewerbeaufsichtsamt angemeldete Pyrotechnik nur schwer ablehnen. Damit sich aber die Nachbarn darauf einstellen kommen, schalte man eine Information auf der Gemeindehomepage und bei Bedarf auch in den Medien.

Das konkrete Feuerwerk am Basislager sorgt – trotz korrekter Anmeldung – jedoch für einiges an Kritik. Auch Neundlinger hat einige aufgebrachte Anrufe bekommen, berichtet sie. Es handle sich eben um ein dicht bebautes Gebiet mit entsprechenden Auswirkungen auf die Nachbarschaft.

Kühe am Schliersee nach Feuerwerk verschollen: Landwirt startet Suchaufruf

Flörcken beteuert, das die Aktion am Basislager bislang eine Ausnahme war. „Es war das erste Feuerwerk überhaupt bei uns.“ Generell achte man sehr genau auf die Einhaltung aller Vorschriften, auch in Sachen Lärm. Beschwerden in dieser Hinsicht kann die Geschäftsführerin daher nicht recht nachvollziehen. Dass Landwirt Hirtreiter nun seine Kühe vermisst, „tut uns natürlich leid“, sagt Flörcken. „Auch wenn von unserer Seite aus alles korrekt abgelaufen ist.“

Hirtreiter selbst kann den Trend zur Pyrotechnik bei Events nicht recht nachvollziehen. Als gelernter Hotelfachmann und Anbieter von „Urlaub auf dem Bauernhof“ sei ihm die Bedeutung des Tourismus durchaus bewusst. „Das ganze Remmidemmi ist mir aber zu viel.“ Die Aussage, dass die Info im Internet einsehbar gewesen wäre, reicht ihm nicht: „Soll ich als Landwirt täglich nachschauen, ob irgendwo ein Feuerwerk gezündet wird?“

Hinweise auf seine vermissten Kalbinnen nimmt Landwirt Kaspar Hirtreiter unter 01 62 /170 36 75 entgegen.

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